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    Der Tour-Return

    Vom Super-Talent zum Loser-König

    Vor einem Jahr, da war noch alles gut. Mit geringen Erwartungen waren die Amerikaner in die US Open gestartet, doch dann stürmten plötzlich vier ihrer lokalen Heroen sogar bis ins Achtelfinale. "American revivals" titelten die heimischen Zeitungen schon überschwänglich und bejubelten den neuen Schwung im lange darbenden Herrentennis. Denn einer aus dem Quartett war Donald Young, und den hatten sie in Amerika eigentlich schon längst abgeschrieben. Dabei wurde ihm stets eine goldene Karriere vorausgesagt.

    Mit 15 Jahren war dieser Junge aus Chicago Profi geworden, stürmte an die Spitze der Juniorenweltrangliste - mit 16 Jahren und fünf Monaten so früh wie niemand zuvor. Die Amerikaner waren sich schnell sicher: Da war er, ihr neuer Champion. Einer, der ihre Sehnsüchte erfüllen würde nach den ganz großen Siegen. Doch Young vermochte diese Rolle nicht auszufüllen, blieb das große Talent, schien gar ein ewiges zu bleiben. Young trieb sich auf der Challenger-Tour herum, verlor gegen Gegner, die um Platz 300 in der Rangliste standen. Der Erwartungsdruck lastete schwer auf den Schultern des Teenagers, fast hätte er alles hingeworfen, noch bevor er volljährig war. Young wirkte stets wie jemand, der einen Lottoschein mit sechs Richtigen in der Tasche hat, aber nicht weiß, wie man ihn einlöst.

    17 Pleiten in Folge...

    Doch dann kamen im letzten Jahr die US Open, und der Knoten schien bei Young endlich geplatzt zu sein. Damals 22 Jahre alt, mit der schief aufgesetzten Baseballmütze als Markenzeichen, spielte er wie im Rausch und bezwang sogar Stanislas Wawrinka. Young hatte trainiert, vielleicht erstmals wirklich ernsthaft in seinem Leben. In der Off-Season hatte er im USTA-Stützpunkt im kalifornischen Carson einen Monat lang intensiv gearbeitet. Mardy Fish und Sam Querrey waren auch dort, sogar Pete Sampras stand ihm für ein paar Trainingseinheiten zur Verfügung. "Wir haben abwechselnd zwei Tage Fitness, dann zwei Tage Tennis gemacht — das ist mehr, als ich je gemacht hatte", sagte Young, "direkt danach fühlte ich mich total platt, aber ich denke, so langsam zahlt es sich aus."

    Es wäre zu schön gewesen, doch der Höhenflug dauerte nicht lange an und führte Young nun in das gleiche, trübe Tal zurück, aus dem er gekommen war. Tennis hatte er immer geliebt, nur das ständige Verlieren gehasst. Nun hat Young jedoch eine Serie, die schwärzer ist als alle jemals zuvor: In Cincinnati unterlag er dem Qualifikanten Jesse Levine — es war Youngs 17. Pleite in Folge. Noch vier weitere Niederlagen und Young hätte mit der unrühmlichen Serie seines Landsmannes Vince Spadea gleichgezogen. Der brachte es vor zwölf Jahren mal auf 21 Pleiten am Stück. Young hat zum letzten Mal im Februar ein Match gewonnen, beim Turnier in Memphis gegen den Bulgaren Grigor Dimitrov.

    Siege gegen Young sind ein Kinderspiel

    Inzwischen ist Young das Gesprächsthema in der Umkleide, ein paar witzeln schon über den "König der Loser" und fragen sich, wie lange die Strähne wohl noch andauert. Manche wiederum wundern sich nicht, dass Young das Gewinnen verlernt hat. So wie sein vorletzter Gegner Jeremy Chardy, der nämlich in Toronto feststellte, dass Young nach dem Satzausgleich einfach aufgehört habe zu spielen. Der Sieg sei so ein Kinderspiel gewesen. Der Druck, die Erwartungen, das strikte Profileben — mit all dem kommt Donald Young nach wie vor nicht zurecht.

    Und obwohl er mit seinen 23 Jahren im besten Tennisalter ist, wird es immer fraglicher, ob er sich vom unteren Rand der Top 100 jemals dauerhaft in den oberen Regionen etablieren, geschweige denn ein großer Champion werden wird. Bei den US Open wird der Druck für Young dieses Mal nicht geringer, im Gegenteil, nach dem Achtelfinale wird mehr auf ihn geschaut werden — und wegen der Pleiten-Serie sowieso. Young selbst will zwar nicht daran denken: "Aber ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich das nicht täte. Ich zähle aber nicht mit. Ich will wirklich nicht wissen, wie oft ich schon verloren habe." Er braucht sich nicht zu sorgen, das Zählen übernehmen schon andere...

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