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    Der Tour-Return

    Serena: Die wahre Königin bin ich!

    Da war sie wieder, diese Faust, die Serena Williams in der Woche von Istanbul wieder und immer wieder den Gegnerinnen entgegen gereckt hatte. So bedrohlich, dass ihr gewaltiger Bizeps dabei fast zu bersten schien. Als hätte sie es nötig, ihre Vormachtstellung im Damentennis noch irgendwie zu untermauern. Von wegen. Mit der gleichen wuchtigen Erbarmungslosigkeit, mit der Bud Spencer früher aus Ganoven Kleinholz machte, rückte sie ihren Kontrahentinnen bei diesen Championships zuleibe. Und die konnten so gut spielen, wie sie wollten, gegen diese Serena Williams wirkten sie doch wie hilflose Amateure, die fürchterliche Prügel bezogen.

    Vier große Titel, aber "nur" die Nummer drei

    Und natürlich dauerte es nicht lange, nachdem sich der silberne Flitterregen gesetzt hatte und das Blitzlichtgewitter erloschen war, bis Serena Williams einmal mehr erklärte, dass sie doch die wahre Nummer eins sei - und brach damit erneut die Diskussion über die Zählweise des Rankingsystems vom Zaun. Denn an dieser Rangliste könne ja etwas nicht stimmen, wenn sie nach dieser furiosen Saison nur die Nummer drei und nicht die Nummer eins der Welt sei. "Es ist doch wohl wahr, ohne dass ich zu überheblich wirken will", meinte sie.

    Dass Serena Williams gefühlt die Beste der Branche ist, daran zweifelt niemand. Sie gewann Wimbledon, wurde Olympiasiegerin, siegte bei den US Open und nun bei der WM in Istanbul. Nimmt man die letzten drei Triumphe zusammen, so hat sie während dieser Turniere insgesamt nur einen Satz abgegeben. Im Finale von Istanbul hämmerte sie unglaubliche 40 Winner ins Feld, leistete sich nur 14 Fehler und ließ keinen einzigen Breakball zu. Dass sie mit 31 Jahren die älteste Spielerin der Historie ist, die den WM-Titel gewann, spielt keine Rolle. "Ich habe doch immer gesagt: Wenn ich gut spiele, ist es wirklich schwer, mich zu schlagen", stellte sie klar. Alle drei Duelle in dieser Saison mit Maria Scharapowa hat Serena Williams gewonnen und die fünf gegen Viktoria Asarenka auch - dennoch stehen beide in der Rangliste vor ihr.

    Mouratoglou glaubt an Fehler im System

    Serena Williams beendet die Saison mit einer Bilanz von 58:4 Siegen, sieben Titeln, davon vier große. Doch bei den eigentlich verpflichtenden Masters-Turnieren in Indian Wells und Peking war sie nicht angetreten. Hätte sie es getan, stünde sie nun wohl tatsächlich auf Rang eins. Doch Serena Williams hat schon immer deutlich weniger Turniere gespielt als alle anderen - und das System belohnt nun mal Vielspielerinnen - so entsteht eben regelmäßig das Ungleichgewicht zwischen gefühlten und tatsächlichen Kräfteverhältnissen. Und Asarenka hat in dieser Saison viel gespielt und oft gewonnen, also steht sie am Ende oben. Und da sie die Australian Open gewann, ist zumindest dieser Teil der leidigen Diskussion hinfällig.

    "Es ist schon seltsam, dass man zwei Grand Slams, Olympia, Madrid und die Championships gewinnt und trotzdem die Nummer drei ist", wunderte sich auch Serenas Coach Patrick Mouratoglou, "wenn da irgendwo ein Fehler im System ist, sollte man ihn finden." Nach dem Schock der Erstrundenniederlage in Paris hatte sich Serena Williams in Mouratoglous Akademie geflüchtet und der Franzose tut ihr offenbar in jeder Hinsicht gut. Nach dem Tiefpunkt in Roland Garros holte sie zum gewaltigen Gegenschlag aus, der ihr schließlich noch eine fast so traumhafte Saison bescherte, wie sie Serena Williams 2002 erlebt hatte. Einen erneuten "Serena Slam" hält Mouratoglou nicht für unmöglich, sie selbst natürlich auch nicht. Und niemand, der ihre eindrucksvolle Karriere in den letzten 17 Jahren verfolgt hat, wäre so dumm, Serena Williams nicht alles zuzutrauen.

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