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    Der Tour-Return

    Null Bock! Ein Rabauke macht Ärger

    Florian Mayer merkte es in der ersten Runde in Schanghai ganz schnell: Sein Gegner Bernard Tomic hatte einfach keinen Bock. Nur acht Punkte machte der junge Australier noch im zweiten Satz, spielte völlig lustlos. Das kann passieren, und es passiert auch Woche für Woche irgendwo bei irgendeinem Turnier: Abschenken nennt man das, wenn sich ein Spieler nicht genug bemüht, um ein Match gewinnen zu wollen. Wer nicht alles gibt, kann mit Punktabzügen bestraft werden, nach dem Verhaltenskodex kann es am Ende sogar eine Strafe von 10.000 Dollar für Null-Bock-Profis geben. Zu beweisen ist es oft schwer, die meisten schenken einfach ein paar Spiele ab, und dann kann man ihnen kaum etwas anhaben. Schon gar nicht, wenn sie angeben, sie fühlten sich eben nicht wohl.

    Zoff, Ärger, Eskapaden...

    Anders war es jedoch bei Bernard Tomic, denn der gab hinterher freimütig zu, dass er nicht alles, sondern nur etwa "85 Prozent gegeben" hatte. Offenheit ist ja löblich, in diesem Fall aber war sie schlicht dumm. Und es ist beileibe nicht die erste ungeschickte Äußerung des Rabauken aus Down Under, der in den letzten Jahren meist Schlagzeilen abseits des Courts machte. Keinem Zoff geht der kräftige Hüne aus dem Weg, legt sich gerne mit der Presse an und pöbelt gegen Schiedsrichter, Spieler oder seinen Vater und leistete sich schon etliche Eskapaden. Er zieht den Ärger förmlich an.

    Natürlich sollte man Tomic sein Alter zugute halten, er wird erst in diesem Monat 20 Jahre alt. Und dass er schon seit seinen sehr erfolgreichen Juniorentagen mit der schweren Erwartungsbürde als Hoffnungsträger der Australier herumläuft, hat es ihm nicht einfacher gemacht. Das war nie zu übersehen. Genau wie sein großes Talent. Tomic ist immer noch der jüngste Spieler in den Top 100, im Juni war er die Nummer 27 der Welt. In Zeiten, in denen viele Spieler deutlich älter als noch vor ein paar Jahren ihre großen Erfolge feiern, ist Tomic inzwischen eine Ausnahmeerscheinung. Auch, was sein ungestümes Wesen angeht. Aber obwohl sein Rebellieren gegen alles und jeden zwar seinem Alter entspricht, wirkte Tomic in den letzten Monaten deutlich überfordert.

    Stefanki als Rettungsanker?

    Neun Erstrundenniederlagen setzte es in dieser Saison, bei mancher trat Tomic ebenso bocklos auf wie gegen Mayer. In Wimbledon wurde er nach der frühen Niederlage sogar ausgebuht, nachdem er sich auf dem Platz wie ein Flegel verhalten hatte. Hinterher sagte Tomic frei heraus, er habe in den letzten zwei Monaten nicht genug trainiert. Im Jahr zuvor stand er in Wimbledon noch sensationell im Viertelfinale. Doch Tomic lief in die klassische Neuling-Falle und packte sich seinen Turnierplan viel zu voll. Schanghai war bereits sein 25. Turnier in dieser Saison, hinzu kamen noch drei Davis-Cup-Einsätze. Tomic ist überspielt, und er spürt den typischen Druck nach dem rasanten Debütjahr auf der Tour, in der zweiten Saison die Leistungen bestätigen und Punkte verteidigen zu müssen. Kaum ein Spieler kommt damit auf Anhieb klar, doch Tomic ist eben einer, bei dem sofort auch noch die richtige Einstellung angezweifelt wird.

    So wie bei den US Open, als Tomic seine Partie gegen Andy Roddick so lustlos spielte, dass Altmeister John McEnroe scharf kommentierte: "Das ist armselig, eine Schande." In der Pressekonferenz verlor Tomic dann völlig die Beherrschung und hätte einen Journalisten fast zu einer Hinterhofprügelei aufgefordert. Auch Davis-Cup-Kapitän Patrick Rafter urteilte über seinen Auftritt: "Das war ehrlos." Spielen ließ er Tomic in der Relegation gegen die Deutschen trotzdem, aber nur aus Mangel an Alternativen. Und Tomic versagte auch in Hamburg. Eigentlich schien es, als hätte Rafter noch im letzten Jahr einen guten Einfluss auf den schwierigen Teenager gehabt. Tomic hörte offenbar auf dessen Rat und Kritik und benahm sich besser auf dem Platz. Doch seine Leistungen sind wieder so schwankend wie seine Launen. Der Kopf ist und bleibt sein Schwachpunkt. Vielleicht wäre es für Tomic an der Zeit, mal bei Larry Stefanki anzurufen. Denn welcher Trainer hätte wohl größeren Erfolg mit Problemfällen gehabt als er. Und wer Typen wie Kafelnikow und Rios bändigen konnte, für den sollte ein sperriger Teenager doch ein Kinderspiel sein.

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