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    Der Tour-Return

    Nadal: Er will doch nur spielen

    Manche Menschen sehnen sich nach einer Auszeit. Einfach mal raus, die Tasche packen, drei Monate irgendwo hin, wo die Sonne immer scheint, wo man zur Ruhe kommt und einfach mal Zeit hat. Zeit für sich, Zeit für seine Lieben, die man vielleicht mitnimmt. Raus aus dem Trott, der täglichen Hetze, und dem ständigen Versuch, immer besser zu sein als die anderen. Einfach mal weg, aussteigen.

    Sonne, Strand und viel Zeit - aber reicht das?

    Rafael Nadal hat seit drei Monaten Zeit, viel Zeit. Und auf den Fotos, die er von sich veröffentlicht, sieht man ihn beim Jetskifahren in Manacor, auf dem Boot, mit der Familie und Freundin im Arm. Man sieht ihn beim Abendessen mit Freunden, beim Golfschwung in malerischer Abendstimmung, und immer lächelt Rafael Nadal dabei. Er hat zum ersten Mal in seinem Leben die Gelegenheit, ein bisschen von jenem normalen Leben nachzuholen, für das ihm der streng durchorganisierte, elfmonatige Tourkalender sonst keine Zeit lässt. Und auf eine Weise genießt Rafael Nadal dieses Leben im Moment auch. Er ist ein Familienmensch, hat immer noch die Freunde aus seiner Kindheit um sich, denen er vertraut. Und diese Nähe tut ihm gut. Doch sein Lächeln ist anders geworden, es strahlt nicht so glücklich, wie es das sonst tut. Wenn er vor Freude in einen Siegerpokal beißt.

    Rafael Nadal hat sich kein freiwilliges Sabbatical genommen, das sieht man ihm an. Es ist eine Zwangspause, und die hindert ihn nun schon seit drei Monaten daran, das zu tun, was ihm das Liebste ist: Tennisspielen. Das tatenlose Zuschauen ist wohl für ihn das Schlimmste. Keine Olympischen Spiele, keine US Open. Er gönnt es seinen Konkurrenten, freute sich auch aufrichtig für Andy Murray. Doch nicht rausgehen zu können, nicht sein Bestes geben und alles auf dem Platz lassen zu können, ist unglaublich hart für Rafael Nadal. Dieses leere Gefühl kann ihm nicht einmal seine Familie ausfüllen. Er will doch einfach nur spielen.

    "Weiß nicht, wie lange ich noch spiele"

    Doch wie lange er es überhaupt noch tun wird, darüber spekuliert man fast schon so lange, wie Rafael Nadal auf der Tour ist. Er selbst hat auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass er seine Karriere nicht bis ins hohe Sportleralter ausdehnen könne und werde. Mit jeder neuen Knieverletzung schien die Distanz zu seinem Abschied zu schmelzen, doch dieses Mal ist es wohlmöglich umgekehrt. "Vielleicht hilft mir die Pause jetzt, meine Karriere ein bisschen weiter zu verlängern", hofft er. Aber sehr groß ist die Hoffnung des 26-Jährigen offenbar nicht. "Ich weiß nicht, wie lange ich noch Tennis spiele", sagte er, "in fünf Jahren bin ich 31 Jahre alt, und wenn man dann berücksichtigt, dass ich mit 16 Jahren angefangen habe..." Rafael Nadals Spiel hat nicht die Leichtigkeit eines Roger Federer, die er sich am meisten wünschen würde. Das spanische Kraftpaket betreibt mit seinem Stil Raubbau an seinem Körper, eigentlich sollte er nur noch auf Sand spielen. Doch wie sollte das gehen.

    Federer ist 31 Jahre alt, träumt sogar von Rio 2016. Für Rafael Nadal ist das Utopie. Er trauert noch den verpassten Chancen in diesem Jahr nach. Bis in Roland Garros die Schmerzen kamen, sei es mit die beste Saison seines Lebens gewesen. Er hatte das Gefühl, dass "ich jedes Turnier gewinnen kann". Nun sitzt er beim Angeln. Preise bekommt er trotzdem, wie den der spanischen "Vanity Fair" als einflussreichste Person des Landes. Von solchen Auszeichnungen fühlte sich Rafael Nadal stets geehrt, doch sonderlich wichtig waren sie ihm nie. Auch für sein Geld interessiert er sich nicht wirklich, wie viel er tatsächlich besitzt, darüber weiß nur sein Vater Bescheid. Man hat immer den Eindruck, Rafael Nadal sei immer noch der nette Junge von nebenan. Und obwohl es für ihn keinen schöneren Ort auf der Welt gibt, als Manacor, wäre ihm nichts lieber, als das Feriencamp sofort zu verlassen und mit den anderen wieder um die Wette zu laufen. Er will ja nur spielen. In dieser Saison wird das aber wohl nichts mehr werden.

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