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    Der Tour-Return

    Erst Goldjunge, dann Grand-Slam-Champ?

    Andy Murray am (Zwischen)ZielAndy Murray am (Zwischen)Ziel

    Es war sehr spät geworden am letzten Sonntagabend, bevor sich Andy Murray in den Katakomben des Millenium Buildings von Wimbledon zur Pressekonferenz einfand. Gerade hatte er noch an der Seite von Teenager Laura Robson nach der goldenen im Einzel auch die Silbermedaille im Mixed gewonnen, und man hätte meinen sollen, dass sich die Anspannung bei Murray nun endlich lösen würde.

    Auf dem Centre Court war er, abgesehen von seinem Freudensprung, noch so seltsam beherrscht gewesen. Keine Tränen, keine überschwänglichen Emotionen, nichts von alledem, was man sich eigentlich erwartet hatte. Der größte Sieg seines Lebens sei das gewesen, sagte Murray. Aber dieses ultimative und so lang ersehnte Glücksgefühl wollte einfach nicht so recht rüberkommen.

    Der blasse Schotte aus Dunblane hatte die Seinen auf der Insel mit seinem Auftritt vor vier Wochen im verlorenen Wimbledon-Finale stolz gemacht, und sie litten mit ihm, als er danach so bitterlich weinte. Und die Olympia-Fans auf den Rängen des Centre Courts hatten dieses Mal vielleicht noch entflammter für Murray gejohlt und geklatscht, als jemals zuvor in diesem Stadion. Jeder gönnte ihm die Goldmedaille, doch es würde ihm nie gelingen, einen Raum so zu füllen, wie es Roger Federer vermag. Und so saß Murray nun da, etwas steif und gehemmt, ohne die Miene zu verziehen und erzählte den Journalisten mit monotoner Stimme, was ihm dieser Erfolg bedeutete. Murray ist ein guter Kerl und sein tiefschwarzer Humor bissig, doch ihm fehlt einfach die Strahlkraft, die man sich von großen Champions erhofft. Kein Lächeln, kein lockeres Geplaudere, keine Offenbarung von tiefen Gefühlen an dem wohl größten Tag seiner Karriere — Murray sprach wie der Abschlussredner eines langweiligen Ärztekongresses.

    Versetzt der Glaube endlich Berge?

    Es hinterließ bei allen, die sich ein bisschen mehr erhofft hatten, einen schalen Beigeschmack zum Abschluss des olympischen Turniers. Doch Murray kann nicht aus seiner Haut. Und eine eloquente Ansprache war ja vielleicht auch gar nicht mehr nötig gewesen, denn mitgerissen hatte er die Zuschauer mit seiner Leistung auf dem Rasen. Nur das zählte erst einmal. Und vielleicht wird Murray bald auf diesen Moment in Wimbledon zurückschauen und wissen, dass es an diesem Tag "klick" gemacht hatte. Vielleicht wird es ihm schon bei den US Open in New York klar werden, denn die Chancen stehen gut, dass Murray dort seinen ersten Grand-Slam-Titel gewinnt und den Final-Fluch endlich bricht. Denn etwas Entscheidendes hatte sich mit dem Gewinn von Gold in Wimbledon verändert: "Ich glaube jetzt mehr an mich, als ich es früher getan habe", sagte Murray.

    Und welchen Unterschied dieser Glaube ausmachen kann, hat man an Angelique Kerber in den letzten Monaten gesehen. Bei ihr hatte es in New York förmlich "boom" gemacht, seither ging es steil bergauf. Dass Murray nun etwas Einzigartiges auf heimischem Boden gewonnen hat, könnte den Knoten schließlich zum Platzen bringen. Die Arbeit mit Ivan Lendl hat längst gefruchtet, die Gespräche mit dem Altmeister tun Murray gut und so fiel er nach der fürchterlichen Niederlage in Wimbledon nicht mehr in ein tiefes Loch, wie nach den vorherigen Finals. Murray hat sich entwickelt, ist als Spieler kompletter und reifer geworden. Und bei den Spielen hat er erstmals auch dem geradezu unmenschlichen Druck standgehalten. In London stand das "Team GB" im Fokus, nicht er allein. Das hat ihm geholfen. Bei den Grand Slams aber ist Murray wieder der einzige Brite, der die ganze Nation erlösen soll. Doch vielleicht hat er nun das letzte Quäntchen Vertrauen in sich gefunden, um den Titel zu gewinnen. Dass er genug Talent dafür hat, daran zweifelte nie jemand. Und nun spielt ihm die Konkurrenz sogar in die Karten. Rafael Nadal ist verletzt, Novak Djokovic hadert mit sich und dass er Roger Federer bezwingen kann, wenn dem ein paar harte Matches in den Knochen stecken, hat er bei Olympia schon bewiesen. Dass Murray nun selbst aus Toronto zurück zog ist wohl eher einer Atempause denn einer schwereren Verletzung geschuldet. Er scheint bereit für einen großen Auftritt in New York - der Goldjunge Murray könnte schon bald der "King of Queens" werden.

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