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    Der Tour-Return

    Cool, cooler, Lendl

    Ivan Lendl - konnte nie in Wimbledon gewinnen.Ivan Lendl - konnte nie in Wimbledon gewinnen.

    Als Andy Murray seinen Matchball gegen Jo-Wilfried Tsonga verwandelt hatte, stand ganz Wimbledon Kopf. Auf den Rängen des Center Courts johlten und klatschten die Zuschauer offenbar alles aus sich heraus, was sich in den letzten siebeneinhalb Jahrzehnten in der britischen Seele angestaut hatte. Auch auf "Henman Hill", wo Tausende schon den ganzen Tag bei strömendem Regen vor der Videowand ausgeharrt hatten, gab es kein Halten mehr. Murray selbst kämpfte mit den Tränen, und in seiner Box waren alle aufgesprungen und lagen sich jubelnd in den Armen. Alle, bis auf einen: Ivan Lendl.

    "Wann willst du morgen trainieren?"

    Nie zeigt der 52-jährige gebürtige Tscheche auch nur die geringste Regung während einer Partie. Niemals. Egal, wie es steht. Egal, was passiert. Meist verschanzt er sich auch noch hinter der dunklen Sonnenbrille und dem Cap, damit man nicht einmal erahnen kann, was wohl in ihm vorgeht. Er will Murray nicht ablenken, das hat er schon bei seinen Töchtern so gehalten, wenn er diese bei Golfturnieren als Caddie begleitete. Während in den letzten Runden von Wimbledon Murrays Clan in der Box regelmäßig bei den wichtigen Punkten geradezu vor Freude ausflippte, saß Lendl weiter stoisch da, das Kinn auf die Hand gestützt und vielleicht würde er zweimal wie gelangweilt mit der anderen Hand vorne auf die Balustrade klatschen. Das war alles. Und nicht einmal das machte Lendl, als Murray sein erstes Wimbledonfinale erreichte, und das als erster Brite seit Henry "Bunny" Austin 1938. Denn Lendl war klar, sie waren noch nicht am Ziel.

    So wunderte sich Murray auch nicht über das, was Lendl später in der Umkleide zu ihm sagte: "Er meinte nur: 'Gute Arbeit, du warst gut. Wann willst du morgen trainieren?' Das war alles." Lendl, den die meisten während seiner Karriere mehr als "Ivan, den Schrecklichen" wahrnahmen, verfügt über einen bissigen, schwarzen Humor - wie Murray auch. Doch der Spruch war nicht als Scherz gemeint, Lendl versuchte, die Spannung aufrecht zu erhalten. Zeit zum Feiern bleibt dann, wenn alles vorbei ist.

    Lendl weiß, wie Murray sich fühlt

    Lendl hat in seiner Karriere acht Grand-Slam-Titel gewonnen, ist von jeher ein akribischer Arbeiter und Perfektionist gewesen. Ein Taktikfuchs obendrein. Mit eiserner Disziplin und Willensstärke hatte er es soweit gebracht, und das vermittelt er seit einem halben Jahr auch seinem 27 Jahre jüngeren Schützling. Lendl schaffte in dieser kurzen Zeit, was fünf Trainer vor ihm nicht vermochten: Murray ist ruhiger geworden, unterlässt sein unflätiges Verhalten auf dem Platz, gibt keine Widerworte mehr und ist mit noch mehr Hingabe bei der Arbeit. Hatten seine Kritiker Murray stets vorgeworfen, er würde sich nur mit Ja-Sagern umgeben und daher den letzten Schritt zum Grand-Slam-Titel nicht schaffen, so sind diese Stimmen mit Lendl verstummt "Andy hat mich nicht angeheuert, um ins Halbfinale zu kommen. Das Hauptziel ist, einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen."

    Und in diesem Punkt weiß Lendl genau, was Murray gerade durchmacht. Denn Lendl gewann als einziger Spieler der Open Era einen Major-Titel, nachdem er die ersten vier Finals verloren hatte. "Ich verstehe, wie sich Andy fühlt", sagte Lendl, "und das ist kein schönes Gefühl." Nun steht auch Murray in seinem vierten großen Endspiel, es könnte der wichtigste Tag seiner Karriere werden. Und der Tag, an dem er eine darbende Nation von der endlosen Warterei erlöst. Der Druck ist enorm. Lendl spricht viel mit Murray, teilt seine Erfahrung: "Manche lernen schneller als andere. Ich zählte auch zu den langsamen. Wenn ich nicht glauben würde, dass Andy es schafft, wäre ich nicht hier." Lendl soll auf dem Weg zum großen Coup das Ass im Ärmel sein. "Ich will alles tun, ihm zu helfen. Andy soll eine Karriere haben wie die meine." Vielleicht nicht ganz, denn Lendl schaffte es im All England Club zwar zweimal ins Finale, gewinnen konnte er Wimbledon jedoch nie.

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