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    Der Tour-Return

    Blaues Madrid: Innovativ oder durchgeknallt?

    Raffael Nadal mit gesenktem BlickEs hatte in dieser Woche Wirbel in Madrid geben. Und was für welchen. Man hätte meinen können, ein Sturm der Entrüstung wäre über die Anlage des "Caja Mágica" hinweggefegt. Ein blauer Sandsturm quasi. Aber seien wir ehrlich, stetig wiederkehrende Wehklagen der hochbezahlten Akteure sind ja nun auch nicht wirklich neu. Jede Woche haben sie wieder irgendetwas: der Wind ist zu windig, die Sonne zu heiß, die Bälle zu schwer, das Essen zu fade, die Umkleiden lausig. Jammern auf hohem Niveau also. Manchmal liegen sie mit ihrer Beschwerde aber auch richtig, wie bei den letzten US Open. Bei Nässe weigerten sie sich zu spielen, prompt fand das Herrenfinale am Montag statt.

    Worum geht es jetzt also in Madrid? Es wurde von Schlümpfen geredet. Von Avataren. Von Schlittschuhen und Chuck Norris. Aber offenbar geht es vor allem um einen: Adam Helfant. Genau, der war bis Dezember noch Präsident der ATP. Und offenbar hat er den Spielern nicht nur die längere Winterpause in dieser Saison verschafft, sondern ihnen auch noch ein weniger erfreuliches Abschiedsgeschenk hinterlassen. Den blauen Sand von Madrid eben. "Ich will nicht erzählen, was hinter den Kulissen abging, aber da ging einiges ab", wetterte Novak Djokovic, "Helfant waren wir egal. Es ging nur um die Interessen des Turniers und seine eigenen." Die Spieler seien vehement dagegen gewesen, doch nun haben sie eben den Salat. Es wurde gemeckert, lamentiert und vor allem verloren auf Seiten der Topspieler. Djokovic und Nadal steigerten sich ihren Frust förmlich rein wie bockige Kinder. Das Aus war vorprogrammiert.

    Völlig sinnlos ohne Spieler

    Und was machte Roger Federer? Das einzig Richtige. Er blieb cool. Er erklärte, die Plätze in Madrid seien doch ohnehin nie die Besten gewesen, und es sei schließlich ihr täglich Brot, mit Bedingungen klarzukommen, die man ihnen vorsetzt. Diese Woche sei das eben etwas schwieriger als sonst. Aber was ist für einen 16-fachen Grand-Slam-Sieger schon schwierig. Federer versuchte zumindest, das Beste aus der Situation zu machen und erreichte so schon mindestens mal das Halbfinale. Unmöglich kann es also nicht sein, ohne Schlittschuhe auf dem blauen Grund klarzukommen. Beigeistert war Federer auch nicht über dieses Experiment, aber noch weniger von der negativen Presse. Der Präsident des Spielerrates regelt lieber alles hinter verschlossenen Türen. Und mit abgekühlten Gemütern.

    Zu reden wird es in den nächsten Wochen noch einiges geben, denn die Frage bleibt ja: Wo hören die Innovationen auf und wo fangen die durchgeknallten Ideen an? Wenn es nach Ion Tiriac geht, dem Vater des blauen Forschungsprojekts, dann ist der Fortschritt einfach nicht aufzuhalten. Schließlich habe es keine Sportart gegeben, die sich in den letzten 20 Jahren nicht verändert hatte. Inzwischen gibt es den Tiebreak und gelbe Bälle und bunte Tenniskleidung. Jedes Mal hatte es wüste Diskussionen geben, nun sei es normal. Und deshalb geht Tiriac in seiner Pionierarbeit auch noch weiter. Denn als Kontrast zum blauen Court möchte er künftig mit fluoreszierenden Bällen in grün oder orange spielen lassen. "Dann kann er sein Turnier alleine spielen", maulten einige Spieler. Doch für den Fernsehzuschauer hatte der Farbwechsel tatsächlich bereits einen positiven Effekt.

    Es heißt also, offen zu bleiben für Neuerungen, anstatt sofort alles kategorisch abzulehnen. Madrid hat vermutlich nur den Fehler gemacht, dass es bei der Premiere keine optimalen Bedingungen schaffen konnte. In der "Caja Mágica" wird nur in einer Woche im Jahr Tennis gespielt, da kann sich der Sand auf dem harten Untergrund nicht setzen, so dass er nicht mehr so rutschig ist. In den nächsten zwölf Monaten dürfen die blauen Courts zumindest auf der Mehrzweckanlage liegen bleiben, diese Zusage haben die Verantwortlichen bekommen, und es sollte die Bedingungen 2013 verbessern. Nur ist das sinnlos, wenn die Spieler dann nicht mehr mitspielen.

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