Hallo aus Paris!
Arjen Robben macht die Saison noch zu schaffen
Der erste TV-Auftritt bei der "Euro 2012 Show" liegt hinter mir, ich hoffe, ihr wart zufrieden mit mir. Schaut gerne am Mittwoch um 20 Uhr wieder rein, unmittelbar vor dem Kracher gegen die Niederlande.
Ich bin sehr gespannt, wie Holland mit dem immensen Druck umgeht. Für das Team von Bert van Marwijk ist ausgerechnet die Partie gegen Deutschland schon ein Finale. Wir dagegen können das Spiel entspannter angehen. Auch ein Unentschieden wäre ja nicht unbedingt schlecht.
Natürlich, das Duell ist ein absoluter Klassiker, in der Vorberichterstattung wird die Historie mal wieder eine große Rolle spielen. Aber aktuell gilt doch: Deutschland hat drei Punkte, Holland null. Das ist komfortabel für die Mannschaft von Jogi Löw. Mit einem Sieg könnten wir zudem einen großen Konkurrenten aus dem Turnier kicken.
Spiel wird im Kopf entschieden
Entscheidend wird sein, wer das Spiel annimmt. Wer den größeren Willen hat, wird gewinnen. Die mentale Stärke ist alles. Jeder muss sie ausstrahlen - bis hin zum Busfahrer und Masseur.
Und genau da sehe ich Deutschland klar im Vorteil. Schon gegen Dänemark haben die Niederländer auf mich ein wenig leichtfertig gewirkt. Nach dem Motto: Ach, Dänemark, die erledigen wir mal eben nebenbei. Und damit sind sie dann schön auf die Nase gefallen. Es waren zwar Möglichkeiten da, aber keine klaren! Insbesondere auch in der zweiten Halbzeit. Eine richtige Großchance habe ich aus dem Spiel heraus nicht gesehen, ebenso wenig wie ein Powerplay.
Auch von Arjen Robben kam zu wenig. Ihm macht die lange Saison offenbar noch zu schaffen. Im Unterbewusstsein spielen die Dinge, die erlebt hat, die Ego-Debatte, der Elfer-Zoff, die Pfiffe der eigenen Fans, immer eine Rolle.
Das muss er mit einem Trainer oder Psychologen, den sie ja im Team haben, aufarbeiten, damit die die abgebaut werden. Ansonsten kommt mit jeder negativen Spielsituation wieder etwas hoch. Sätze wie: "Verdammt, erst das Finale gegen Chelsea verloren, jetzt geht der Mist schon wieder los." Und dann fehlen ihm dann ein paar Prozent und er kann seine Topleistung nicht abrufen.
So oder so: Es wird ein Finale für die Holländer! Ich freue mich drauf. Nach dem Spiel lest Ihr, liebe User von eurosport.yahoo.de, wieder von mir.
Bis dahin, Euer Thomas Berthold
Thomas Berthold, Weltmeister 1990, analysiert für eurosport.yahoo.de die Partien der deutschen Nationalmannschaft. Als Spieler war er von 1982 bis 2001 bei Eintracht Frankfurt, Hellas Verona, dem AS Rom, FC Bayern, VfB Stuttgart und Adanaspor aktiv. Neben seinen Engagements als TV-Experte arbeitet er heute in der Immobilienbranche im Raum Stuttgart, kauft alte Bauernhäuser, restauriert sie und verkauft sie weiter. Der Fußball hat ihn nie losgelassen.
