Liebe Fußball-Freunde,
Bayerns 40-Millionen-Mann Martínez nimmt sich viel Zeit für die Fans
die neue Saison ist erst zwei Spieltage alt, aber die Bundesliga ist schon wieder wer. Das ist die tröstende Erkenntnis nach einem Sommer voller Irrungen und Wirrungen, die so manchem Fußballfan eine Glaubenskrise (Chelsea, Italien) bescherte. Kaum aber hat die neue Bundesliga-Saison begonnen, hat sich das Momentum gedreht. Die ganze Fan-Republik ist wieder einmal so freudig erregt, als wäre es das erste Mal. "Vom "heißesten Transfersommer der Bundesliga-Geschichte" ist die Rede (dpa) und die "Süddeutsche" betätigt sich - es passt ja in die Zeit - als fußballpolitische Ratingagentur: "Die Bundesliga hat über viele Jahre deutlich seriöser gearbeitet als andere große europäische Ligen. Jetzt gönnt sie sich den Luxus, auch einmal ein klein wenig verschwenderisch zu sein." Triple A für die Bundesliga.
Die Bundesliga ist ihr eigener Stabilitätspakt
Es sind die "Heiligen Drei Könige" van der Vaart (HSV), Martínez (Bayern München) und Affelay (Schalke), die sich ins Morgenland Bundesliga aufgemacht haben, die die Auguren derart in Wallung bringen. Instantmäßig wird die Bundesliga, nach vielen Jahren der Rückspiegelperspektive, wieder auf Augenhöhe mit der Primera Division und der Premier League verortet, mit der Weltspitze also. Als Kennzahlen ihres Aufstiegs wird die Rekord-Transfersummer von gut 245 Millionen Euro genannt, die die Liga in diesem Jahr für Neuzugänge ausgegeben hat. Also wenn man so will, verhält sich die Bundesliga zur Euro-Zone diametral verkehrt: Sie ist ihr eigener Stabilitätspakt.
Martínez & van der Vaart sind keineswegs Ausdruck einer soliden Haushaltsführung
Die Experten machen das an der Solidität ihrer Geschäftspolitik fest, man könnte es genauso gut am neuen ebenso sagenhaften wie milliardenschweren Fernsehvertrag mit den Rechteverwertern (Sky & Co) tun, der den Bundesligisten unanständige viele Millionen mehr aufs Konto schaufelt, mit denen man dann noch größere Namen einkaufen kann, unabhängig davon, ob jene Spieler das Geld wert sind oder ob man sie überhaupt brauchen kann. Und damit sind wir dann schon wieder bei den oben genannten Berufsfußballspielern, die mit dieser Woche ihre Erlöseraufgaben zwischen den Trainingseinheiten in ihren Doodle-Kalender schreiben müssen.
Javier Martìnez, den bis vor einem Jahr kaum einer kannte und für den heute 40 Millionen überwiesen wurden, obwohl er, laut Transfermarkt, maximal 30 wert ist. Solide Buchführung eben. Erzengel Rafael van der Vaart, der schon einmal beim HSV dank seiner sehr blonden Frau für ein bisschen Glamour sorgte, sich dann aber in einem "Valencia"-Trikot hat fotografieren lassen, um danach zu seinem "absoluten Traumklub" Real Madrid zu wechseln, um jetzt "wieder nach Hause" zurückzukehren, um die völlig missglückte Transferpolitik des Sportdirektors Arnesen zu kaschieren.
Das alles ist weder grundsolide noch mit Maß, sondern zum einen offensichtlich geldmotiviert und zum anderen ein letzter Befreiungsschlag einer Team-Führung, die zwar Geld hat, aber keine Idee von einem intakten Mannschaftsgebilde. Dass van der Vaart eine Mannschaft nicht allein führen kann, hat er in Tottenham beweisen. Und Affelay, der in Barcelona kaum gespielt hat, als Weltstar zu verkaufen, ist dagegen durchaus erfrischend - wenn auch blanker Unsinn.
Ist Barca pleite? Wann kommt Messi?
Wie die "Süddeutsche" insinuiert, ist der Martínez-Transfer vor allem auch deshalb eine transferpolitische Großtat mit Folgen, weil auch Barcelona ihn unbedingt haben wollte er ihnen aber zu teuer war. Ist Barca plötzlich das Kleingeld ausgegangen oder Martìnez vielmehr das Geld gar nicht wert? Wenn ich hier irren sollte, dann freue ich mich jetzt schon auf das Angebot der Bayern für Messi, der von Barcelona bald sicher nicht mehr bezahlt weden kann. Dessen Ablöse ist auf eine Milliarde Euro festgeschrieben. Dann hört endlich das Gerede "vom gutgefüllten Festgeldkonto" auf, dass die Bayern immer dann klischeehaft ins Feld führen, wenn ihre grundsolide geführte Haushaltsführung von Scheichs und Oligarchen ins Wanken gebracht wird. Die Wahrheit ist: Die ganz Großen im Geschäft werden auch in Zukunft nicht in der Bundesliga reüssieren.
Thilo Komma-Pöllath
