Flutlichtspringen im Land der aufgehenden SonneDer Weltcup in Sapporo war für mich immer ein Highlight. Als ich 1998 zum ersten Mal in Japan gesprungen bin, wurde ich von den speziellen Bedingungen überrascht. Da Sapporo nahezu auf Meereshöhe liegt, hört man ein extremes Rauschen, wenn die Springer an einem vorbeifliegen. Das ist richtig laut! Dieses außergewöhnliche Geräusch hängt mit dem Luftdruck zusammen, der in einer geringen Höhenlage deutlich höher ist.
Man spürt den Druck unter dem Ski dadurch intensiv. Das fühlt sich an, wie wenn man gegen eine Wand springt. Die Witterungsbedingungen sind in der Regel auch kein Zuckerschlecken. Da kann der Wettkampf super laufen, plötzlich zieht innerhalb von fünf Minuten eine Schneefront wie Kai aus der Kiste herein. Doch der Wetterbericht der Japaner läuft wie ein Schweizer Uhrwerk. Die Vorhersagen stimmen nahezu auf die Minute genau.
Ich hatte immer eine Menge Spaß in der Millionen-Metropole Sapporo. Die Stadt hat einen ähnlichen Charakter wie New York. Es kommt einem so vor, als sehe man überall nur Lichter. Eine Straße sieht wie die andere aus. Man hat uns Geschichten von Leuten erzählt, die sich verlaufen und ihr Hotel nicht mehr gefunden haben. Nicht jeder Taxifahrer spricht Englisch. Deswegen haben wir uns die Adresse unseres Hotels immer ganz genau gemerkt.
Wolkenkratzer und Eisskulpturen
Man könnte den Weltcup in Sapporo auch "Skispringen in the City" nennen. Auch der Blick von der Schanze mit ein paar sanften Hügeln und den Wolkenkratzern am Horizont war beeindruckend. Besonders gut kann ich mich an das Sapporo Snow Festival erinnern, das immer zeitgleich mit den Weltcup-Springen stattfand. Riesige Eisskulpturen von Schlössern, Tieren und Figuren wurden im Ōdōri-Park mit gleißendem Flutlicht angestrahlt — das sah richtig cool aus!
Vielleicht gelingt den DSV-Adlern um Richard Freitag und Severin Freund ja nach den gelungenen Auftritten von Zakopane am Wochenende der große Wurf. Der ganz große Erwartungsdruck von der Tournee ist weg. Und wenn die Jungs ihre Leistung abrufen, sind sie immer Kandidaten für das Podium.
Ich wünsche Euch spannende Springen in Sapporo!
Euer Sven Hannawald
