Hallo liebe Skisprung-Freunde,
In Topform: Richard Freitagendlich hat der Winter Einzug gehalten. Doch während die malerische Landschaft mit Eisblumen und gefrorenen Seen schön anzuschauen ist, macht den Springern die klirrende Kälte in diesen Tagen ganz schön zu schaffen. Auch die Sprunganlage in Predazzo bleibt während des Weltcups mit bis zu 15 Grad unter null nicht von Väterchen Frost verschont.
Erinnerungen an Kuusamo werden wach. Der Saisonbeginn in Finnland war meistens ein besonders kaltes Pflaster. Wenn das digitale Thermometer minus 25 Grad anzeigte und sich Nase, Ohren, Finger- und Zehenspitzen wie Nadelkissen anfühlten, wussten wir genau: "Das wird heute wieder eine frostige Einheit."
Und dann war da noch das kleine Fähnchen auf dem Schanzenturm. Wenn es steif im Wind stand, lag die gefühlte Temperatur in luftiger Höhe bei minus 40 Grad. Daher kommt der unter den Springern gängige Begriff "Blechfahne". Ich muss ehrlich sagen, das war schon schweinekalt!
Wenigstens waren die Anzüge zur damaligen Zeit mit 1,2 Zentimetern noch etwas dicker. Heutzutage ist vom Stoff nur noch die Hälfte übrig. Unter dem Anzug tragen einige Springer Kompressionsunterwäsche. Aber wirklich warm ist das auch nicht.
Freitag springt aufs Podium
Ich hoffe, dass Richard Freitag dem Eisschrank Predazzo auch in den Wettkämpfen trotzen wird. In der Qualifikation hat er seine Leistung auf Platz zwei hinter dem alles überragenden Gregor Schlierenzauer schon souverän abgerufen. Ein sicherer Sprung ohne Wackler, ich bin mir sicher, da wird nichts anbrennen!
Auch der in Predazzo typische Rückenwind nach 16 Uhr, wenn die Sonne langsam untergeht, wird Freitag in die Karten spielen. Er kommt unter diesen Bedingungen einfach besser zurecht, weil er das System bei Aufwind noch nicht packt, wo er durch den Druck gebremst wird und entsprechend kürzer springt.
Erklärung: System = Mensch + Ski bzw. die Masse, die sich in der Luft bewegt.
Das System ist übrigens immer dann optimal, wenn es keine Wackler gibt und die Arme nicht herumfuchteln, sondern sich Ski und Körper im Einklang befinden.
In diesem Sinne wünsche ich Euch spannende Springen in Val di Fiemme!
Euer Sven Hannawald
