Bärenstark: Bastian Schweinsteiger
Die Niederlande standen im Abwehrverbund recht tief und übten kaum Druck auf die deutschen Ballführenden aus. Besonders klar zu sehen war dies beim Führungstreffer, bei dem Schweinsteiger genug Raum und Zeit für den entscheidenden Pass bekam.
Auch bei Hummels' Vorstoß, der gefühlt über das halbe Feld ging, sah man diese großen Abstände, die den Zugriff im Zweikampf fast unmöglich machten.
Obwohl die Niederländer mit ihrem quasi nicht vorhandenen Pressing zu langen deutschen Ballbesitzphasen einluden, behielten die Deutschen den Ball nicht lange genug, um eine höhere Dominanz aufzubauen. In den Phasen, in denen sie geduldiger spielten, waren sie jedoch haushoch überlegen.
Auch beim Kontern verhielt sich die deutsche Mannschaft nicht immer optimal. Zu oft wurde es hektisch, gerade Müller und Özil verloren oft unnötig den Ball in aussichtsreichen Situationen.
Elftal: Ein entzweites Team - Umstellungen bringen nur wenig
Ein großes Problem der niederländischen Mannschaft war, dass die Offensivspieler, ohne Zweifel überragende Akteure, zu wenig Unterstützung vom Rest der Mannschaft erhielten.
Im bevorzugten 4-2-3-1 spielten mit Mark van Bommel und Nigel de Jong zwei Sechser, die wenige Impulse nach vorne setzten. Da auch die Außenverteidiger nicht allzu oft den Weg in die Offensive suchten und schlichtweg kein internationales Top-Niveau verkörpern, entstand ein entzweites Team.
Um dieses Problem zu beheben, beorderte der Bondscoach in der zweiten Halbzeit van der Vaart auf die Sechserposition, der als Bindeglied zwischen den eben benannten isolierten Mannschaftsteilen fungieren sollte.
Dennoch gab es wenig Verbesserungen im niederländischen Spiel. Hätte die DFB-Elf ihre Konter geduldiger und vor allem präziser vorgetragen, hätte es gar nicht erst zu der unangenehmen Schlussphase kommen müssen.
Wie schon gegen Portugal verloren Löws Schützlinge dann nach der verpassten Vorentscheidung im Mittelfeld den Zugriff und fingen sich prompt den Anschlusstreffer.
Dominanter Schweinsteiger, verbesserter Gomez
Nach herber Kritik an seiner Leistung im Spiel gegen Portugal zeigte Bastian Schweinsteiger eine starke Leistung. Er war sehr präsent, spielte die meisten Pässe im deutschen Team mit einer beeindruckenden Erfolgsquote von 93% und bereitete die beiden Treffer vor.
Zusammen mit Khedira gelang es ihm, Sneijder im Zentrum weitestgehend wirkungslos zu machen. Erst als dieser öfter auf dem linken Flügel auftauchte und dort mehr Zeit am Ball hatte, konnte er wieder Einfluss auf das Spiel der Niederlande nehmen.
Auch Mario Gomez zeigte sich verbessert. Seine Laufbereitschaft war höher als noch im Spiel gegen Portugal. Sein Tor zum 2:0 war ganz nach dem Geschmack von Jogi Löw. Zuerst zog er den gegnerischen Innenverteidiger auf den Flügel heraus, startete dann nach dem Pass in die von ihm gerissene Lücke und vollendete Schweinsteigers gut getimten Pass.
Das Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die deutsche Elf das Spiel über weite Strecken überzeugend, aber keineswegs überragend gestaltet hat. Gegen einen Gegner, dem es so an Verbindungen zwischen den Mannschaftsteilen fehlte, hätten die Deutschen eigentlich klarer dominieren müssen. Es fehlte hierzu jedoch an Geduld, Präzision und Konzentration. Gegen Dänemark gilt es nun also nicht nur, den Gruppensieg einzufahren, sondern auch das eigene Spiel zu optimieren.
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