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    Spielverlagerung

    Schlitzohr schlägt Star-Trainer

    Gegen die Taktik von Trainer-Oldie Jupp Heynckes fand Star-Coach Jose Mournho kein Gegenmittel.Gegen die Taktik von Trainer-Oldie Jupp Heynckes fand Star-Coach Jose Mournho kein Ge …

    Titelchance gewahrt: Die Bayern besiegten Real Madrid nicht nur auf dem Platz — Heynckes gewann auch das taktische Duell gegen seinen Kollegen Mourinho.

    Grund hierfür war die bessere Einstellung auf den Gegner: Heynckes stellte sein aus der Liga bekanntes 4-2-3-1 System leicht um. Im Mittelfeld fing der Rekordmeister mit den drei zentralen Kräften Schweinsteiger, Kroos und Gustavo an. Da Kroos als nomineller Zehner oft tiefer agierte als es der ausgebootete Müller getan hätte, bekamen die Bayern eine Überzahl im Mittelfeld.

    Bayern mit Überzahl im Mittelfeld

    Schuld daran war auch Reals Aufstellung: Mourinho verzichtete unerwartet darauf, ebenfalls drei zentrale Mittelfeldspieler aufzubieten. Stattdessen brachte er mit Ronaldo, di Maria, Özil und Benzema gleich vier offensiv denkende Spielertypen. Da Özil in der ersten halben Stunde recht hoch spielte, hatte Bayern im zentralen Mittelfeld eine 3:2 Überzahl.
    Hierdurch konnten sie im zentralen Bereich eine bessere Ballkontrolle und damit einen höheren Ballbesitzwert erzielen. Gerade das Pressing gegen Reals Taktgeber Xabi Alonso funktionierte, er hatte kaum Zeit am Ball, da Bayern ihn praktisch immer mit zwei Mittelfeldspielern attackierte. Die Münchener Führung nach 17 Minuten durch Ribery war folgerichtig, auch wenn der Treffer abseits war. Bayern betrieb ein aktiveres Pressing und spielte genauere Pässe.

    Auf der anderen Seite fand Real Madrid kaum ins Spiel. Erst nach und nach kamen sie zu einigen Kontergelegenheiten. Besonders nachdem Özil nach rund einer halben Stunde auf die rechte Seite wechselte, fanden die Madrilenen besser ins Spiel, ohne jedoch zwingend nach vorne zu kommen. Der Ausgleichstreffer wäre dennoch nicht nötig gewesen, sondern entstand nach flapsigem Abwehrverhalten Bayerns: Xabi Alsonso wurde nur einmal kurz allein gelassen, nach seinem langen Ball konnten sich Özil und Co. die Kugel ruhig hin und her schieben.

    Eigentlich wäre der Gegentreffer nicht nötig gewesen - die Bayern waren das dominante Team. Schuld daran war auch die völlige Abwesenheit von Goalgetter Ronaldo. Auf der linken Seite fand er kaum statt, Lahm nahm ihn konsequent aus dem Spiel. Jedoch zahlte der Münchener Kapitän dafür den Preis, offensiv kaum ins Spiel eingebunden zu sein.
    Lahm rückt auf

    Erst nachdem Mourinho umstellte, konnte Lahm offensiver in Erscheinung treten: Mit der Einwechslung Marcelos ging Ronaldo auf die rechte Seite, wo er gegen den starken Alaba jedoch ebenfalls blass blieb. Nun konnte Lahm etwas weiter vorrücken. Besonders bei Tempogegenstößen war seine Präsenz in der gegnerischen Hälfte zu spüren. Zusammen mit Robben und dem eingewechselten Müller, der viel Bewegung ins letzte Drittel brachte, kurbelte er das Offensivspiel an. Dass der entscheidende Treffer nach einer Flanke Lahms fiel, war keineswegs Zufall, vielmehr folgerichtig nach den vorausgegangenen Minuten.

    Routinier Heynckes war an diesem Abend der klare Sieger im Taktikduell gegen Startrainer Mourinho. Nicht nur vor, sondern auch innerhalb des Spiels traf er die besseren Entscheidungen: Die Auswechslung Schweinsteigers war richtig, da er von Real gnadenlos gepresst wurde und nicht zur Entfaltung kam. Zudem verzichtete er zum Schluss auf Auswechslungen — eine Taktik, die sich nicht jeder Trainer traut, hier aber goldrichtig war. Das Team funktionierte in der letzten Viertelstunde gut — warum dann Änderungen vornehmen?

    Mourinhos Wechsel blieben jedoch wirkungslos. Granero brachte nicht mehr Stabilität ins Mittelfeld, Higuain blieb blass, und Marcelo fehlte die taktische Disziplin auf der linken Seite. Für das Rückspiel muss sich der Portugiese mehr einfallen lassen - taktisch nahm er Heynckes' Team zu sehr auf die leichte Schulter.

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