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    Spielverlagerung

    Gründe eines spektakulären Einbruchs

    Hoppala! Die DFB-Elf verspielt gegen Schweden eine 4:0-Führung. Nach einer dominanten ersten Halbzeit zog Schwedens Coach Erik Hamren die richtigen Schlüsse. Jogi Löw verpasste es zu reagieren.

    Grundformation in der ersten HalbzeitViel wurde in den vergangenen Wochen über die Nationalelf diskutiert. Stimmungstief hier, Hierarchiedebatte dort — selbst Trainer Löw stand in der Kritik, jede Äußerung wurde in den Medien breitgetreten. Und egal, wie viele Spiele die DFB-Elf gewinnt, die Öffentlichkeit verzeiht ihm das EM-Halbfinalaus bisher nicht. Das äußerst effiziente 6:1 gegen Irland war da allemal ein kleiner Schritt. Mit dem Spiel gegen Schweden sollte für Jogi Löw der Befreiungsschlag aus dieser nicht enden wollenden Spirale der Kritik gelingen.

    In der ersten Halbzeit schien dies voll zu glücken. Löws Mannschaft zeigte sich sehr dominant und diktierte das Spiel.

    Für eine ausführliche taktische Analyse der ersten 60 Minuten klicken Sie hier.

    Erklärungen für eine unerklärliche Aufholjagd

    Das Berliner Publikum, die Zuschauer an den Fernsehschirmen und vielleicht auch die deutsche Elf einte ein Gedanke: 4:0, da kann nichts mehr schiefgehen! Selten in der Fußballgeschichte irrten so viele Menschen. Wie kam es zur unmöglichen Aufholjagd der Schweden? Einerseits machte sich ab der 60. Minute die Rolle von Källström bezahlt: Dadurch dass Kroos und Özil im Mittelfeld schematisch recht hoch agierten und die Rückwärtsarbeit schleifen ließen, fand er im Mittelfeld vermehrt Freiräume. Schweinsteiger wurde in dieser Zone zu oft allein gelassen. Källström nutzte die Lücken in den Halbräumen für abgebrühte Flanken hinter die Abwehr. Die deutsche Innenverteidigung sah bei diesen hohen Bällen aus dem Zentrum nicht gut aus, das 1:4 und 2:4 fielen jeweils nach solchen Situationen.

    Källström war ebenso zu verdanken, dass Ibrahimovic besser ins Spiel fand. Ibrahimovic fand in Källström einen Abnehmer für seine Ablagen. Der schwedische Superstar blühte dank mehr Ballkontakten auf. Zudem verbesserte sich der Spielfluss der Schweden wesentlich, sie hatten nun mehr Ballkontakte und teilweise auch längere Ballbesitzphasen, auch wenn sie noch immer schnell das Spiel in die Spitze suchten.

    Die Formationen in der zweiten HalbzeitDie zahlreicher werdenden Zuspiele für Ibrahmovic lagen auch an der schwachen deutschen Verteidigung auf den Flügeln. Reus, Müller bzw. der später eingewechselte Götze liefen die schwedischen Außenverteidiger selten an, die Deutschen wollten stattdessen weiter durch ein Mittelfeldpressing dort Bälle gewinnen. Allerdings überspielten die Schweden diese Zone gänzlich, von den Außenverteidigern kamen die Bälle direkt zu Ibrahimovic, der das Leder gegen die deutsche Verteidigung nur noch selten verlor.

    Seltsam mutete auch an, dass Boateng seine Rolle auf der rechten Seite der Viererkette unbeirrt offensiv interpretierte, als hätte es die Einwechslung Kacaniklic' nie gegeben. Dieser überzeugte fortan nicht nur defensiv gegen Boateng, sondern schaltete in jenen Momenten, in denen Boateng zu hoch stand, blitzschnell um. Nach zwei, drei missglückten Läufen hinter Boateng bekam er in der 76. Minute den Ball freistehend auf dem linken Flügel, Elmander versenkte seine Vorlage.

    Jogi Löw wechselt (nicht)

    Selbst in dieser schwierigen Phase kamen keine Impulse von der Bank. Löws erster Tausch, Götze für Müller (67.), sollte die Offensive stärken und das Kombinationsspiel neu beleben. Allerdings kamen kaum konstruktive Bälle aus der Abwehr, ein ums andere Mal bolzte Neuer den Ball in die Füße der schwedischen Innenverteidiger. Götze blieb fast gänzlich ohne Anspiele. Der Wechsel war eher destruktiv, da Götze den gegnerischen Außenverteidiger nicht unter Druck setzte.

    Der zweite und letzte Wechsel kam erst in der 88. Minute, Podolskis Hereinnahme sollte Zeit schinden. Dass der Bundestrainer damit sein Wechselkontingent nicht ausreizte, ist einerseits aufgrund der ausgedünnten Bank verständlich — Spieler wie die Bender-Zwillinge oder Khedira, welche die Zentrale hätten stabiliseren können, fehlten verletzungsbedingt. Dennoch gab es Optionen für Löw: Höwedes hätte anstelle des schwächelnden Boatengs die rechten Abwehrseite übernehmen können. Und dann wäre da noch Westermann gewesen. Trotz all der kleinen Witzchen, die über die Nominierung des HSV-Kapitäns gemacht wurden — als defensiver Mann auf der Sechs gegen Källström hätte er dem Spiel nicht geschadet. Löw brachte sie jedoch nicht, das deutsche Team konnte so dem Schicksal des schwedischen Lucky Punches in Form eines Treffers durch Elm nicht mehr entkommen.

    Fazit

    Für die Schweden lässt sich das Spiel auf einen einfachen Nenner bringen: Erste Halbzeit durch totale Passivität versemmelt, dann dank mehr Risiko, klugen Wechseln und gnadenloser Effizienz (vier Schüsse aufs Tor, vier Tore) das Unmögliche möglich gemacht.

    Im Fall der DFB-Elf fällt eine Bewertung schwerer. Der traurige Schlussakt dieses Spiels darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die deutsche Elf in der ersten Halbzeit eine ihrer stärksten Leistungen unter Löw zeigte. Der Einbruch kam erst nach rund 60 Minuten, aber er kam heftig. Im Mittelfeld und auf den Außen wurden die Schweden nicht mehr unter Druck gesetzt, die Viererkette zeigte sich im Spielaufbau dem erhöhten Druck nicht gewachsen. Löw verpasste es, durch Wechsel das Momentum wieder herumzureißen. Aus dem erhofften Befreiungsschlag wurde dieses Spiel ein erneuter Rückschlag für Löw.

    Autor: TE

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