Findet Favre wieder die richtige Taktik?
Was ist taktisch vom Bundesligaauftakt zu erwarten? In der Hinrunde trickste Gladbach-Coach Favre den großen FC Bayern mit einer klugen Strategie aus. Die Chancen, dass ihm dies erneut in der Rückrunde gelingt, stehen nicht schlecht.
Vor dem Spiel sind die Rollen vergeben: Die Gladbacher sind trotz ihrer bislang formidablen Saison klare Außenseiter, ein Sieg wäre eine große Überraschung. Taktisch dürfte sich diese klare Verteilung vor allem im Ballbesitz niederschlagen: Die Bayern werden Ball und Gegner laufen lassen, während die Gladbacher aus einem dichten Abwehrverbund versuchen, ihr schnelles, vertikales Konterspiel zu zünden.
Besonders mit seiner Defensivtaktik stellte Lucien Favre die Bayern zum Saisonauftakt vor große Probleme. Mit zwei dicht aneinander stehenden Viererketten, die laufintensiv zum Ball verschoben, isolierten die Fohlen geschickt die gegnerischen Offensivteile voneinander. Es gibt wenig Grund zur Annahme, dass Favre im Rückspiel auf eine andere Taktik setzt.
Schlüsselduell: Robben gegen Daems
Bei den Bayern wird daher Rückkehrer Schweinsteiger besonders gefragt sein. Aus der Mittelfeldzentrale muss er das Spiel geschickt verlagern, um Lücken in der Gladbacher Defensive zu finden. Er muss auch verhindern, dass zu viele Bälle auf die Außen gespielt werden, wo Gladbach im Hinspiel durch geschicktes Verschieben die Außenstürmer von ihren Mitspielern trennte. Wichtigste Anspielstation für ihn dürfte daher der offensive Mittelfeldspieler sein. Durch die Sperre von Ribery (gelb-rot) steht Heycnkes vor der Frage, ob er Thomas Müller oder Toni Kroos als Ersatz für den Franzosen einsetzt, der andere übernimmt die freie Stelle im offensiven Mittelfeld.
Egal, wer als Zehner eingesetzt wird, gegen die zweikampfstarken Gladbacher im Zentrum wird er viel unterwegs sein müssen, um Löcher aufzureißen und als Bindepunkt zwischen den Außenstürmern zu wirken. Dabei ist davon auszugehen, dass die Bayern vermehrt über ihre rechte Angriffsseite mit Flügelflitzer Arjen Robben kommen dürften. Dessen Zweikämpfe mit Linksverteidiger Daems könnten das Schlüsselduell der Partie sein.
Selbst wenn Bayerns Angriffsspiel gut funktioniert, werden sie gegen die gut organisierten Gladbacher Geduld brauchen. Wer zu forsch auftritt, läuft gegen Favres Truppe Gefahr, in einen Konter zu laufen. Gerade für die Außenverteidiger ist dies eine Gratwanderung: Sollten sie weiter vorne agieren, um Überzahlsituationen auf den Außen zu schaffen? Oder lieber defensiv stehen, um gegen Shooting-Star Reus abzusichern? Rafinha wäre auf rechts sicherlich die offensivere Variante, wohingegen eine Formation mit Boateng auf eine konservativere Strategie auf den Außen hindeuten würde.
Defensiv wird für die Münchener das Gegenpressing, sprich das direkte Wiedererobern der Kugel nach einem Ballverlust, oberste Priorität haben. Reus und auch der nimmermüde Hanke sind im 1 gegen 1 schwer aus dem Spiel zu nehmen. Vielmehr ist es wichtig, Konterversuche mit einem guten Pressing schon im Ansatz zu unterbinden. Hierbei spielt den Münchern die Sperre von Dante (gelb-rot), dem Spielgestalter in der Innenverteidigung, in die Karten. Aber auch auf Arango sollte der Rekordmeister ein Auge haben — der Venezolaner ist Dreh- und Angelpunkt vieler Gladbacher Gegenstöße, war bereits an 10 Treffern beteiligt. Sollte er über die linke Seite kommen, wird Robben gut nach hinten mitarbeiten müssen.
Nach der 0:1-Hinspielniederlage dürften die Bayern die Borussia nicht unterschätzen. Trotzdem haben die Gladbacher gute Chancen. Viel wird von der Leistung des Trios Kroos, Schweinsteiger und Robben abhängen. Bayern-Fans müssen hoffen, dass gerade die letzten Beiden nach ihren Verletzungspausen Top-Leistungen abrufen können. Zudem dürfte Taktikfuchs Favre noch das ein oder andere Ass im Ärmel haben. Neutrale Zuschauer dürfen sich auf einen spannenden Rückrundenauftakt freuen.
Das Hinspiel in der Analyse von spielverlagerung.de



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