Ob Cesc Fabregas auch nach dem Spiel gegen Leverkusen so irritiert sein wird?
Bayer Leverkusen fiebert dem Champions League Achtelfinalkracher gegen den großen FC Barcelona entgegen. Die Werkself setzt all ihre Hoffnungen auf ein erfolgreiches Heimspiel, schließlich gewann Barca gerade einmal vier seiner elf Auswärtsspiele in der Liga diese Saison. Unschlagbar sind Messi und seine Kollegen nicht — doch wie kann der amtierende Champions-League-Sieger bezwungen werden?
Das Passspiel unterbinden
Die Kurzpasskombinationen des FC Barcelona vollkommen abzustellen, ist nahezu unmöglich. Seit über 100 Spielen hatten die Katalanen wettbewerbsübergreifend mehr Ballbesitz als ihre Gegner. Ziel muss stattdessen sein, die Verbindung zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen zu unterbrechen. Einfach gesagt: Solange Xavi und Iniesta im Mittelfeld den Ball nur hin- und herschieben, ist zunächst kein Schaden angerichtet.
Die Standardformation des FC Barcelona.
Was in der Theorie simpel klingt, funktioniert in der Praxis äußerst selten. Stellt sich eine Mannschaft komplett hinten rein und verschließt die Zuspielwege nach vorne, können sich die Passstrategen mit der ureigenen Geduld darauf verlassen, dass sich irgendwann eine Lücke auftut oder einer der zahlreichen Individualisten um Superstar Lionel Messi den entscheidenden Geistesblitz hat. Getafe gewann so beispielsweise in der Hinrunde mit 1:0 gegen Barcelona — die meisten Mannschaften gingen mit dieser Taktik jedoch unter.
Eine andere Vorgehensweise ist das frühe Attackieren des Gegners, damit Barcelonas Passmaschine gar nicht erst in Gang kommt. Real Madrid zeigte im Rückspiel des Viertelfinales im Copa del Rey, dass Puyol & Co. bei hohem Druck anfällig sind. Allerdings ist solch ein Pressing auch riskant: Sobald die Barca-Spieler die erste Reihe überspielt haben, tun sich Freiräume auf, die Messi nur allzu gerne ausnutzt. Zudem ist ein Offensivpressing sehr kraftraubend, kaum ein Team kann dieses über 90 Minuten komplett durchziehen. Gerade in den "Clasicos", in denen Real offensiver auftrat, liefen sie in den letzten dreißig Minuten am Stock.
Alle Spieler müssen nach hinten arbeiten
Egal, ob Leverkusen die Verteidigung im Raum oder das aktive Heraufgehen im Mittelfeld wählt, das Schließen der Passwege nach vorne wird nicht ihre einzige Sorge sein. Ein gern gewähltes Muster des Champions-League-Siegers ist die Spielverlagerung über einen Rückpass. Busquets verteilt als tief liegender Sechser die Bälle von einer Seite zur anderen, durch das ständige Verschieben wird der Gegner mürbe gespielt.
Osasuna machte am Wochenende beim 3:2-Sieg über Guardiolas Elf vor, dass das Mittelfeld Probleme bekommt, wenn es weder nach vorne noch nach hinten passen kann. Nachdem die Stürmer überspielt wurden, stellten sie den Passweg nach hinten zu und isolierten das Mittelfeld so. In diesen Momenten neigte selbst Barca zu Fehlpässen, die Osasuna mit seinen Kontern auszunutzen wusste. Allerdings wurden in diesem Spiel Spitzenkräfte wie Xavi, Iniesta und Fabregas geschont und damit die Kreativität im Mittelfeld beschnitten. Dutts Elf wird es nicht so einfach haben.
Bayers Chancen und Probleme
Welche Chancen hat Bayer Leverkusen? Grundsätzlich sind ist Bayer defensiv gut aufgestellt. Gerade im Mittelfeld gibt es viele defensiv denkende Akteure wie Reinartz, Bender, Rolfes und Castro. Diese werden bestrebt sein, Xavi, Iniesta und Fabregas nicht zur Entfaltung kommen zu lassen.
Zwei große Fragezeichen stehen jedoch hinter der Verteidigung und dem Angriff: Kann die Viererkette ihre Position halten und gleichzeitig auf die zahlreichen Rochaden der Offensivkräfte reagieren, die ständig in Bewegung sind und Lücken suchen? Und wie gut arbeiten die Offensivkräfte im Spiel gegen den Ball mit und verhindern die erwähnten Rückpässe?
Auch wenn Bayer defensiv durchaus das Zeug hat, Barca lahmzulegen, reicht das noch nicht für einen Sieg aus. Hierzu müssen die wenigen Konterchancen genutzt werden. Zuletzt zeigte sich Bayer im Umschaltspiel jedoch schwach. Gerade gegen das effektive Gegenpressing der Spanier, die mit bis zu fünf Spielern den Ballführenden attackieren, braucht es in der Defensive viel Passsicherheit, um den Ball nicht direkt wieder zu verlieren.
Kann Leverkusen die Sensation schaffen? Theoretisch wird es eine ganz, ganz schwere Aufgabe. Doch zum Glück lässt sich Erfolg nicht an der Taktiktafel planen. Mit viel Leidenschaft und etwas Glück könnte Dutt seine erste Meisterleistung als Leverkusener Coach feiern.
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