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    Sigi Heinrich

    Zauberwort heißt Trainingskontrollen

    Manche Meldungen tauchen in den Medien nur kurz auf. Gerade so als wären sie ein heißes Eisen, das man nicht anfassen könne. Kurzmeldungen. Keine Geschichten, die sich schön lesen lassen. Keine Reportagen, die den Horizont erweitern und Zusammenhänge erklären. Keine erhellenden Interviews. Nur Nachrichten wie diese: Steve Mullings aus Jamaika wurde bei den nationalen Meisterschaften in seiner Heimat positiv auf eine maskierende Substanz getestet. Er wollte bewusst einen Betrug verschleiern.

    Mullings lief in dieser Saison mehrmals unter zehn Sekunden und war bereits 2004 für zwei Jahre gesperrt worden. Weiter geht die Reise in den Abgrund: Bei Mike Rogers aus den USA, dem viertschnellsten Sprinter in dieser WM-Saison wurde eine verbotene Substanz festgestellt. Nummer drei und vier der Weltrangliste erwischt. Und noch ein Beispiel, das zeigt, dass auch der Nachwuchs längst infiziert ist: Darya Pizhankova, U23-Europameisterin über 200m in diesem Jahr in Ostrava, zudem noch Zweite über 100m und Mitglied der siegreichen 4x100m-Staffel der Ukraine, ist überführt worden. Ihre Kollegin Ulyana Lepska wurde auch zwei Jahre aus dem Verkehr gezogen.

    Ein paar Pillen reichen nicht für große Zeiten

    Da kommt eine andere Meldung gerade zum richtigen Zeitpunkt, auch wenn viele jetzt sagen, es ist sowieso schon zu spät. Der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) wird bei den Weltmeisterschaften in Daegu (Südkorea) alle Teilnehmer mit Bluttests auf Doping kontrollieren. Die Proben sollen in Zusammenarbeit der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) vor Ort und nach der Weltmeisterschaft in Lausanne auf Auffälligkeiten untersucht werden. Das klingt so, als wäre das eigentlich selbstverständlich, zumal ja noch zusätzlich etwa 500 Urinproben vor und während der Wettkämpfe vorgenommen werden. Aber in der Tat ist diese Aktion einzigartig.

    Noch nie hat ein Weltverband ein derartiges Programm aufgelegt, um den Dopingsumpf trockenzulegen. Das große Ziel ist die Erstellung und Pflege eines biologischen Passes sämtlicher Spitzenathleten. Schon vor fast 15 Jahren (da war der Italiener Primo Nebiolo noch Präsident der IAAF) wurde der Versuch eines "Dopingausweises" schon einmal mit großem Getöse angekündigt, wobei das Papier korrekterweise eigentlich "Antidopingausweis" heißen müsste. Die Idee damals war nicht einmal schlecht. Nur wer zwei Trainingskontrollen in seinem Pass hat mit Stempel und Unterschrift und so weiter, der darf auch bei internationalen Wettkämpfen und Meisterschaften an den Start gehen. Das war der richtige Weg, denn das Zauberwort heißt ganz klar: Trainingskontrollen.

    Nur die dümmsten, die ungeschicktesten oder die absoluten Zocker unter den Athleten werden mit Fremdmitteln im Körper zu einer WM reisen. Erwischt werden - wenn überhaupt - meist auch diejenigen, denen das Dopingumfeld fehlt. Sportler aus kleineren Nationen, die immer noch der Meinung sind, dass ein paar Pillen alleine schon die großen Zeiten mit sich bringen. Das ist natürlich Unsinn, aber auch nicht auszurotten. Natürlich wäre es entschieden besser gewesen, jeden teilnehmenden Athleten während des Jahres mindestens zweimal besucht zu haben. Die Voraussetzungen dazu sind mit der Meldepflicht der Athleten, die rechtmäßig allerdings auf sehr dünnen Beinen steht, gegeben.

    Ein großer Schritt im Kampf gegen Doping

    In der Realität sieht das allerdings ganz anders aus. Dort, wo man ohne Visum und Einreiseprobleme zur Überprüfung einfach kurz mal anrücken kann, werden relativ viele Tests durchgeführt. Die Welt ist groß und Möglichkeiten, unauffindbar zu sein, sind es auch. Das trifft auf alle Kontinente zu, und es wäre unfair, jetzt einige Länder besonders an den Pranger zu stellen. Fest steht, dass die geplanten Bluttests eine gute Sache sind. Wer allerdings im Vorfeld gedopt hat, um seine Trainingsleistungen auf unnatürliche Weise zu manipulieren, und sei es nur, um den Körper zu überlisten, mehr zu leisten als er auf natürliche Weise eigentlich kann, wird nicht erwischt werden, weshalb diese Aktion vor allem eine abschreckende Wirkung haben dürfte. Das mag vielen noch immer viel zu wenig sein.

    Dennoch ist die konsequente Vorgehensweise des Leichtathletik-Verbandes, der oft auch viel gescholten wurde, ein Lichtblick. Sie ist allerdings nur dann richtungsweisend, wenn die nächsten Schritte ungeachtet des finanziellen, logistischen und personellen Aufwandes folgen und mit der gleichen Einstellung künftig auch die Trainingskontrollen ausgeweitet werden und auch andere Wettkämpfe wie kontinentale Meisterschaften und - siehe Beispiel oben - auch Nachwuchstitelkämpfe ins Testprogramm aufgenommen werden. Immerhin hat man nach Daegu erst einmal von 2000 Athleten Basisdaten und kann so in Zukunft auf Abweichungen schneller reagieren. Das ist ein wichtiger, ein großer Baustein im Kampf gegen Doping und mehr als nur ein kleiner Schritt.

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