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    Sigi Heinrich

    Great time – See you soon

    Abschlussfeier der Olympischen Spiele 2012Die berühmten letzten Worte. Jacques Rogge, der Präsident des IOC, hat diese zum Abschluss der Sommerspiele in die Welt hinausgerufen, der letzten auch für ihn als Chef aller Olympier. Was hat er gesagt? Großartige Spiele. Außerordentliche Spiele. Fabelhafte Spiele. Wunderbare Spiele. Zukunftsweisende Spiele. Ach, der Möglichkeiten sind so viele. Er hat die Briten nicht enttäuscht, denn sie haben ja auch ihn nicht enttäuscht.

    Ganz im Gegenteil. Sie haben Olympische Spiele organisiert, die geprägten waren vom Sportsgeist, für den die Briten nun hinlänglich bekannt sind. Sieben Jahre nur hat ja jede Olympiastadt Zeit, um alles auf die Beine zu stellen. Das ist nicht viel, weil fast immer auch das unterste zu oberst gekehrt wird. Das traf ganz besonders auf London zu, wo man ein kontaminiertes Industriegelände in eine Parklandschaft mit Sportstätten umgewandelt hat in einer Region, die zu den ärmsten Londons gehört. Jetzt steht dort das größte Kaufhaus Europas und ein Schnellzug, den man sinnigerweise "Javelin" (Speer) genannt hat, bekam einen modernen Bahnhof.

    Finanzieller Katzenjammer

    Die Schienen reichten freilich nur für ein paar Kilometer in die City. Sieben Minuten fährt er, dann muss man doch wieder in die alten, rumpelnden Wagen der Metro umsteigen. Aber immerhin. Es ist ein Zeichen für den Wandel, von dem vor allem die Infrastruktur im Osten Londons von den Spielen profitieren wird. Wohnungen wurden gebaut für die Athleten. Jetzt sollen dort nicht ganz so betuchte Bürger einziehen und davon gibt es gerade im Umfeld des Olympiaparks mehr als genug. Kritische Stimmen haben ja auch gemeint, es wäre vernünftiger gewesen, mit all dem Olympiageld das soziale Umfeld zu verbessern.

    Aber dafür wäre keine zusätzliche Pfundnote aufzutreiben gewesen. Das Zauberwort Olympia hat die Kassen der Regierung und der Stadt London klingeln lassen. Das funktioniert erstaunlicherweise. Es ist eigentlich sogar Magie, denn auch der Stadtsäckel von London ist so leer wie morgen das Pressezentrum hier sein wird. Der finanzielle Katzenjammer kommt. Das ist garantiert. Es hat noch jede Stadt und jede Region nach der großen sportlichen Leistungsschau das heulende Elend erfasst, denn sie sind groß geworden, diese Spiele. Der Gigantismus zeigt sich in der Anzahl der teilnehmenden Länder, im Budget für die Feierlichkeiten zu Beginn und am Schluss.

    Ein wenig bescheidener wäre eigentlich auch noch ausreichend. Aber es müssen Superlative sein. Man will sich als Ausrichter schließlich nicht lumpen lassen. Und die Briten werden zudem sagen: "Very nice". Schließlich hat der Gastgeber noch nie so viele Medaillen gewonnen wie auf heimischen Grund und Boden. Und nach einigen Misstönen zu Beginn wurden die verkauften Tickets wohl auch genutzt. Das Olympiastadion mit einem Fassungsvermögen von 80.000 Zuschauern war zweimal täglich ausverkauft. Und das bei Kartenpreisen, die einen Schwindelanfall auslösen.

    Spiele für jedermann sollten es werden. Vermutlich sind auch einige Zuschauer jetzt pleite. Und doch hat sich kaum jemand beklagt. Der Tenor lautetete in etwas so. Wer weiß, wann man wieder die Chance hat, Olympische Spiele zu besuchen. Bei den nächsten wird es schwieriger. Die nämlich sind sommerlich in Rio de Janeiro, winterlich in Sotschi. Da kann der Fan nicht einfach mal so unter dem Ärmelkanal durchfahren und ist damit quasi schon in der olympischen Zauberwelt, die noch immer verzückt und begeistert.

    Basketball-Stadion nach Rio

    Es ist eine fast schon zirzensische Monstershow. Es geht immer noch höher, es geht immer noch weiter. Noch immer werden die Grenzen verschoben in Bereiche, die noch vor ein paar Jahren als unmöglich erreichbar schienen. Viele Sieger haben auch noch neue Weltrekorde aufgestellt. Einige gar ihre Erfolge von Peking wiederholt. Solche Wiederholungstäter wird es sicher auch in vier Jahren wieder geben.

    Das Beste an den Spielen in London war die klare Ausrichtung auf den Sport, Der stand auf vielen attraktiven Wettkampfstätten im Mittelpunkt mit den einhergehenden Emotionen, leider auch mit vielen, ungewöhnlich vielen Protesten und mancherlei seltsamen Entscheidungen. Aber das wird wohl nie zu vermeiden sein. Das olympische Feuer ist gelöscht, die Stadien werden zum Teil abgebaut oder verkleinert. Eine überaus vernünftige Maßnahme. Das Basketball-Stadion soll sogar in gleicher Form in vier Jahren in Rio de Janeiro stehen.

    Hoffentlich finden die Brasilianer dann für das olympische Feuer einen schönen Platz. Irgendwo weit oben, damit es auch jeder sehen kann. In London brannte es wie ein viel zu kleines Teelicht im Olympiastadion und verdeckte  für die Zuschauer dahinter durch den entstehenden Rauch die Sicht auf den Innenraum. Ach ja, die Worte von Jacques Rogge. Die Zauberformel. "Das waren glückliche und glanzvolle Spiele." Vor vier Jahren hatte er bei der Schlussfeier von Peking erklärt: "Das waren wahrlich außergewöhnliche Spiele."

    Ich verabschiede mich hiermit aus London. It was a great time. See you soon.

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