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    Sigi Heinrich

    Die dritte Halbzeit

    Schade eigentlich. Jetzt noch das Pokalfinale, ein paar Relegationsspiele und dann heißt es: Fußball ade. Was werden wir tun ohne diese lebenswichtigen Spielzüge in den Bundesligastadien? Keine Trainerentlassungen mehr. Fürchterlich. Bundesligamanager ohne Bluthochdruck. Kaum auszuhalten. Der schöne Luca Toni nicht mehr in München, der nördlichsten Stadt Italiens. Grausam. Doch es gibt Entwarnung. Natürlich wird uns der Fußball nicht im Stich lassen, denn jetzt beginnt die dritte Halbzeit.

    Es wird geplant auf Teufel komm raus. Zuallererst bei den großen Bayern, die ihren zweiten Platz mit Demut ertragen haben und die jetzt also doch auf Einkaufstour gehen können. Die Teilnahme an der Champions League ist gesichert, der Rubel wird rollen, die Liga wird zittern. Wen werden die Bayern haben wollen, wer soll ihnen die Qualität sichern, die der VfL Wolfsburg geboten hat, denn der flotte Volkswagen hat ja nicht nur die Meisterschaft gewonnen, sondern darüber hinaus auch noch wunderbaren offensiven Fußball geboten (was die Bayern übrigens Jahr für Jahr versprechen und dann doch nicht halten können).

    Tore gab es wie am Fließband. Grafite und Dzeko wie weiland dickes Müller und schlankes Hoeneß. Neue Rekorde wurden erzielt. Viererpacks waren selbstverständlich. Und Magath wurde im Bier ertränkt, was ihn sicher arg geschüttelt hat, denn "Quälix" ist kein Partylöwe, sondern ein Schachgenie. Ruhige Züge mit dem Läufer, Bauern nachrücken lassen, Dame in Position bringen, ein paar schräge Sprünge mit dem Pferd. Das kann Magath alles und noch viel mehr. Wenn man ihn nur lässt. Er hat, oder besser er durfte im Alleingang ein Team formen. Einkaufen, verwalten, Verträge vergeben, Einsätze festlegen. Magath war Denker und Lenker.

    Nein, für Demokratie ist kein Platz im Spitzensport. Diskutiert wird an den Stammtischen und Vorstandsetagen aber nicht bei Felix Magath, dem es doch tatsächlich gelungen ist, dass seine Spieler zu Jüngern wurden. Sie folgten ihm bedingungslos bis zur Meisterschaft. Eben diese Qualität fehlte zum Beispiel Jürgen Klinsmann, der jetzt weinerlich der Öffentlichkeit erklären durfte, wie böse doch die Fußball-Welt zu ihm war. Zu ihm, dem Sommermärchenmacher. Wir sind in diesem Fall ganz bei Uli Hoeneß, der weise zu Klinsmanns Jammerstunde meinte: "Wenn du geschwiegen hättest, wärst Du Philosoph geblieben." So gab Klinsi die beleidigte Leberwurst während Magath Qualitäten zeigte, die ihn zu weit Höherem berufen. Nein, nicht Schalke. Bei der königsblauen Nullnummer dieser Saison wird er zwar auch alle Macht der Welt haben aber er wird sicher nur so lange bleiben, wie es ihm gefällt, frei nach William Shakespeare.

    Denn eines ist klar geworden: Magath, der Schachspieler, will die Fäden ziehen und nicht einer der wackligen Figuren darstellen, die nach Gutdünken bewegt werden können. Er selbst trifft die Entscheidungen für sein Leben und nicht irgendwelche selbsternannten Sportdirektoren und Manager, deren Jobs er in Wolfsburg in Personalunion übernommen hatte. Felix Magath wird dereinst wohl die engen Bundesligagrenzen verlassen, vielleicht mal als Bundestrainer zurückkehren. Mit dem Erfolg und vor allem der Art und Weise, wie er ihn mit Wolfsburg erzielte, rückt er auf in die hohe Liga der großen Trainer wie Udo Lattek oder Hennes Weisweiler.

    Felix Magath kann nichts mehr passieren, egal was auf Schalke passiert in den nächsten Jahren. Deshalb werden die nächsten Züge wieder höchst interessant werden. Kommt Magath den Bayern schon auf deren Einkaufstour in die Quere? Schnappt er sich Gomez, nimmt er Grafite mit oder Dzeko? Oder gar beide? Bei aller Verbundenheit zu Wolfsburg wird Magath keine Gefühle gegenüber seinem ehemaligen Arbeitgeber zeigen, wenn er für Schalke tätig sein wird. Geholt wird, was nötig ist und das wird viel sein. So wird die Fußballsuppe in der Sommersaison nach dieser wunderbar spannenden aktiven Spielzeit am Köcheln gehalten werden und zwischen all den Gomez' und Grafites werden die Leichtathleten in Berlin ihre Weltmeister ermitteln. Immerhin in einem Fußballstadion, einem der letzten, das noch Platz für sie hat.

     

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