WAS IHRE FREUNDE LESEN

    Sigi Heinrich

    Die bunte Wochenschau

    Nathan Baggaley, Olympiazweiter im Kanu in Athen, war im September des darauffolgenden Jahres auf die anabolen Steroide Stanozol und Metandienon getestet worden. Jetzt muss der Australier ins Gefängnis, weil ihn ein Gericht für schuldig erklärte, mehr als 1500 Ecstasy-Tabletten verkauft zu haben. Einer, der nichts dazu lernt. 

    Deutschlands wohl berühmtester Springreiter der letzten Jahr, Ludger Beerbaum, hat wortwörtlich gesagt: "In der Vergangenheit hatte ich die Haltung, erlaubt ist, was nicht gefunden wird." Es geht dabei natürlich nicht um ihn, sondern um seine Pferde. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hat ungewöhnlich reagiert und gleich alle Nationalmannschaften aufgelöst. Erst nach eingehender Überprüfung und Offenlegung aller Ungereimtheiten besteht wieder die Chance, für Deutschland zu starten. So etwas hat es noch nie gegeben.

    Zum Radfahren. Floyd Landis, Tour de France-Sieger 2006, wird beschuldigt, die Computer des französischen Andidoping-Labors Chatenay-Malabry angezapft zu haben. Landis droht angeblich ein internationaler Haftbefehl, wenn er sich nicht für Auskünfte zur Verfügung stellt. Landis will niemand mehr sehen.

    Ein weiterer ehemaliger Radprofi hat alle seine ehemaligen Kollegen an den Pranger gestellt. Bernhard Kohl aus Österreich hat bei seiner Generalbrechnung erklärt, dass ohne Doping keine Chancengleichheit herrsche und dass er jetzt ein Leben ohne Lügen führen wolle. Das haben auch schon viele gesagt.

    So geht das die ganze Woche durch. Kleine Nachrichten, große Wirkungen. Ist uns der Spaß am Sport nun schon gänzlich verdorben worden oder bleibt noch ein Rest Euphorie?

    Ein paar andere Meldungen

    Philipp  Kohlschreiber, ein noch nicht so richtig bekannter Tennisspieler (also nicht so wie Becker und Stich und Wilhelm Bungert) mischt gerade Roland Garros auf und gewann sein Spiel gegen den Weltranglistenvierten Djokovic. Nein, er hat die French Open deshalb noch nicht gewonnen, aber er ist jetzt zusammen mit Tommy Haas im Achtelfinale. So gut waren deutsche Tennisspieler schon lange nicht mehr auf dem roten Sand in Paris. Irgendwie wünscht man sich jetzt, dass die Jungs so traumhaft weiterspielen und endlich Boris Beckers nahende Hochzeit zur Kurzmeldung degradieren.

    Der Club ist aufgestiegen. Das ist jetzt für die Franken toll, aber für die Lausitzer grausam. In der nächsten Saison ist kein Verein aus dem Osten Deutschlands in der obersten Spielklasse vertreten. Wir können darauf warten, dass jetzt wieder von der Kluft zwischen Ost und West gesprochen wird, von der Benachteiligung der neuen Bundesländer. Dabei hatte Cottbus, als es darauf ankam, zunächst viel Pech, und die Mannschaft zeigte dann vor allem nicht den Hauch eines Zusammengehörigkeitsgefühl, das notwendig ist, um  Spiele mit Entscheidungscharakter zu gewinnen. Wir hoffen dennoch, dass sich Cottbus oder Rostock in der nächsten Saison so präsentieren, dass wenigstens ein Team aus dem Osten wieder in der Bundesliga vertreten sein wird.

    Und dann war da noch mehr Fußball: Wunderschöner, wie das Finale der besten europäischen Teams in Rom mit den kleinen Zauberkickern vom FC Barcelona. Das war nicht einfach nur ein Endspiel. Dieses Match gegen die plötzlich überforderte Mannschaft von Manchester hatte zukunftsweisenden Charakter. So wie die Spanier soll dieser Sport, der so viele Menschen in seinen Bann zieht, so soll er aussehen.

    Doping und herzhafte Spielfreude, Lügen und magische Momente. Der Sport ist eben doch nur ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, die momentan so vieles ertragen muss, weil die Krise ihr Fesseln anlegt. Und doch wird gefeiert, wie das immer so war, wenn die Kurve eher bergab als bergauf zeigt. In Frankfurt kommen momentan 65.000 Menschen zusammen die sich gemeinsam  unter der Obhut des Deutschen Turner-Bundes sportlich betätigen. Im Sport liegt immer auch eine Chance und am Ende sieht es doch so aus, als könne er einen nicht unerheblichen Teil dazu beitragen, dass wir alle ab und zu die Last des Alltags vergessen.

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