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    Sigi Heinrich

    Bayern-Herrlichkeit – aber ohne Robben und Ribéry

    Ribéry und Robben - ist Bayern ohne sie besser dran?Ribéry und Robben - ist Bayern ohne sie besser dran?

    Natürlich war das Finale des FC Bayern München gegen den FC Chelsea ein Spiel der vielen Gefühle. Emotionen, die vor allem die vielen Spieler und Verantwortlichen nach dem Match kaum in Worte fassen konnten. Der Trost, dass diesmal wirklich die bessere Mannschaft verloren hatte, kam nicht mehr an. Die Münchner am Tiefpunkt. Vizebayern. Das ist das allerschlimmste, was diesem Verein passieren konnte.

    Ich war einfach nur Fan. Habe vor dem Fernsehapparat gesessen, bin aufgesprungen, als Gomez in Rücklage den Ball in bester Position über die Latte jagte und vorher Arjen Robben an dem großartigen Chelsea-Keeper Petr Cech, dem Mann mit dem Helm, scheiterte. Und immer wieder Angriffe der Bayern und pomadiges Spiel der Gäste im Mittelfeld. Irgendwann, so dachte ich mir, wird die Geduld der Bayern belohnt und so war es denn auch. Wie in den guten alten Zeiten. Es müllerte.

    Aber dann: Als ausgerechnet der Torschütze ausgewechselt wurde, kam mir sofort in dieser Sekunde das Finale gegen Manchester United 1999 in den Sinn. Ihr erinnert Euch auch? Lothar Matthäus wurde ausgewechselt oder ließ sich auswechseln. Darüber rätselt die Fußballgemeinde noch immer und die Wahrheit werden wohl nur wenige wissen. Mein erster Kommentar war: "Nicht Müller raus, spielt so weiter wie bisher, wechselt nicht aus, das bringt kein Glück."

    Als der Gedanke noch immer diskutiert wurde, kam der Kopfball von Didier Drogba. Heftig flogen danach die Argumente hin und her, denn danach fehlte Müller in der Verlängerung. Und während der Auswechslung wegen ein Wort das andere gab, folgte der nächste Diskussionspunkt als ausgerechnet Arjen Robben zum Elfmeter in der Verlängerung schritt. Pro Robben, kontra Robben. Und ich verstieg mich gar zu der Meinung, dass Cech garantiert nach links springen würde, wo Robben immer seine Elfmeter platziert. Und dann schlugen wir auch schon alle die Hände über dem Kopf zusammen. Kann das sein? Warum Robben?

    Die Angst saß im Nacken

    Klar, hinterher sind alle schlauer, aber die Misere beim FC Bayern kam eigentlich erst viel später zum Ausdruck als nämlich das Elfmeterschießen absolviert werden musste. Wir erinnern uns: Thomas Müller, zuletzt sowieso nur Edelreservist, weil für ihn kein Platz im Team der Ribéry-Robben-Achse war, konnte nicht mehr antreten. Arbeitslos war er dennoch nicht. Er suchte, wie auch sein Trainer Jupp Heynckes, Elfmeterschützen. Den hochgelobten Kickern saß die Angst im Nacken, die pure Angst. Keiner wollte. Das führte dann tatsächlich zu der kuriosen und sehr ungewöhnlichen Situation, dass Manuel Neuer als dritter Schütze antreten musste.

    Und Hand aufs Herz. Auch seinen Strafstoß hätte Kollege Cech fast gehalten. Die Bayern schossen allesamt keine guten Elfmeter. Verantwortung übernehmen? Nur ein paar Münchner taten dies. Wo war Toni Kroos, der doch über eine so ausgezeichnete Schusstechnik verfügt? Jerome Boateng? Anatoli Timoschtschuk? Daniel van Buyten? Alles gestandene Kicker, die zitterten wie Espenlaub. Da musste sogar Ivica Olic ran, der dann prompt verschoss. Ein Ergänzungsspieler, der den Verein verlässt, wurde an diesem Abend vor eine der schwierigsten Situationen seiner sportlichen Karriere gestellt.

    Dass Arjen Robben nicht mehr antrat, das zum zumindest leuchtete allen ein. Bastian Schweinsteiger, der ein aufopferungsvolles und gutes Spiel absolviert hatte, war schließlich der große Pechvogel einer Mannschaft, die eben in der Stunde der Bewährung Tugenden vermissen ließ, deren Fehlen auch während der Saison dazu führte, dass dieses als verlorenes Jahr in die Vereinsgeschichte eingehen wird.

    Es fehlen die Alphatiere

    Die Münchner haben keine Führungsspieler mehr, die diese Mannschaft immer brauchte, weil ihre Zusammensetzung ein sehr filigranes Gebilde darstellt. Es ist wohl für alle Trainer schwierig, solche ausgeprägten Individualisten wie Arjen Robben und Franck Ribéry in eine Mannschaft zu integrieren. Haben sie niemanden auf dem Spielfeld, der ihnen ab und zu die Meinung geigt, tendieren sie zu Soloauftritten, die dem Team nicht unbedingt helfen.

    Da gab es in der Vergangenheit Typen wie Lothar Matthäus, Stefan Effenberg und zuletzt Oliver Kahn. Das waren ausgesprochene Alphatiere. Jetzt nimmt sich die Stars niemand mehr zu Brust. Ja, die beiden ausländischen Topspieler aus Frankreich und den Niederlanden sind wie Feuer und Wasser und ticken wohl nur während der 90 Minuten einigermaßen gemeinsam. Nicht weil Arjen Robben den Elfmeter verschoss meine ich, dass er den FC Bayern nicht vorwärts bringen wird in Zukunft. Und Franck Ribéry ist längst ausrechenbar geworden für die gegnerischen Verteidiger und sicher auch keine Option für den neuen Anlauf, die alte Bayern-Herrlichkeit wieder herzustellen.

    Die Münchner müssen sich nach drei zweiten Plätzen in dieser Saison schleunigst erneuern. In jeder Beziehung.

    Euer Sigi Heinrich

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