Den Ball fest im Blick: Timo Boll.Was, frage ich mich, hat Tischtennis mit Handball zu tun? Oder mit Fußball? Gar mit Basketball? Wenig würde ich zunächst sagen. Gut, es geht zumindest immer um eine Kugel, um einen Ball, um etwas Rundes, das bei den einen ins Tor soll, bei den anderen in den Korb gelegt wird. Als Korbleger eben oder auch mittels eines weiten Wurfes.
Tischtennis ist ja hingegen ein Rückschlagspiel. Ein allerdings faszinierendes. Ich darf mich hier outen. Die Übertragungen mit Timo Boll schaue ich mir ausgesprochen gerne an und versuche dann im Sommer mit den Kumpels auch mein Glück. Auch wenn man es nicht so gut kann: Es macht Spaß.
Ich will aber jetzt nicht abschweifen vom Thema, das ja die kleine Zelluloidkugel mit dem riesigen Basketball zusammenbringen soll. Oder mit dem kleinen aber elend hart aufgepumpten Handball, der für mich die Torhüter dieses Sports zu wahren Helden macht.
Tischtennisspieler stehen vor Problem
Also: Ohne die hier erwähnten Ballsportarten haben die Tischtennisspieler in London vielleicht ein Problem. Der Präsident des Verbandes der reaktionsschnellen Artisten an der grünen oder blauen Platte, Thomas Weikert, fürchtet nämlich um den eigenen Teamarzt bei den Olympischen Spielen in London.
Und das geht so: Teambetreuter und Ärzte und Zeugwarte und natürlich die ehrenamtlichen Funktionäre werden entsprechend der Anzahl an Olympioniken benannt. Und da sieht das zappenduster aus. Kein Handball im deutschen Trikot in London, kein Fußball, kein Basketball. Frauen wie Männer haben in diesen so prestigeträchtigen Sportarten die Qualifikation für die Olympischen Spiele verpasst. Gute Platzierungen bei diversen Meisterschaften waren für eine Teilnahme nötig. Es hat hier und da und hinten und vorne nicht gereicht.
Und wenn es ganz dick kommt, und die Wasserballer (männlich) und Volleyballer (weiblich und männlich) scheitern bei den Last-Minute-Turnieren, die noch anstehen, dann sind das nicht mehr Olympische Spiele, wie wir sie immer gewohnt waren. Gut, die Fußballer, die sowieso mit einer Juniorentruppe antreten müssten (nur drei Spieler dürfen älter als 23 Jahre sein, weshalb zum Beispiel bei den Gastgeber David Beckham hofft, nominiert zu werden) waren uns bei Olympia schon immer ziemlich egal.
Teamwettbewerbe haben Signalwirkung
Auch beim DFB in Frankfurt ist niemand so richtig traurig, dass die Männer fehlen. Die Frauen, nun ja, das ist eine andere Sache. Für die war und ist das olympische Fußball-Turnier noch immer wichtig. Aber noch viel, viel mehr ist es bedeutsam für alle anderen Ballsportarten. Schon der Stimmung wegen.
Ich weiß zum Beispiel, dass im Winter die Sportler, die ihren Wettkampf schon beendet haben, gerne, sehr gerne sogar, zum Eishockey gehen. Das ist fast schon Tradition. Und im Sommer schaut der Olympionike eben auch gerne über den Zaun. Handball, Basketball (mit Dirk Nowitzki). Ja, das wäre eine schöne Abwechslung. Und die Ballsportarten haben immer auch für ein positives Image gesorgt. Sie haben die Massen auch zuhause gebunden. Die Teamwettbewerbe haben Signalwirkung, reißen mitunter Individualsportler mit.
In Sydney 2000 waren 428 Athleten dabei. In London werden es keine 400 werden. Es wird übersichtlich. In Peking waren noch acht Mannschaften dabei. Von zwölf möglichen Sportarten ist bereits jetzt klar, dass der Deutsche Olympische Sport-Bund (DOSB) maximal fünf besetzten kann mit Teams. Maximal, denn wie gesagt: Es kann noch dicker kommen. Ursachen dafür mag es viele geben.
Handballer verpassen Rettungsanker
Klar ist schon, dass es eben nur wenig Plätze gibt und bei den wenigen auch noch der Gastgeber sein Recht einfordert. Die englischen Handballer sind nicht olympiareif, die Volleyballer auf der Insel auch nicht. Die Fußballer? Könnte schon sein. Und so wirken sich zwei schwache Spiele wie sie zuletzt zum Beispiel die Handballer zeigten bei der Europameisterschaft, total fatal aus. Nicht einmal der Rettungsanker mit noch ausstehendem Qualifikations-Turnier wurde erreicht. So etwas nennt man eine ausgemachte Pleite.
Doch des einen Leid kann des anderen Glück sein. Die fehlenden Sendezeiten werden eben jetzt umgeschichtet. Vielleicht zum Fechten, zum Gewichtheben, zur möglichen ersten Medaille, wie immer bei den Schützen. Möglicherweise kommen Ringer und Judoka jetzt häufiger ins Bild oder Kanuten und Ruderer. Und natürlich die Tischtennis-Recken.
Wenn dann Timo Boll gegen seine chinesischen Freunde spielt, dann ist dafür möglicherweise ein Stündchen frei im riesigen Programmangebot. Und vielleicht gelingt es ja sogar, trotz des ungewöhnlich kleinen Aufgebotes, für die Tischtennisspieler trotzdem einen Arzt ihres Vertrauens zu akkreditieren. Übrigens: So ganz ohne Teamsports läuft die deutsche Mannschaft ja nicht in London ein. Verlass war, wie immer, auf die Abteilung Hockey. Und für die Übertragung der medaillenträchtigen Hockeyspiele sollte ja jetzt auch Zeit sein.
Herzlichst,
Euer Sigi Heinrich


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