Sigi Heinrich

Sigi Heinrich

Frauen an die Schanzen

Mo 20.Apr. 12:26

Doktor Rogge hatte keine Zeit. Der ehemalige Chirurg, der dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vorsteht, gab doch tatsächlich einer Gruppe junger Damen einen handfesten Korb. Nein, nicht dass ihm das Treffen seine eigene Frau verboten hätte. Ganz und gar nicht. Der oberste Olympier sah schlicht keinen Handlungsbedarf. Er glaubt an die Macht der Juristen, lässt lieber schreiben als gemeinsam zu reden. Das war unklug, denn jetzt droht Ärger und wenn die holde Weiblichkeit mal auf die Pauke schlägt, ist kräftiges Ohrensausen gewiss.

Springen wollen die Mädels und zwar richtig. Die Schanzen der Welt haben sie gerade erst begonnen zu erobern, ermittelten in diesem Winter sogar die erste Weltmeisterin. Lindsey Van heißt die Dame, die den ersten Titel im Skispringen gewann. Jetzt will sie auch Olympiasiegerin werden. In Vancouver, nächstes Jahr. Dagegen ist im Grunde nichts einzuwenden. Wer in Liberec über den Backen ging, wird wohl auch den Sprunghügel in Kanada treffen. Soweit so gut. Pech ist bloß, dass Skispringen nicht olympisch ist. Damenskispringen wohlgemerkt.

Damit soll Schluss sein und die 15 engagierten Mädels, die jetzt ernsthaft das IOC aushebeln wollen, haben gute Chancen, ihren Willen durchzusetzen. In Kanada gibt es nämlich eine Gleichberechtigungsgesetzgebung, weshalb eine Gleichberechtigungsklage beim Supreme Court of British Columbia in Vancouver eingereicht wurde. Die Verhandlung beginnt in dieser Woche. Der Richter ist allerdings ein Mann. Das ist vermutlich kein Vorteil. Aber ansonsten könnte Jacques Rogge durchaus ein Problem bekommen, schließlich ist Skispringen noch eine der wenigen männlichen Bastionen bei Olympia und wenn Rogge ehrlich ist, dann hat er eigentlich keine handfesten Gründe gegen das Ansinnen der springwütigen Weiblichkeit.

Er lässt das zarte Geschlecht längst in vielfältigster Ausrichtung durch die Eisbahnen rasen. Mit Schlitten und auch mit dem Bob. Der alpine Abfahrtslauf stand nie zur Diskussion. Beim Eishockey geht es auch nicht gerade zimperlich zu, auch wenn die Regelauslegung frauenfreundlich gestaltet wurde. Und auch beim Shorttrack fliegen schon mal die Fetzen. Nein, es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, den Damen olympische Weihen zu verweigern.

Wie wird Rogge also argumentieren? Vermutlich wird er auf den finanziellen Aspekt hinweisen. Noch eine Hundertschaft Damen zusätzlich, das fordert den Veranstalter natürlich immens, da ja auch noch Trainer und Betreuer hinzukommen. Physiotherapeuten und Ärzte, falls doch mal was passieren sollte, kann man ja bei den Männern ausleihen. Aber ein zusätzlicher Wettkampf belastet natürlich auch den Terminplan. Den Damen steht Training zu und wenigstens ein Wettkampf. Aber vielleicht wollen sie auch gleich alles haben. Stünde ihnen im Falle eines Sieges vor Gericht vielleicht sogar zu. Kleine Schanze, große Schanze, Mannschaftsspringen, nordische Kombination. Alles halt. Das ganze Programm.

Natürlich werden Rogges Juristen in Vancouver auf die Souveränität ihrer olympischen Bewegung hinweisen. Sie werden ihre Unabhängigkeit ins Feld führen und jede Einmischung von außen als Angriff auf ihren ach so wunderbaren Zirkel meist älterer Herren betrachten. Sollten die Damen gewinnen, gibt es dennoch ein Schlupfloch, denn die Gleichberechtigungsklage ist dann wohl nur in Kanada gültig und könnte als Ausnahme betrachtet werden, als einmalige Situation, was schade wäre. Nicht, dass ich mich jetzt einschleimen möchte, aber vermutlich wird eine Olympiasiegerin im Skispringen nicht aufzuhalten sein. Aber haben Frauen nicht letztlich immer Recht? Und haben sie nicht auch unendlich viel Geduld und Beharrlichkeit, wenn sie ein Ziel verfolgen? Eben. Frauen an die Schanzen. Am Herd stehen ja sowieso längst die Männer.

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  • Bemerkung1 - 6 von 6
  1. Richtig so ! Unsere deutschen Mädels sind ja auch nicht schlecht, also sind das zusätzliche Medaillenchancen.Nur müssten die Sprunganzüge deutlich figurbetonter sein.

    rueganer1970Von rueganer1970, am Mo 20.Apr. 17:53

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  2. Wäre ja echt ein Ding, wenn die Mädels damit durchkommen würden. Ich drücke für sie die Daumen.

    goal_getter77Von goal_getter77, am Do 23.Apr. 14:50

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  3. Die Frauen haben nur dann eine Chance, wenn das Gericht den lokalen Ausrichter (VANOC) als oberste Instanz ansieht, die olympischen Spiele durchzuführen, während das IOC nur als Schutzherr gilt.

    Wenns um Gleichberechtigung und menschliche Rechte geht, ist Kanada ganz etepetete

    wimfriendtVon wimfriendt, am Fr 24.Apr. 04:59

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  4. In welcher Welt leben die vergreisten Wichtigtuer des IOC eigentlich?

    serengeti10Von serengeti10, am Sa 25.Apr. 17:40

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  5. In einem Club elitärerer Greise, in welchem es möglich war, dass der ehemalige IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch dereinst Minister der mörderischen Francodikdatur war, ticken die Uhren nun einmal anders.

    serengeti10Von serengeti10, am Sa 25.Apr. 17:50

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  6. Ich kann Rogge schon verstehen. Nicht jede Sportart muss olympisch werden. Auch wenn sie es bei den Männern ist.
    Frauen-Skispringen ist so ein Nischensport, den üben vielleicht 100 Frauen weltweit aus. Wer da ernsthaft trainiert, gehört schon zur Weltspitze.

    supervisor85Von supervisor85, am Do 30.Apr. 04:58

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