Ich bin fast sprachlos vor Glück. Als man mich daran erinnerte, dass ich heute mit meinem 24. Sieg mit dem großen Juan-Manuel Fangio gleichgezogen bin, fühlte ich mich geehrt. Ich interessiere mich für Rennsporthistorie und Fangio ist einer der Größten aller Zeiten. Mehr will ich dazu gar nicht sagen.
Überhaupt: Der heutige Tag hatte für mich ein bisschen etwas von einem Traum. Wenn man als Kind davon träumt, Rennfahrer zu werden, ist alles noch so weit weg, insbesondere die Formel 1. Und wenn man dann, wie heute, ganz oben stehen darf, die Hymne hört und von einem solchen Glücksgefühl durchströmt wird, weiß man, wie privilegiert man ist, dort zu sein, wo man ist. Es geht gar nicht so sehr um den Sieg. Man muss sich immer wieder sagen, wie happy man doch sein muss, zu den 24 Glücklichen zu gehören, die Formel 1 fahren dürfen. Ich möchte einfach dem Team danken, dass an diesem Wochenende dafür gesorgt hat, dass alles perfekt abgelaufen ist und mir ein Sieger-Auto hingestellt hat.
Mit diesem Auto können wir gleich ein bisschen beim Träumen bleiben. So ein Auto, wie ich es heute fahren durfte, fährt man nicht jeden Tag — es ist ein bisschen so wie ein Auto, dass man sich in Träumen wünscht. Ich denke, man hat auch deutlich gemerkt, wie wohl ich mich gefühlt habe, wahrscheinlich am meisten, als ich gegen Rennende noch versucht habe, die schnellste Runde zu holen. Meine Boxenjungs waren etwas beunruhigt, ich werde wahrscheinlich noch einen auf den Deckel bekommen dafür. Aber das Auto war so geil zu fahren, das wollte ich ein wenig ausnutzen. Ich war immer im grünen Bereich, ich habe nie das Gefühl gehabt, etwas Unüberlegtes zu tun.
Sicher hat es uns heute geholfen, dass Fernando Alonso sein Rennen nicht beenden konnte, aber das führt sicher nicht dazu, dass wir uns jetzt zurücklehnen und ausruhen. Schadenfreude empfinde ich jedenfalls überhaupt nicht. Sowas kann auch uns wieder treffen. Wir haben ja gesehen, wie schnell sich die Dinge ändern können und wissen, dass wir da nicht ausgenommen sind. Wichtig ist, dass wir nicht jetzt schon zu rechnen anfangen, sondern weiterhin konzentriert bleiben. Die doppelte Titelverteidigung ist und bleibt unser Ziel und da lassen wir uns auch nicht davon abbringen. Heute war der Beweis, dass unsere harte Arbeit belohnt wird und genauso werden wir auch in jedes weitere Rennen starten. Als starkes Team.
Ich melde mich wieder aus Südkorea,
Seb
Sebastian Vettel schreibt diesen Blog für Red Bull. Für aktuelle Infos besuchen sie auch http://www.sebastianvettel.com.

