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    Rolf Kalb

    Ronnie, John oder doch ein anderer?


    Ronnie O'Sullivan hatte ja durchaus recht, als er vor der
    letzten Weltmeisterschaft sagte, wenn sie wirklich ihre Form abrufen könnten
    kämen eigentlich nur John Higgins oder er selber für den WM-Titel in Frage. So
    kam es denn auch: John Higgins bewies sich wieder einmal als der beste
    Allrounder und wurde Weltmeister.

    In diesem Jahr gilt eigentlich wieder das Gleiche: John
    Higgins und Ronnie O'Sullivan in Top-Form haben den anderen einiges voraus und
    sollten deshalb die Nase vorne haben. Aufeinandertreffen können sie ja erst im
    Finale. Aber die Einschränkung ist sehr wichtig: Wenn sie in Top-Form sind. Ist
    das nicht der Fall, dann sind natürlich auch diese beiden angreifbar und die WM
    ist absolut offen. Ob Ronnie und John in der Lage sein werden, im Crucible
    Theatre die Top-Form abzurufen, weiß im Vorfeld niemand - nicht einmal sie
    selber.

    Auf dem Papier hat Ronnie O'Sullivan sicherlich die
    schwerere Auslosung erwischt. Schon seinen Auftaktgegner darf er nicht
    unterschätzen, auch wenn er noch nie gegen Liang Wenbo verloren hat. Spielt
    O'Sullivan so offen wie zuletzt, dann gibt das ein fröhliches Bälle-in-die-Taschen-schießen
    mit ungewissem Ausgang. Übersteht Ronnie aber die erste Runde, dann könnte sein
    Gegner im Achtelfinale Mark Williams heißen. Der hat in China nicht nur durch
    seinen Titelgewinn gezeigt, dass er wieder eine Macht ist. Erreicht der Waliser
    das Viertelfinale, dann gehört er für mich auch zu den heißen Titelaspiranten.
    Zieht aber Ronnie ins Viertelfinale ein, dann könnte dort Mark Selby oder
    Stephen Hendry auf ihn warten; aus der Sicht von O'Sullivan wäre Selby sicher
    der unangenehmere Gegner.

    Auch wenn der Weg für John Higgins auf dem Papier nicht so
    schwer scheint kann es sich der Titelverteidiger nicht leisten, die WM locker
    anzugehen. Klar: Bei den China Open ist er im Achtelfinale gescheitert, aber
    eine misslungene Generalprobe ist ja oft ein gutes Omen und außerdem scheiterte
    er da am späteren Turniersieger Mark Williams. Dass seit 1996 (Stephen Hendry)
    kein Spieler mehr den WM-Titel verteidigen konnte muss auch nichts heißen; jede
    Serie endet einmal. Aber Johns Auftaktgegner Barry Hawkins wird bis in die
    Haarspitzen motiviert sein: Als Nummer 17 ist er der am höchsten in der
    Weltrangliste notierte Qualifikant. Von seinem Ziel, den Sprung in die Top 16
    der Rangliste zu schaffen, ist Hawkins aber ein ganz schönes Stück entfernt.
    Für ihn steht in Sheffield also sehr viel auf dem Spiel, und das macht ihn zu
    einem brandgefährlichen Auftaktgegner für den neuen Weltranglisten-Ersten
    Higgins.

    Sind die beiden Superstars aber nicht in absoluter Top-Form,
    dann ist die Weltmeisterschaft weit offen. Doch nicht nur das Rennen um den
    Titel wird bei dem 17-Tage-Marathon für Spannung sorgen. Peter Ebdon zum
    Beispiel muss unbedingt sein Auftaktmatch gewinnen, sonst ist er raus aus den
    Top 16. Seit 1994 gehörte der Weltmeister von 2001 ununterbrochen diesem
    Elitekreis an. Aber sein Auftaktgegner ist mit Graeme Dott auch ein ehemaliger
    Weltmeister - das kann (aus der Sicht von Ebdon) durchaus ins Auge gehen. Auch
    Joe Perry wird einen verzweifelten Kampf kämpfen, um sich doch noch in den Top
    16 zu halten.

    Viele Worte, viele Spekulationen - aber am Ende bleibt nur
    eins: Es kribbelt schon ganz gehörig und wird Zeit, dass es losgeht. Ab Samstag
    bleibt kein Raum für Spekulationen mehr. Mit Eurosport sind alle Fans auf jeden
    Fall im Crucible Theatre dabei: Etwa 180 Stunden werden wir auf Eurosport und
    Eurosport 2 (57 Stunden) übertragen, an vielen Tagen beide Tische parallel.
    Hinzu kommt natürlich das umfangreiche Angebot im Player und hier im Internet.
    Da bleibt mir nur noch, uns allen viel Spaß zu wünschen.

    Herzliche Grüße

    Ihr / Euer Rolf Kalb

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