Rolf Kalb

Das Neil-Judd Re-Match

TrumpSpitze Bemerkungen (oder sollte ich besser sagen Nadelstiche) flogen nach dem Masters-Halbfinale zwischen Neil Robertson und Judd Trump hin und her. Robertson habe langsam gespielt, das habe ihn gelangweilt, so Trump. Der Australier konterte das mit dem Hinweis darauf, dass er immerhin ein Break von über 80 Punkten in gerade einmal sechs Minuten gespielt habe. Aber wenn der Gegner ihn unter Druck setze, dann brauche eine gute Safety halt auch ihre Zeit. Und das Matchplay des Australiers ist ja eine seine Stärken.

Ein bisschen Gift spritzte, als Judd Trump außerdem kommentierte: "Hätte ich mein bestes Snooker gespielt, dann hätte ich ihn locker geschlagen." Da schien Robertson dann schon etwas genervt: "Das kann er leicht sagen. Er hat mit sechs oder sieben Jahren mit Snooker angefangen und vielleicht in seinem Leben schon mehr gespielt als ich. Wenn ich so früh angefangen hätte, dann würde ich von mir erwarten, mehr gewonnen zu haben." Und anschließend übte er auch noch Kritik an der Außendarstellung von Trump als Jungstar. Zur Ehrenrettung von Trump sei gesagt, dass er sehr wohl wusste, dass er sich an die eigene Nase packen musste: "Die Verantwortung für die Niederlage trage ich alleine."

Meine Meinung zu dem Ballyhoo: Das wird ja gerne immer aufgegriffen und produziert dementsprechend Schlagzeilen. Die mögen ja für den Sport vielleicht auch gut sein, aber ich empfehle immer, Äußerungen in der hoch emotionalen Situation unmittelbar nach einem Wettkampf nicht auf die Goldwaage zu legen. Da ist halt noch viel Adrenalin in den Adern und dementsprechend wenig Blut. Manchmal kann das dazu führen, dass das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.

Lassen wir also die Kirche im Dorf. Neil Robertson ist ein großartiger Snookerspieler und Vorzeigeprofi. Als Weltmeister und sechsfacher Turniersieger (plus seine PTC-Titel) braucht er nichts mehr zu beweisen. Judd Trump ist ein phantastisches Talent, sein Spiel ist mitreißend und charismatisch. Aber man darf ihn nicht erdrücken, indem man ihn als neuen Heiland des Snooker feiert. Lassen wir ihm lieber die Gelegenheit, weiter zu wachsen. Dazu muss er aber den Kopf klar und die Füße auf dem Boden behalten.

Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb

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12 Kommentare

  • Karl  •  vor 4 Monaten
    Der Rolf hat vollkommen recht, man soll die Kirche im Dorf lassen. Diese Kritik, der Gegner habe absichtlich langsam gespielt um zu nerven haben ich auch von Ronnie O`Sullivan öfter gehört. Auch andere Sätze wurden schon gesprochen. Der Judd hat keine Schimpfnamen benutzt und hat halt seine Sicht der Dinge dargelegt. Man darf ja nicht vergessen, es ging ja um sehr viel, nicht nur um viel Geld. Bei den Beiden geht es auch darum, wer unter den Jungstern der Beste ist. Beide wissen, dass sie sich am Snookertisch noch öfter gegenüberstehen werden, also wird gleich vorab einmal Klartext gesprochen.
    • Robert vor 4 Monaten
      Robertson mit 29 ein Youngster? Na gut, wenn du meinst. Stephen Hendry hatte da seine beste Zeiten schon hinter sich. Wie dem auch sei, Robertson ist von sich aus noch nie durch despektierliche Bemerkungen aufgefallen. Er hat auf Trump reagiert, was nur verständlich ist.
  • EvaL  •  vor 4 Monaten
    alles super, wenn nun noch Mr. Higgins rausfliegt, freue ich mich auf ein schönes Finale
    • Matthias vor 4 Monaten
      ja richtig ein schönes Finale Robertson gegen Mr. Higgins!!
    • EvaL vor 4 Monaten
      genau :-) vielleich später mal ...
    • katercarlo5O vor 4 Monaten
      Bei mir keimt irgendwo, ganz hinten, der Verdacht, daß Deine Affinität
      zu Higgins nicht besonders ausgeprägt sein kann.
  • Patrick  •  vor 4 Monaten
    Interessant, wie sich einige hier befähigt fühlen, anhand Beobachtungen aus der Fremde und ein paar Interviewaussagen Trump als arrogant einschätzen zu können. Aber das scheint immer mehr in Mode zu kommen, Menschen negativ zu beurteilen, die man gar nicht persönlich kennt.

    Was meine subjektive Beobachtung ist, dass sich da eine kleine Fehde zwischen Neil und Judd aufzubauen scheint. Wenn man sich den sehr emotionalen Jubel von Robertson direkt nach dem Match anschaut, da scheint sich was aufgestaut zu haben. Vielleicht auch darauf die Interviewreaktion von Judd ?
    • Robert vor 4 Monaten
      Ganz bestimmt. Und deine schlaue Einschätzung ist natürlich kein Stück spekulativ, im Gegensatz zu den anderen...
  • katercarlo5O  •  vor 4 Monaten
    Super Beitrag, genau so ist es.
  • Roswitha  •  vor 4 Monaten
    Wow, Trump hat aber schon ein großes Selbstvertrauen wenn er die Spielweise eines Top 16 Spielers als langweilig abstuft. Auch wenn es Aussagen sofort nach dem Spiel sind, sie zeigen trotzdem eine Seite des Charakters. Und mit 22 spricht man auch nicht mehr von Unerfahrenheit oder Naivität. Ich bin auch ein Fan von Trump und mag seine Spielweise, aber so eine Reaktion auf eine Niederlage gefällt mir nicht wirklich.
  • Tobi  •  vor 4 Monaten
    Ich finde Neil Robertson hat verdient gewonnen , er hat sehr konstant gespielt im Gegenteil zu Judd Trump und er muss nichts mehr beweisen er war nicht zu vergessen 2010 weltmeister !!
  • tweety  •  vor 4 Monaten
    Lach das sind zwei die noch Reifen müssen. Das zwei junge Menschen sich benehmen wie Pupatäre Kinder ist normal. Ich denke das man ihnen noch den Kopfwaschen wird von Manegetment. Die werden sich schon arig beieinander Entschuldigen. Passiert nunmal im Gefecht.
    • I.M.Erika vor 4 Monaten
      Icke kenne nur Pupsitäre Kinder und Magnetment, wa !
  • Ralph  •  vor 4 Monaten
    D'Accord Kater Carlo. Herr Kalb, sehr sehr großes Kompliment. Sie sind denke ich über die Sportarten hinweg mit der beste Kommentator! Tolle Einschätzungen von Personen und Spiel, immer die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt. Dann kommentieren, wenn es angebracht ist und ruhig sein, wenn das Spiel für sich spricht. Ein toller Sport wird so zum noch tolleren Erlebnis! Danke und Gruß ins Studie. Bin jetzt gespannt auf Higgins vs. Murphy...
  • Beatrix  •  vor 4 Monaten
    Also ich sehe das etwas anders. Ich beobachte Herrn Trump schon länger und seine Arroganz ist unübertroffen. Schon nach dem Match gegen O`Sullivan hatte er geäußert: „Wenn Ronnie weiter spielt und mich meidet, wird er noch Turniere gewinnen.“ Mit einer solchen Aussage hat er schon ein schlechtes Licht auf sich selbst geworfen. Um seinen Satz gegen Robertson mal genauer zu betrachten: Wenn O`Sullivan richtig im Stoß wäre und nur sein B Spiel zeigt, würde dies auch gegen jemanden wie Trump locker reichen. Jeder kann Trump schlagen.
    Er muss erst wahre Größe zeigen und damit meine ich auf dem Tisch und mit sportlichem Verhalten gegenüber seinen Gegnern! Und nicht mit solchen Kommentaren. Ich glaube eher, dass es ihn genervt hat, dass er nach dem Match gegen O`Sullivan so große Töne gespuckt hat und am Ende wieder auf den Boden der Realität zurück geholt wurde.
    • katercarlo5O vor 4 Monaten
      Das Leben wird Trump, der snookermäßig natürlich eine Bereicherung der
      Szene ist, ganz einfach lehren, daß längst nicht alles so ist, wie er es im
      Moment glaubt. Da habe ich keine Bedenken.
  • u-chebin estel anim  •  vor 4 Monaten
    Wenn jemand nach dem Verlust eines Wettbewerbes nur dadurch seinen Frust über sich selbst, unglückliche Situationen, Störungen etc. abzubauen in der Lage ist, in dem er seine Gegner angreift und beleidigt, erscheint mir das doch sehr unreif oder unfähig seine eigenes Können zu relativieren und anzuerkennen, daß an diesem Tag, in der Stunde, Minute, eben dem Wettkampf der andere einfach besser war. Und wenn es nur um wenige Punkte, einen gelochten Ball oder ein unglücklich verlorenes Break ging. Denjenigen würde ich raten, bei allem Training, Turnieren und Herausforderungen, die eine wirklich wichtige Schulung nicht zu vergessen, die ihres Charakters.
  • Robert  •  vor 4 Monaten
    Das Dissen der Gegner scheint immer mehr in Mode zu kommen. Angefangen damit hat Mark Allan, der erst über Bingham herzog, dann über Robertson. Und der spätpubertäre Judd "Die Frisur" Trump äfft ihn jetzt nach. Willkommen im neuen Snooker-Stil...
  • Henry  •  vor 4 Monaten
    Was erwartet man von jemandem der sich selbst als Playboy of Snooker betitelt? Sein Talent bekommt man in die Wiege gelegt, alles andere muss man sich ersteinmal verdienen, und mit Arroganz ist es schwer, sich den Respekt und die Anerkennung der Fans zu verdienen. Ich mag Judd Trump nicht, auch wenn er noch so zauberhaft spielt.

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