TrumpSpitze Bemerkungen (oder sollte ich besser sagen Nadelstiche) flogen nach dem Masters-Halbfinale zwischen Neil Robertson und Judd Trump hin und her. Robertson habe langsam gespielt, das habe ihn gelangweilt, so Trump. Der Australier konterte das mit dem Hinweis darauf, dass er immerhin ein Break von über 80 Punkten in gerade einmal sechs Minuten gespielt habe. Aber wenn der Gegner ihn unter Druck setze, dann brauche eine gute Safety halt auch ihre Zeit. Und das Matchplay des Australiers ist ja eine seine Stärken.
Ein bisschen Gift spritzte, als Judd Trump außerdem kommentierte: "Hätte ich mein bestes Snooker gespielt, dann hätte ich ihn locker geschlagen." Da schien Robertson dann schon etwas genervt: "Das kann er leicht sagen. Er hat mit sechs oder sieben Jahren mit Snooker angefangen und vielleicht in seinem Leben schon mehr gespielt als ich. Wenn ich so früh angefangen hätte, dann würde ich von mir erwarten, mehr gewonnen zu haben." Und anschließend übte er auch noch Kritik an der Außendarstellung von Trump als Jungstar. Zur Ehrenrettung von Trump sei gesagt, dass er sehr wohl wusste, dass er sich an die eigene Nase packen musste: "Die Verantwortung für die Niederlage trage ich alleine."
Meine Meinung zu dem Ballyhoo: Das wird ja gerne immer aufgegriffen und produziert dementsprechend Schlagzeilen. Die mögen ja für den Sport vielleicht auch gut sein, aber ich empfehle immer, Äußerungen in der hoch emotionalen Situation unmittelbar nach einem Wettkampf nicht auf die Goldwaage zu legen. Da ist halt noch viel Adrenalin in den Adern und dementsprechend wenig Blut. Manchmal kann das dazu führen, dass das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.
Lassen wir also die Kirche im Dorf. Neil Robertson ist ein großartiger Snookerspieler und Vorzeigeprofi. Als Weltmeister und sechsfacher Turniersieger (plus seine PTC-Titel) braucht er nichts mehr zu beweisen. Judd Trump ist ein phantastisches Talent, sein Spiel ist mitreißend und charismatisch. Aber man darf ihn nicht erdrücken, indem man ihn als neuen Heiland des Snooker feiert. Lassen wir ihm lieber die Gelegenheit, weiter zu wachsen. Dazu muss er aber den Kopf klar und die Füße auf dem Boden behalten.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb


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