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    Rolf Kalb

    Im Machtkampf mit Ronnie?

    Ronnie O'Sullivan misst seine Kräfte mit Barry Hearn.Ronnie O'Sullivan ist derzeit nicht für die Turniere der Maintour startberechtigt. Das bestätigte World Snooker Boss Barry Hearn heute. Der Weltmeister habe als einziger der bisher 98 feststehenden Tour-Profis den Spielervertrag nicht unterzeichnet. Dies bestätigte auch O'Sullivan selber in einer Erklärung, die sein Management heute veröffentlichte: „Ich habe beschlossen, derzeit für keine Turniere zu melden; das betrifft die Premier League und die bevorstehenden Weltranglisten-Turniere." Auch zu seinen Gründen äußert sich O'Sullivan: „Ich habe den Vertrag nicht unterzeichnet, weil er zu belastend ist. Ich bin in einer Phase meiner Karriere, in der ich nicht so viel Engagement investieren will. Ich will immer noch Snooker spielen und Orte wie China besuchen, wo Snooker begeistert aufgenommen und bewundert wird. Ich hoffe, auch in Zukunft eine Rolle in diesem Sport zu spielen."

    Barry Hearn konterte in einer Erklärung von World Snooker: „So sehr wir Ronnie bei den Turnieren auch vermissen werden, aber wir können keine Ausnahme für einen einzelnen Spieler machen. Unsere Pflicht ist es, alle gleich zu behandeln. Ronnie ist willkommen, bei allen Turnieren der Tour zu spielen, sobald er die Regelungen des Spieler-Vertrages akzeptiert hat." Der Vertrag, so heißt es in der Erklärung, sei von World Snooker in Übereinstimmung mit der WPBSA (in deren Vorstand mit dem Vorsitzenden Jason Ferguson sowie Steve Davis und Ken Doherty drei ehemalige beziehungsweise noch aktive Spieler sitzen) und nach Konsultationen mit der Spieler-Vertretung (Snooker Players Association) ausgearbeitet worden.

    Droht das Karriere-Ende?

    Entwickelt sich da ein Machtkampf? Schon nach seinem WM-Triumph hatte Ronnie O'Sullivan angekündigt, eine Pause von etwa sechs Monaten einlegen zu wollen. Das ist sein gutes Recht. Dies hier aber geht tiefer. Denn ohne den Vertrag unterschrieben zu haben, wird er auch nach den sechs Monaten nicht starten können. Barry Hearn wird da konsequent bleiben — und das muss er auch, will er das ganze System nicht gefährden. Wie weit O'Sullivan gehen wird vermag ich nicht abzuschätzen.

    Der letzte Spielervertrag, den ich habe lesen können, stammt aus der Saison 2010/11. Der enthielt zwar eine Vielzahl an Regelungen, aber unzumutbar erschien er mir nicht. Im Gegenteil: Ich kenne Verträge aus anderen Sportarten, die viel härtere Kaliber sind. Den Spielervertrag allerdings aus dieser Saison, den O'Sullivan nicht unterschreiben will, kenne ich nicht. Diese Verträge werden (wie in der Regel auch Arbeitsverträge — alles ganz normal also) nicht öffentlich gemacht. Auch den Vertrag damals hätte ich eigentlich gar nicht sehen dürfen.

    Eine Pause kann sich Ronnie O'Sullivan in dieser Saison auf jeden Fall erlauben. Als Weltmeister ist er bei allen vollen Ranglisten-Turnieren automatisch an Nummer zwei gesetzt (nur beim German Masters und bei der WM wäre er als Titelverteidiger die Nummer eins der Setzliste). Seine Ranglisten-Position also kann er in dieser Saison vernachlässigen. Aber wenn er den Vertrag nicht irgendwann unterschreibt, dann bleibt es nicht bei einer Pause, sondern dann kann das das Karriere-Ende von O'Sullivan bedeuten — freiwillig oder unfreiwillig.

    Nach Stephen Hendry würde der Sport damit einen zweiten seiner ganz Großen verlieren. Das wäre mehr als bitter. Dass Ronnie O'Sullivan viele Leute zu Snooker-Fans gemacht hat und das Publikum auch an den Ticketschalter lockt ist unbestritten. Auf sein mitreißendes Spiel (wenn er denn in Form ist) will man nicht verzichten — auch ich nicht. Aber: Kein Spieler ist größer als der Sport selber! Das hatte seinerzeit auch Alex Higgins bei seinen Auseinandersetzungen mit der WPBSA übersehen. Hoffen wir, dass hier nicht zwei Lokomotiven aufeinander zu rasen, sondern die Beteiligten doch noch zueinander finden.

    Herzliche Grüße
    Ihr / Euer Rolf Kalb

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