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    Rolf Kalb

    Die beste Session


    Die zweite Session des Achtelfinales war mit Abstand die
    bisher beste bei den China Open. Da war es wirklich schade, dass nicht alle vier
    Tische mit Kameras ausgestattet sind. Besonders ärgerlich ist natürlich, dass
    es keine TV-Bilder von Neil Robertsons Maximum gibt. „The Melbourne Machine"
    ist riesig stolz auf die 147, und das natürlich zu Recht. Aber er hat wie viele
    andere vor ihm auch die Erfahrung machen müssen, dass eine solche Sternstunde
    in der Folgezeit viel Konzentration kostet. Sein Fazit: „Am besten macht man
    das im letzten Frame."

    Das Duell zwischen Ding Junhui und Mark Selby war wegen der
    Atmosphäre ein besonderer Höhepunkt, vor allem aber auch wegen der Qualität. Vier
    Centuries, Safeties vom Feinsten, Spannung und ein bisschen Drama - beste Werbung
    für Snooker. Schade nur, dass einer von beiden ausscheiden müssen. Auch
    Verlierer Mark Selby hätte gut ins Viertelfinale gepasst. Aber Ding Junhui hat
    endlich auch einmal wieder seinem Heimpublikum zeigen können, was er kann. Brillantes
    Spiel und mentale Stärke machen den chinesischen Sporthelden zu einem heißen
    Titelanwärter für mich.

    Hoffnungen auf den Titel kann sich aber sicher auch Mark
    Williams machen. Es ist gut zu sehen, dass er zu alter Stärke zurückfindet. Dieser
    Mark Williams ist eine Bereicherung für den Sport. Ich habe großen Respekt
    dafür, wie hart er gearbeitet hat, um aus seinem Tal wieder herauszukommen. Gegen
    John Higgins hat er eine große Leistung gezeigt - typisch Mark Williams eben. Die
    Fehler des Weltmeisters hat er konsequent bestraft. Der Waliser ist wieder ein
    Spieler, dem eine Chance reicht, um einen Frame zu entscheiden. So muss er
    niemanden fürchten.

    Stephen Hendrys Problem war zwischen den Ohren. Im Kopf
    stimmte es beim Rekord-Weltmeister nicht. Umso wichtiger war für ihn, dass er
    Ryan Day, einen absoluten Top-Spieler, zu null geschlagen hat. Vielleicht gibt
    ihm dieser Erfolg ja endlich das Selbstbewusstsein, das ihm abhanden gekommen
    war. Dann kommt auch ganz schnell die Konstanz wieder zurück.

    Ein Wort noch zu Ronnie O'Sullivan: Natürlich tragen die
    Ronnie-Fans noch immer Trauer, aber wir werden auch ohne ihn viel Freude an den
    letzten Tagen der China Open haben. Dass er allerdings absichtlich verloren
    hat, wie hier von vielen vermutet wurde, glaube ich nicht. Sich: Er hat nachlässig
    gespielt, mit zuviel Risiko und ohne Netz. Er selber sagt ja immer, dass ihm
    der Spaß beim Spiel wichtiger ist als der Sieg. Vielleicht verschafft ihm der
    Kamikaze-Stil den Thrill, den er sonst vermisst. Mein belgischer Kollege Rudy
    Bauwens hat dazu kopfschüttelnd bemerkt: „Selbst der FC Barcelona spielt mit
    Torwart."

    Herzliche Grüße

    Ihr / Euer Rolf Kalb

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