Paul-Henri Mathieu begeisterte in Paris
Salut,
die beiden Turnierwochen bei Grand-Slam-Veranstaltungen haben immer zwei ganz spezielle Eigenheiten. Die erste Woche ist die Zeit der schönen Geschichten, der Überraschungen, der Außenseiter, die sich durch die besondere Atmosphäre zu ungewohnten Höhenflügen emporschwingen.
In der zweiten Woche hingegen, da geht es ans Eingemachte. Es bricht die Phase der großen Showdowns an, der direkten Duelle der besten Spielerinnen und Spieler der Welt. Genau das erleben wir im Moment - mit Nadal, Federer, Djokovic und Co.
In diesem Blog möchte ich mich aber mit den aufgehenden Sternen beschäftigen, also mit den Profis, die in Roland Garros niemand auf der Rechnung hatte, und die trotzdem für Furore gesorgt haben. Da stellen sich ja immer viele Frage: Haben wir es da mit einem One-Hit-Wonder zu tun oder erleben wir die Geburt eines neuen Stars am Tennis-Himmel?
Unfassbare Leistung von Mathieu
Die größte Sensation bei diesen French Open ist für mich Paul-Henri Mathieu. Der Franzose ist der Spieler, der die Zuschauer am meisten berührt hat, denn er hat Unfassbares geleistet. Erst vor einem Jahr wurde Mathieu nach einer Schienbein-Fraktur am Bein operiert und konnte monatelang mit dem Fuß nicht auftreten.
Und dann diese Leistung in Paris: In der 1. Runde machte der 29-Jährige einen 0:2-Satzrückstand wett, doch es kam noch besser: Danach spielte der Elsässer eine epochale Fünfsatz-Schlacht gegen John Isner, die er im fünften Satz nach 5:41 Stunden (!) mit 18:16 (!) für sich entschied. Die Drittrunden-Niederlage gegen Marcel Granollers schmäler Mathieus Leistung nicht im Geringsten.
Ein echter "Extrem-Kämpfer"
Doch wie kann es nun weitergehen mit dem tapferen Straßburger? Ist der Knoten geplatzt, folgen weitere große Erfolge - oder verschwindet er wieder in der Versenkung? Beides ist denkbar! Menschlich, medizinisch und spielerisch hat Paul-Henri gezeigt, dass er ein "Extrem-Kämpfer" ist. Zudem lebt er Tennis, der Schläger ist die natürliche Verlängerung seines Arms. Er hat definitiv die Klasse, dauerhaft oben mitzuspielen.
Nur, in den kommenden Wochen wird es sich wieder auf andere Turniere einstellen müssen. Es fehlt diese Extra-Portion Motivation, wie es bei den French Open der Fall war. Es wird diese unglaubliche Unterstützung von den Rängen nicht mehr in dieser Form geben. Die entscheidende Frage ist: Nutzt er seine Erfahrung bei den French Open, um zu verinnerlichen, dass er im Stande ist, Großes zu leisten - obwohl er bislang so oft an sich gezweifelt hat. Oder verblasst das Roland-Garros-Ereignis, ohne dauerhaft Wirkung zu zeigen?
Ich bin gespannt, wie es weitergeht mit Paul-Henri Mathieu.
Viele Grüße aus Paris,
Euer Patrick
