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    Patrick Mouratoglou

    Wie Lendl Murray verwandelt hat

    Liebe Tennis-Freunde,

    es ist wie das Zusammenfügen von kleinen Teilchen zu einem großen Ganzen, das es Andy Murray ermöglicht hat, seinen ersten Grand Slam zu gewinnen - die US Open. Zuvor war er bei vier Major-Endspielen in Folge knapp gescheitert, immer fehlte das letzte Quäntchen zum ganz großen Erfolg. Schließlich hat er diese Hürde, zum großen Teil dank Ivan Lendl, doch noch gemeistert.

    Die Arbeit mit seinem "neuen" Trainer war in vielerlei Hinsicht fruchtbar. Dadurch hat  sich Murrays Spiel merklich verbessert: Früher konnte man sehen, dass er Schwächen im offensiven Spiel hatte, zu sehr von den Fehlern seiner Gegner abhängig war. Er fühlte sich wohl in seiner Rolle als Konterspieler. Aber um ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen, muss man auf den Titel gierig sein, das Match machen, angreifen und die Initiative ergreifen - und das ist es, was ihm gefehlt hat.

    Vor einigen Monaten ist endlich der Knoten geplatzt. Murray ist seitdem in der Lage, sein Leistungs-Maximum abzurufen. Er nutzt seine druckvolle Vorhand und geht aggressiv in die Returns, um das Spiel zu diktieren. Er streut mehr Tempowechsel ein und macht weniger unnötige Fehler. Jedes Mal, wenn er einen Ball schlägt, steckt dahinter eine bestimmte Absicht.

    Ich habe einige Trainings-Sessions von ihm mit Ivan Lendl gesehen. Sie spielen viel "2 gegen 1", weil Lendl erreichen möchte, dass Murray an Konstanz zulegt, dass er fähig ist, viele schnelle Bälle mit der gleichen Intensität und ohne Fehler zurückzuspielen. Auch die Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit ist ein Trainingsziel. Murray soll sich bewusst machen, was er erreichen kann, wenn er sich vollkommen fokussiert. Auf diesem spielerischen Niveau, sind es die kleinen Dinge, die den Unterschied ausmachen. Lendl hat den Versuch unternommen, an den scheinbar unwichtigen Dingen zu arbeiten, um das gesamte Spiel zu verändern.

    Vor einem Jahr hätte Muray gegen Cilic verloren

    Tatsächlich hat sich Murray in den letzten Monaten mental sehr verändert: Er hat sich zu einem Spieler entwickelt, der die Willensstärke hat, an seine Grenzen zu gehen. Das schafft er auch, wenn er nicht gut spielt, sich körperlich nicht wohl fühlt oder wenn er müde ist. So ist es beispielweise auch bei Djokovic, der an einem schlechten Tag niemals gegen einen schwächeren Gegner verlieren würde. Er spielt vielleicht nicht überragend, aber er gewinnt.

    Vor einem Jahr hätte Murray das diesjährige US-Open-Viertelfinale gegen Cilic nicht gewonnen.  Er hatte den ersten Satz verloren und  lag im Zweiten 1:5 zurück - aber er hat das Spiel gedreht, trotz schlechter Voraussetzungen für sich. Und genau das ist der Knackpunkt. Man spürt, dass er auf sein Können vertraut, sich bei einem Grand-Slam-Turnier durchzusetzen oder auch ein  Match, das schlecht für ihn aussieht, nicht verloren gibt. Ivan Lendl hat ihm kein neues Selbstvertrauen gegeben. Er hat ihn dazu gebracht, auf seine spielerischen Fähigkeiten zu vertrauen. Murray fühlt sich jetzt einfach fähig, bestimmte Spiele zu gewinnen.

    Ein anderes Beispiel: Letzten Januar im Halbfinale der Australian Open war Murray spielerisch dicht an Djokovic dran. Ich erinnere mich an dieses  Match vom ersten bis zum letzte Punkt. Ich war überrascht vom hohen Niveau des Schotten und wie er das Geschehen, auch von der Körpersprache her, dominiert hat.  Doch dann hatte er einen Einbruch bei der Konzentration, wahrscheinlich war er körperlich müde. Murray war vollkommen raus aus dem Match und erlaubte Djokovic dadurch zurückzukommen. Es war nicht so, dass er technisch nicht in der Lage gewesen wäre, das Match zu kontrollieren. Er fiel mental einfach in alte Muster zurück. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete er erst einige Wochen mit Lendl zusammen.

    Einigen Monaten später, bei den Olympischen Spielen und den US Open,  hatte sich Murray bereits technisch und mental  so weiterentwickelt, um Djokovic zu schlagen. Djokovic spielt nicht gerne gegen Konterspieler. Er mag lieber die schnellen Duelle, wie gegen Federer. Für Murray ist Djokovic der perfekte Gegner.

    Ich denke, in Zukunft muss sich der "Djoker" neue Mittel und Wege gegen den Murray einfallen lassen.

    Viele Grüße,

    Patrick Mouratoglou

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