Hallo Tennis-Freunde,
41 Titel auf der Tour: Serena Williams
nach dem Turnier von Charleston hat Serena Williams auch in Madrid gewonnen. Dabei bezwang sie die Weltranglistenerste Victoria Azarenka. Und auch wenn Serena danach in Rom aufgrund ihrer Rückenverletzung aufgeben musste, das Signal der wohl größten Tennisspielerin des Jahrzehnts ist angekommen: der Angriff auf Platz eins. Serenas Comeback ist geglückt.
Williams musste einen langen Weg gehen, um wieder in den Top Ten anzukommen. Zwischen Mai 2010 und Mitte 2011 war sie verletzt, danach ernsthaft krank. Die Frage, ob Serena noch einmal die Motivation finden würde zurückzukommen, kam auf. Würde sie in der Lage sein, wieder hart zu trainieren, würde sie wieder in die physische Verfassung kommen, die eines Grand-Slam-Champions würdig ist? Mit 30 Jahren, einer erfüllten Karriere, in der es nichts mehr zu gewinnen gibt, hätte Serena sich von der Bühne verabschieden können.
Serenas Ego war verletzt
Seit einigen Jahren schaffte sie es, sich in der Weltspitze zu halten, indem sie sich nur auf einige Events fokussierte. Oft übergewichtig, verließ sie sich auf ihre natürlichen Talente: Ein großartiges Auftreten, das auf den bisherigen Erfolgen fußte, einen qualitativ hochwertigen Aufschlag und eine unglaubliche Gier auf den Punktgewinn. Es ist ihr Spiel, die Ballwechsel möglichst kurz zu halten. So kann sie trotz ihrer Fitnessdefizite erfolgreiches Tennis spielen.
Zurück auf der Tour schied sie in Wimbledon bereits in der vierten Runde gegen Marion Bartoli aus. Das traf die US-Amerikanerin hart. Sie wusste, dass sie noch nicht auf dem Level war, dass sie benötigt. Sie litt, aber sie wollte zurück an die Spitze, zu welchem Preis auch immer. Bei den US Open erreichte sie das Finale, trotz Favoritenrolle scheiterte sie an Samantha Stosur. Serenas Ego war verletzt, aber sie gab nicht auf - sie arbeitete an sich.
Die Fitness ist zurück
Es ist überragend, wie sie es schafft, sich selbst zu motivieren und sich zu hinterfragen. Sie möchte einfach selber wissen, ob sie es noch drauf hat, ob sie wieder gewinnen und die Weltspitze erobern kann. Sie setzte einen Plan auf, gab ihrem Tag einen Rhythmus. Sie wusste, dass die Fitness ihre Schwachstelle ist. Daher trainierte sie härter. Jetzt ist sie so fit, wie wir sie seit Jahren nicht gesehen haben. Auch lange Ballwechsel sind für sie nun kein Problem, sie kann nun punkten, wann sie will, es muss nicht mehr sofort sein. Serena hat keine Angst mehr vor Bewegung auf dem Court.
Auch wenn die 13-fache Grand-Slam-Turniersiegerin natürliches Selbstbewusstsein hat, weiß sie dennoch, dass sie die Match-Automatismen wiederfinden muss. Ihre Niederlage bei den US Open war schwer zu verkraften, da sie üblicherweise immer einen Weg findet, um zu gewinnen.
Der Aufschlag - eine Waffe
Der Aufschlag der jüngeren Schwester von Venus Williams ist nicht von dieser Welt. Technisch gut, perfekt getimed, dadurch wird er präzise und für den Gegner schwer einzuschätzen. Seit einigen Monaten arbeitet sie viel an ihrem Aufschlag und nun ist er sehr effizient. Selbst auf Sand schafft sie oft 14 Asse in zwei Sätzen.
Mir fallen oft die vielen Kommentare über die Schwäche der WTA ein, wenn ich darüber nachdenke, dass eine 30-Jährige nach einem Jahr Pause wiederkommen und Charleston und Madrid gewinnen kann. Aber ich möchte daran erinnern, dass wir hier nicht von irgendeiner Tennisspielerin sprechen. Serena ist vermutlich die beste Spielerin des Jahrzehnts und jetzt zeigt sie uns, wie stark sie auch mental ist.
Bleibt nur zu hoffen, dass Serena bei all dem Erfolg den sie momentan hat nicht vergisst, etwas von ihrer Energie aufzusparen. Große Turniere kommen: Roland Garros, Wimbledon, die Olympischen Spiele und die US-Open - alles innerhalb von drei Monaten. Und wenn Sie kein Vereltzungspech hat und fit an den Start gehen kann, dann dürfen wir eine Menge von dieser Serena Williams erwarten.
Viele Grüße aus Paris,
Euer Patrick
