Oliver Kahn

Lasst Robben Robben sein!

Liebe Yahoo! Eurosport-User,

Egomane, Egoist, Einzelgänger: Arjen Robben wurde nach dem Spiel gegen Bremen medial hart angegangen. Es wurde in letzter Zeit ja fast so getan, als ob er generell keinen Ball abgeben würde. Dass ihn diese herbe, zum Teil völlig überzogene Kritik wohl nicht kalt ließ, sah man am Sonntagabend nach fünf Minuten in der Partie gegen den VfB Stuttgart: Robben läuft allein auf Ulreich zu, umkurvt ihn und hätte das Tor selbst machen können. Stattdessen passt er auf Mario Gomez, der am Ball vorbeischlittert.

Natürlich wollte sich Robben nach seiner langen Verletzung im Spiel zuvor gegen Werder Bremen präsentieren und sich Selbstvertrauen holen. Ein Spieler wie er lebt davon. Dass er Gomez die Elfmeter wegschnappte und anschließend alleine jubelte, darf man deshalb nicht überbewerten.

Gesunde Portion Egoismus gehört dazu

Arjen Robben ist vielleicht kein einfacher Charakter. Eine gesunde Portion Egoismus gehört insbesondere bei einem dribbelstarken Spieler einfach dazu, so lange sie nicht konterkariert mit dem Erfolg der Mannschaft. Im Übrigen hat jeder Spieler eine egoistische Grundhaltung, sonst hätte er den Status als Profi erst gar nicht erreicht. Wer sich im harten Fußball-Geschäft durchzusetzen will, muss sich dem Konkurrenzkampf stellen und zuallererst an sich denken. Die Zeiten der "elf Freunde" sind lange vorbei, darüber darf man sich keine Illusionen machen.

Egotouren außerhalb des Feldes zu fahren sind dagegen fragwürdiger. Beispielsweise die Aktionen von Diego, Carlos Tevez oder auch Demba Ba. Aus der Mannschaftsbesprechung abzuhauen, weil man nicht in der Startelf steht, eine Einwechslung abzulehnen oder mit Streik zu drohen, solche Dinge bringen Unruhe ins Team und schaden einer Mannschaft. Überzogene Reaktionen im Wetteifer des Gefechts auf dem Platz gehören hingegen dazu. Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass ausschließlich Harmonie Grundlage des Erfolgs ist. Harmonie kann auch schnell zur Agonie führen. Zu bestimmten Zeitpunkten braucht eine Mannschaft Reibungspunkte, um Spannung, Aggressivität und Siegeswillen hoch zu halten.

Jede Mannschaft braucht "individualistische Teamplayer"

Arjen Robben ist ein Spieler mit einem ausgeprägten Wettkampf-Ich. Ob ein Lionel Messi, ein Wayne Rooney oder ein Cristiano Ronaldo - viele große Spieler sind individualistisch veranlagt und stehen aufgrund ihrer Spielweise im Vordergrund, was aber nicht zwingend heißt, dass sie den persönlichen Erfolg über den der Mannschaft stellen. Jedes Team braucht mindestens einen "individualistischen Teamplayer", der auch mal den einen oder anderen irritierenden Akzent setzt. Dabei muss man ja nicht unbedingt seinem Gegner in den Hals beißen...

In diesem Sinne: Lasst Robben Robben sein.

Euer


PS: Zu Arjen Robben haben wir auf fanorakel.de ein großes Voting gestartet. Wie seht ihr den Fall Robben? Schadet oder nützt seine Spielweise der Mannschaft? Klickt Euch rein und votet mit. Ich bin gespannt auf Eure Meinung!

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9 Kommentare

  • Jaqueline  •  vor 4 Monaten
    Es hat sich schon oft gezeigt,dass individuelle Spieler etwas besonderes sind. Das hat sich damals auch bei Kahn selbst gezeigt. Denn auch als Eigenbrötler kann man eine Mannschaft mitziehen.
    Es muss doch auch in Ordnung sein, wenn man sich nach einer Verletzungspause Bestätigung holt. Dieses gängeln der Medien ist wieder mal (wie so oft) unter aller Kante gewesen.
  • Lukas  •  vor 4 Monaten
    arjen robben ist und bleibt auch ein welklasse spieler. da könnt ihr sagen was ihr wollt. ich würde die kritiker gern nach 8 wochen verletzungspause mal fußball spielen sehen.
  • Müller  •  vor 5 Monaten
    da habt ihr es wieder, was mit Psychologie alles passieren kann, in stuttgart muss er ja nur in das leere tor passen, warum noch ein riskanter pass in die mitte, von robben der es meist alleine macht, ja warum wohl? ihr super experten, wo bleibt euer fachmännische meinung!
  • Rolf  •  vor 4 Monaten
    In Bremen ging es mehr um die Schauspierei bei eher harmlosen fouls. Wahrscheinlich hat ihm sein Versicherungsagent hierzu aufgefordert. In Spielen mit englischen Schiedsrichtern auf internationaler Ebene dürfte das schiefgehen
    Rolf Lemke
    Mülheim an der Ruhr
  • Sven  •  vor 5 Monaten
    Robben ist m.E. nicht mehr bundesligatauglich
    • Thomas_Kniese vor 5 Monaten
      Diese Aussage spricht nicht gerade für Ihre fußballerischen Kenntnisse.
  • Yahoo! Benutzer  •  vor 4 Monaten
    Robben ist doch gar nicht Bundesligatauglich
  • Yvonne Becker  •  vor 5 Monaten
    Robben ist doch dieser Invalide oder?
  • Dennis  •  vor 5 Monaten
    Ein wahres Wort klar wollte er die Elfmeter schießen um sich wieder Selbstvertrauen zu holen nachdem die Medien alle auf in ein Prügeln kann man das verstehen. Wenn ihm genug Zeit gelassen wird dann kommt er wieder zu seiner alten Stärke.
  • Thomas_Kniese  •  vor 5 Monaten
    Besser kann man das nicht formulieren!

Oliver Kahn

Der 86-fache Nationaltorhüter gewann mit dem FC Bayern München acht deutsche Meisterschaften, sechsmal den DFB-Pokal und einmal die Champions League. Zudem wurde Oliver Kahn dreimal als „Welttorhüter des Jahres“ ausgezeichnet. Auch nach dem Karriereende 2008 blieb der „Titan“ aktiv. Neben seinem BWL-Studium, und mittlerweile drei Buchveröffentlichungen, gründete er eine Stiftung für benachteiligte Kinder. Und: Kahn rief das Meinungsportal fanorakel.de ins Leben. Die „Stimme der Fans“ steht auch im Mittelpunkt seiner wöchentlichen Kolumne für Yahoo! Eurosport.