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    Oliver Kahn

    José Mourinho – zwischen Genialität und Größenwahn

    Mourinho: Umstrittener ErfolgsgarantMourinho: Umstrittener Erfolgsgarant

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    im Halbfinale der Champions League kommt es zum Duell zwischen dem FC Bayern und Real Madrid. Die spanische Sportzeitung "Marca" spricht vollmundig vom "Clásico Europas - ein Duell, in dem die Funken fliegen".

    Auf die "Königlichen" trafen die Bayern zuletzt vor fünf Jahren, die letzte Begegnung mit deren Trainer liegt weniger weit zurück. 2010 verloren die Münchner gegen das von José Mourinho trainierte Inter Mailand im Champions-League-Finale mit 0:2.

    Kein Trainer polarisiert wie Mourinho

    Trotz einer bemerkenswerten Titelsammlung (u.a. zwei Mal Champions-League-Sieger, Europapokal-Sieger, Meister mit Porto, Chelsea und Inter) polarisiert der 48-Jährige die Fußball-Welt wie wahrscheinlich kein anderer Trainer. Die einen halten ihn für ein Genie, die anderen sehen in ihm einen arroganten Selbstdarsteller. Mourinho - the special one.

    Kritiker werfen Mourinho vor, in seinen Clubs "verbrannte Erde" zu hinterlassen. Tatsache ist, dass es sowohl bei Chelsea als auch bei Inter nach Mourinhos Abgang keine Konstanz mehr gegeben hat. Chelsea verschliss sechs Trainer seit Mourinhos Abgang 2007. Bei Inter waren es fünf Trainer in nur zwei Jahren nach dem Titelgewinn in der Champions League 2010.

    Dies hängt sicherlich damit zusammen, dass der Portugiese ein ausgeprägter Machtmensch ist, der aufpassen muss, dass extremes Selbstbewusstsein nicht in Hybris umschlägt. Es ist bezeichnend, dass Mourinho im letzten Sommer bei Real den Machtkampf mit Generaldirektor Valdano gesucht und schließlich auch gewonnen hat. Verlässt dann jemand mit einer solchen Machtfülle den Club, entsteht zwangsläufig ein großes Vakuum.

    Für Mourinho gehen die Spieler durchs Feuer

    Mourinho ist ein Trainer mit großer Persönlichkeit, der seine Mannschaften bis ins kleinste Detail zu formen versteht. Seine Handschrift ist auf allen Stationen klar erkennbar. Ob Chelsea, Inter oder jetzt Real - sie alle spielen einen sehr disziplinierten, körperlichen Fußball, bei dem die Defensive eine wichtige Rolle spielt.

    In Mailand hat es Mourinho vor zwei Jahren geschafft, den großen Favorit Barcelona mit einer extremen Mauertaktik auszuschalten. In Madrid ist es Mourinho gelungen, die Mannschaft defensiv zu stabilisieren. Wo früher bei den "Königlichen" oftmals ein Hurra-Stil gepflegt wurde, herrscht jetzt eine sehr gesunde Balance zwischen Offensive und Defensive.

    So wenig Gegentore wie unter Mourinho hat Real schon lange nicht mehr kassiert. Und trotzdem sind die Madrilenen offensiv immens gefährlich. Wie schon im Vorjahr haben sie auch aktuell in der Liga wieder mehr als hundert Tore geschossen. Das ist selbst für Madrid keine Selbstverständlichkeit.

    Und auch das ist eine Stärke von Mourinho: Ihm gelingt es, aus eher egozentrisch veranlagten Starensembles echte Mannschaften zu formen. Ob bei Chelsea mit Drogba, Lampard oder Terry oder bei Inter mit Sneijder, Eto'o und Milito oder aktuell bei Real mit Ronaldo, Kaka, Özil - seine Mannschaften agieren auf dem Platz stets als Einheit.

    Mourinho schafft es auf jeder Station, die Spieler so weit zu bringen, dass sie für ihn hundertprozentig durchs Feuer gehen. Viele Spieler, die unter ihm trainieren, haben mir bestätigt, dass Mourinho eine absolute Koryphäe ist. Es gibt wahrscheinlich keinen Profi in ganz Europa, über den der Portugiese nicht alles weiß. Manchmal beschleicht mich sogar das Gefühl, er würde auch die Stärken und Schwächen des gegnerischen Platzwarts kennen.

    Mourinho kann noch schlechter verlieren als ich

    Mourinho stellt sich immer vor seine Mannschaft. Alle Gefechte auf dem Platz werden gemeinsam geschlagen, alle Gefechte außerhalb des Platzes werden von ihm geführt. Mitunter auch sehr ruppig. Erinnert sei an die Szene im Clásico gegen Barcelona, als er bei einer Massenrangelei dem Co-Trainer der Katalanen ins Gesicht gegriffen hat.

    Mourinhos Hitzigkeit überträgt sich mitunter auch auf die Mannschaft. Seit seinem Amtsantritt im August 2010 wurden wettbewerbsübergreifend 23 Real-Spieler vom Platz gestellt.

    Manchem traditionsbewussten Fan und Funktionär in Madrid stößt unangenehm auf, dass Mourinho sich unverhältnismäßig oft mit den Schiedsrichtern, anderen Trainern oder den Medien anlegt. Der Vorwurf lautete, er würde mit seinen permanenten Sticheleien und dem angeblich schlechtem Betragen die sprichwörtlich noble Kultur des "königlichen Clubs" beschädigen. Mein Eindruck ist, dass die Medien das Bild von Mourinho etwas überzeichnen.

    Tatsache ist aber, dass "the special one" ein Trainer ist, der extrem schlecht verlieren kann, vielleicht sogar schlechter als ich zu meiner aktiven Zeit. Aus dieser Leidenschaft des unbedingten Siegen-Wollens entwickelt Mourinho eine enorme Energie, die - gepaart mit seinem exzellenten Fachwissen - eine Mannschaft zusammenschweißen und mitreißen kann. Diese Leidenschaft ist aber Segen und Fluch zugleich. In den letzten Clásico-Duellen mit dem Erzfeind Barcelona wirkte Mourinhos Real mitunter viel zu emotional, was sich ab einem gewissen Punkt eher negativ auf die Leistung auswirkt.

    Der beste Trainer der Welt

    Der FC Barcelona ist die Größe, an der sich Mourinho misst. Die Katalanen zu übertrumpfen ist sein großes Ziel. Im Vorjahr gewann Barca die spanische Meisterschaft und die Champions League, Real "nur" den Copa del Rey. Madrid und Mourinho brauchen jetzt dringend Erfolge. Real muss ins Finale, die Bayern wollen ins Finale - genau diese Konstellation macht das Duell so spannend.

    Ein Vorteil für die Bayern könnte dabei sein, dass der spanische Clásico zwischen Real und Barca genau zwischen den beiden Bayern-Duellen liegt.

    Trotz aller Kritikpunkte ist Mourinho für mich der zurzeit weltbeste Trainer. Ein Mann, der eine Ära prägen kann, der für absoluten Erfolg steht.

    Euer

    PS: Zum "europäischen Clasico" haben wir auf fanorakel.de. über ein Dutzend Votings kreiert. Müller oder Kroos, wer sollte spielen? Taktikschach oder offenen Schlagabtausch, was für ein Spiel werden wir erleben? Klickt euch rein. Ich bin gespannt auf eure Meinung!

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    Oliver Kahn

    Der 86-fache Nationaltorhüter gewann mit dem FC Bayern München acht deutsche Meisterschaften, sechsmal den DFB-Pokal und einmal die Champions League. Zudem wurde Oliver Kahn dreimal als „Welttorhüter des Jahres“ ausgezeichnet. Auch nach dem Karriereende 2008 blieb der „Titan“ aktiv. Neben seinem BWL-Studium, und mittlerweile drei Buchveröffentlichungen, gründete er eine Stiftung für benachteiligte Kinder. Und: Kahn rief das Meinungsportal fanorakel.de ins Leben. Die „Stimme der Fans“ steht auch im Mittelpunkt seiner wöchentlichen Kolumne für Yahoo! Eurosport.

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