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Berlins Hubnik (r.) und Gladbachs Igor De Camargo gerieten aneinander
es war die entscheidende Szene im DFB-Pokal-Viertelfinale zwischen der Hertha aus Berlin und Borussia Mönchengladbach: Borussen-Angreifer Igor de Camargo und Hertha-Abwehrrecke Roman Hubnik geraten in der Verlängerung beim Stande von 0:0 aneinander. Hubnik rennt auf de Camargo zu, baut sich vor ihm auf. Es kommt zum Körperkontakt, weil de Camargo seinen Kopf leicht nach vorne neigt und anschließend theatralisch zu Boden sinkt. Es gibt zur Überraschung vieler Rot für den Herthaner und Elfmeter für die Fohlen, den Daems zum 0:1 verwandelte.
Igor de Camargo - ein "cleverer" Schauspieler
Igor de Camargo ist nun der Sündenbock. Dabei hat der Gladbacher Stürmer nur etwas gemacht, was im Profifußball Gang und Gäbe ist und gemeinhin als "clever" bezeichnet wird: Er hat das unbeherrschte Verhalten seines Gegenspielers ausgenutzt, um seiner Mannschaft einen Vorteil zu verschaffen. Hubnik war deshalb in diesem Pokalspiel nicht frei von Schuld. Rennt er nicht auf de Camargo zu, passiert gar nichts. Das ist von Außen natürlich leichter gesagt als getan. Gerade wenn ein wichtiges Spiel in seiner entscheidenden Phase ist und in der Hitze des Gefechts Emotionen hoch kochen.
Es kommt auf den Blickwinkel an, was "clever" und was grob unsportlich ist. Die Grenzen sind dabei fließend. De Camargo nahm das Geschenk an, das Hubnik ihm auf dem Silbertablett servierte - unsportlich, klar, aber aus Sicht der Borussen eben auch clever. Ich heiße es zwar nicht gut, was de Camargo tat. Verstehen kann ich seine Handlungsweise hingegen schon. Es gab in meiner Karriere einige Situationen, in denen ich mich ungeschickt angestellt habe und dadurch den gegnerischen Spieler quasi einlud, einen unberechtigten Elfmeter zu provozieren. Da habe ich mich dann aber eher über meine eigene Blödheit geärgert als über das unsportliche Verhalten des Gegners.
Eindeutig grob unsportlich war hingegen das, was Franck Ribéry in Stuttgart am selben Abend bot. Zwei derart freche Schwalben habe ich selten gesehen. Das hatte nichts mehr mit "Nutzen ziehen aus einer unbedachten Aktion eines Gegenspielers" zu tun. Franck ist ein so großartiger Spieler, dass er solche Einlagen eigentlich gar nicht nötig hat.
Signal muss von den Vereinen kommen
Abstellen lassen würden sich hinterlistige Schwalben, Schauspieleinlagen und bewusste Täuschungsmanöver selbst dann nicht, wenn der Verband nachträglich harte Strafen verhängt. Siehe Tätlichkeiten: Werden diese hinterher aufgedeckt, folgt eine Sperre. Das weiß jeder Spieler, und doch kommt es in der Hitze des Gefechts immer wieder zu Tätlichkeiten.
Sanktionen des Verbandes lösen das Problem also nicht. Vielmehr tragen die Vereine eine gewisse Mitverantwortung. Mich hat ein Vorfall aus der australischen A-League im Dezember vergangenen Jahres beeindruckt: In Sydney wurde Abwehrspieler Shannon Cole, nachdem er im Spiel gegen Gold Coast United versuchte, einen Elfmeter zu schinden, von seinem Arbeitgeber aufgrund der "No-Diving-Policy" des Vereins zur Kasse gebeten, weil diese Aktion nicht mit der Philosophie und mit den Kernwerten des Clubs vereinbar ist.
Ein gutes Beispiel dafür, dass die Werte eines Vereins nicht nur auf dem Papier formuliert werden und dann in der Schublade verschwinden, sondern auch aktiv gelebt werden.
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