Oliver Kahn

Das große Schauspiel – die Vereine sollten reagieren!

Servus liebe Yahoo! Eurosport-User,

Berlins Hubnik (r.) und Gladbachs Igor De Camargo gerieten aneinander

es war die entscheidende Szene im DFB-Pokal-Viertelfinale zwischen der Hertha aus Berlin und Borussia Mönchengladbach: Borussen-Angreifer Igor de Camargo und Hertha-Abwehrrecke Roman Hubnik geraten in der Verlängerung beim Stande von 0:0 aneinander.  Hubnik rennt auf de Camargo zu, baut sich vor ihm auf. Es kommt zum Körperkontakt, weil de Camargo seinen Kopf leicht nach vorne neigt und anschließend theatralisch zu Boden sinkt. Es gibt zur Überraschung vieler Rot für den Herthaner und Elfmeter für die Fohlen, den Daems zum 0:1 verwandelte.

Igor de Camargo - ein "cleverer" Schauspieler

Igor de Camargo ist nun der Sündenbock. Dabei hat der Gladbacher Stürmer nur etwas gemacht, was im Profifußball Gang und Gäbe ist und gemeinhin als "clever" bezeichnet wird: Er hat das unbeherrschte Verhalten seines Gegenspielers ausgenutzt, um seiner Mannschaft einen Vorteil zu verschaffen. Hubnik war deshalb in diesem Pokalspiel nicht frei von Schuld. Rennt er nicht auf de Camargo zu, passiert gar nichts. Das ist von Außen natürlich leichter gesagt als getan. Gerade wenn ein wichtiges Spiel in seiner entscheidenden Phase ist und in der Hitze des Gefechts Emotionen hoch kochen.

Es kommt auf den Blickwinkel an, was "clever" und was grob unsportlich ist. Die Grenzen sind dabei fließend. De Camargo nahm das Geschenk an, das Hubnik ihm auf dem Silbertablett servierte - unsportlich, klar, aber aus Sicht der Borussen eben auch clever. Ich heiße es zwar nicht gut, was de Camargo tat. Verstehen kann ich seine Handlungsweise hingegen schon. Es gab in meiner Karriere einige Situationen, in denen ich mich ungeschickt angestellt habe und dadurch den gegnerischen Spieler quasi einlud, einen unberechtigten Elfmeter zu provozieren. Da habe ich mich dann aber eher über meine eigene Blödheit geärgert als über das unsportliche Verhalten des Gegners.

Eindeutig grob unsportlich war hingegen das, was Franck Ribéry in Stuttgart am selben Abend bot. Zwei derart freche Schwalben habe ich selten gesehen. Das hatte nichts mehr mit "Nutzen ziehen aus einer unbedachten Aktion eines Gegenspielers" zu tun. Franck ist ein so großartiger Spieler, dass er solche Einlagen eigentlich gar nicht nötig hat.

Signal muss von den Vereinen kommen

Abstellen lassen würden sich hinterlistige Schwalben, Schauspieleinlagen und bewusste Täuschungsmanöver selbst dann nicht, wenn der Verband nachträglich harte Strafen verhängt. Siehe Tätlichkeiten: Werden diese hinterher aufgedeckt, folgt eine Sperre. Das weiß jeder Spieler, und doch kommt es in der Hitze des Gefechts immer wieder zu Tätlichkeiten.

Sanktionen des Verbandes lösen das Problem also nicht. Vielmehr tragen die Vereine eine gewisse Mitverantwortung. Mich hat ein Vorfall aus der australischen A-League im Dezember vergangenen Jahres beeindruckt: In Sydney wurde Abwehrspieler Shannon Cole, nachdem er im Spiel gegen Gold Coast United versuchte, einen Elfmeter zu schinden, von seinem Arbeitgeber aufgrund der "No-Diving-Policy" des Vereins zur Kasse gebeten, weil diese Aktion nicht mit der Philosophie und mit den Kernwerten des Clubs vereinbar ist.

Ein gutes Beispiel dafür, dass die Werte eines Vereins nicht nur auf dem Papier formuliert werden und dann in der Schublade verschwinden, sondern auch aktiv gelebt werden.

Auf fanorakel.de haben wir ein großes Voting zum Thema "Schwalben und Schauspieler" vorbereitet. Inklusive einer Wahl zu Deutschlands größtem Schwalbenkönig. Votet mit, ich bin gespannt auf Eure Einschätzungen.

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34 Kommentare

  • Marienkäfermann  •  vor 3 Monaten
    Beim Tennis gibt es das ''knock eye''. Sowas sollte auch beim Fussball eingeführt werden.
    • Chokehater,the living leg ... vor 3 Monaten
      Das heißt "Hawk Eye"! Jeder Spieler darf (sofern auf dem Court eins vorhanden ist) das Hawk Eye 3x pro Satz bemühen. Das nennt man Challenge. Liegt der Spieler mit seinem Einspruch richtig, hat er weiter 3 Challenges.Liegt der Spieler falsch, hat er danach nur noch 2 Challenges!
  • jedewette  •  vor 3 Monaten
    der neururer sucht arbeit bei fortuna . wenn das ein ELFER war dann danke an den niersbach und seine sippe . die scheinen ja die zügel in der hand zu haben . ein betrug an allen wettern . der rote linien flitzer ist ja wohl ein grandioser großer abkassierer .
  • Yahoo! Benutzer  •  vor 3 Monaten
    Kameraschiedsrichter. Bringen keine 100% Klarheit, aber sicher über 98%.
    • Chokehater,the living leg ... vor 3 Monaten
      Ich fordere den Kameraschiedsrichter, wie mehrfach betont! Der verfolgt das Spiel live am Bildschirm und hat auch sofort Zeitlupen, so werden die groben Fehlentscheidungen unterbunden! Viele Abseitsentscheidungen und Schwalben sind leicht erkennbar. 98% Klarheit sind doch viel besser als 100% Unklarheit. Und die Schiedsrichter stehen nicht mehr so im Fokus, der Druck wird etwas erträglicher für sie. Und wenn es auch nach Zeitlupe nicht ganz eindeutig ist, gilt halt weiter die Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters!
      Das ist auch sehr kostengünstig!
      Dann noch den Chip im Ball!
      Und der Fussball geht dadurch nicht kaputt. Andere Sportarten machen es vor! Es gibt dann immer noch Emotionen und vieles, worüber man danach diskutieren kann.
    • Chokehater,the living leg ... vor 3 Monaten
      Dawir uns richtig verstehen, der Kameraschiedsrichter ist per Funk mit dem leitenden Schiedsrichter auf dem Spielfeld verbunden! So können Fehlentscheidungen fast ohne Verzögerung korrigiert werden und Spielmanipulationen sind schwieriger möglich.
    • Blink vor 3 Monaten
      Es sollten zunächst aus dem TV diese unsäglichen Nachweise über 20,63cm Abseits verschwinden. Nur weil man es darstellen kann, muss es nicht gemacht werden, Krieg kann auch jeder, muss aber nicht. Und wenn der Klose, damals noch süddt, unterwegs, 3m im Abseits (in Florenz?) steht, brauch ich das Bild nicht, eher; was verdient der Linienheini so nebenbei? Und der FCB danach?
  • Tscherno Bill  •  vor 3 Monaten
    Was ist daran so schwer für den DFB, nachträglich jemanden zu bestrafen oder jemanden von einer roten Karte freizusprechen. Das ist deutsche Bürokratie pur, Flexibilität ist nicht erwünscht.
  • Max  •  vor 3 Monaten
    wenn die Schiedsrichter wie im Regelwerk vorgesehen konsequent gelb geben würden, statt leicht schmunzelnd mit dem Zeigefinger zu drohen, wäre das Thema schnell vom Tisch. Dann geht ein Ribery am Samstag nämlich mit gelb-rot vom Platz (und ein Robben wohl in jedem Spiel) und dann würden auch die Vereine reagieren....das Grätschen von hinten und das Trikotzerren hat man so auch gut in den Griff bekommen, jetzt kann man auch mal was für die Defensivspieler tun!
    • Yahoo! Benutzer vor 3 Monaten
      DANN müsste aber auch der Defensive bei JEDER Körperberührung gelb bekommen. Und beim zwiten Mal sofort ROT. Und im Strafraum Elfer.
      Tolle Matches 6 gegen 8 Mann, oder wie???
    • Max vor 3 Monaten
      deinen Beitrag verstehe ich überhaupt nicht, sorry.
    • cornelius vor 3 Monaten
      laut regelwerk muss nicht jedes foul mit gelb bestraft werden, jede absichtliche Schwalbe dagegen schon. Für gelbe Karten nach Fouls gibt es ganz klare Richtlinien.
  • cornelius  •  vor 3 Monaten
    Sowas wird aber in der BuLi nie passieren da eben punkte geld sind bzw. das weiterkommen im Pokal dem Verein viel geld einbringt. In der Verantwortung stehn die Dachverbände um das Übel an der Wurzel zu packen, bestes Beispiel dazu ist England. Es wird nicht jeder leichte Körperkontakt sofort abgepfiffen und das wird konsequent von der Liga durchgezogen. Schwalbenkönige haben dort keinen guten Stand, solche Spieler sind sehr schnell bei Verein und eigenem Publikum unten durch und es wird in der Regel auch konsequent mit Gelb gestraft. Effektiv ist eine nachträgliche Sanktionierung nur wenn man da ne Linie reinbringt und den Spielern den Nutzen dieser Aktionen nimmt.
  • jedewette  •  vor 3 Monaten
    armselige bemerkung von neururer in sport 1 , der sender zeigt aufnahmen von rösler´s schauspielkunst .
    was macht der neururer : er redet von harmlosigkeit und normalität .
    die latten am zaun sind wohl nicht nur in düsseldorf kaputt .
    • Yahoo! Benutzer vor 3 Monaten
      Neururer ist bekannt dafür, ab und an einen sehr "speziellen Kommentar" abzugeben und sich selbst für zu wichtig zu nehmen.
    • jedewette vor 3 Monaten
      bravo APP sinth
  • cornelius  •  vor 3 Monaten
    @jerry wie oft hüpfen sie von ner wirklich grätsche weg und wie oft schlagen sie saltos nach der kleinsten Berührung (oder ohne jegliche Berührung wie es Ribery grade so toll vorgezeigt hat) außerdem sind beide auch ned grad zimperlich mit den Gegnern. Entweder man zieht die Linie durch wie es die Premier League tut oder man wartet noch 50 Jahre bis es von der FIFA/UEFA mal klare Richtlinien diesbezüglich geben wird.
  • hans  •  vor 3 Monaten
    Der Berliner habe Camargo gefoult? Gehts noch blinder????
    Der ganze Schlamassel wurde doch erst dadurch verursacht, dass der Schiri kein Foul pfiff, als Camargo den Hertha Spieler einfach über den Haufen rannte! Natürlich ist es dumm sich von einem foul spielendem und dann auch noch provozierenden Spieler zu so etwas hinreissen zu lassen, und so ist der Platzverweis trotzdem berechtigt. In einer normalen Welt, in der Fussball noch nach den Regeln gespielt würde, da wäre Camargo wegen Betruges mehrere Spiele gesperrt.
    Grundsätzlich aber sollte man doch spätestens bei Frankfurt gegen Düsseldorf ein für alle Male gelernt haben, dass Betrügen und Manipulieren mittlerweile ganz normal in den Profi Fussball integriert worden sind!
    Man sollte darüber nicht so verwundert heucheln, dass bei den Milliarden Umsätzen ganz normale Business Verhaltensweisen auch dort üblich geworden sind....
  • Chokehater,the living leg ...  •  vor 3 Monaten
    Im übrigen kann man ja auch einen Strafkatalog erstellen. Jede Schwalbe kostet in der 1.BuLi z.B.50.000 €. Egal, ob sie der Schiedsrichter ahndet oder nicht. Das würde sicher auch viele Spieler zurückschrecken!
  • Chokehater,the living leg ...  •  vor 3 Monaten
    Dass de Vereine reagieren, ist doch Quatsch. Die bestrafen doch keinen Spieler, der maßgeblich den Sieg und weitere Einnahmen geholt hat!Das kann sich gar nicht durchsetzen!
    Der Videobeweis muss her! Am TV bekommen wir oft nach Sekunden die Zeitlupe. Warum nicht einen weiteren "Schiri" dazu einsetzen, der dem leitenden Schiedsrichter nach Sekunden per Funk Bescheid gibt?!Ganz einfache Lösung! Und eine Verzögerung kommt eh nicht zu Stande!Denn es die Wortgefechte und die Rudelbildung der Spieler beendet ist, hat der Schiedsrichter längst per Funk mitgeteilt bekommen, ob Schwalbe oder nicht!
    Und Schwalben versuchen dann nur noch dumme Spieler, die gerne gelb oder gelb-rot wollen! Und dann bestrafen die Vereine auch ihre Spieler, wenn die wegen einer dummen Schwalbe vom Platz fliegen!
  • Nico  •  vor 3 Monaten
    Diese Fehlentscheidung bestätigt wieder mal die Leute welchen den Videobeweis fordern,zu Recht.
    Der Gladbacher Spieler hätte rot bekommen müssen und auch wenn es verrückt klingt hätte ich Hertha einen Elfmeter gegeben wegen unsportlichen Verhaltens seitens des Gladbacher Spielers.
    In anderen Sportarten ist so etwas an der Tagesordnung das unsportliches Verhalten stärker bestraft wird.Wenn die Strafen nämlich härter wären würden sich die Spieler zweimal überlegen ob sie so schauspielern müssen.
    Wenn man mache Spieler nach einem Foul über den Rasen rollen sie glaubt man der steht nie wieder auf und eine Minute später macht derselbe Spieler einen 50 Meter Sprint als wäre nichts gewesen.
    • mistamista vor 3 Monaten
      Der Berliner foult und der Gladbacher soll die rote Karte bekommen? Du tickst doch nicht ganz sauber
    • cornelius vor 3 Monaten
      Sein wir froh das du kein Schiri bist sont wär am Ende noch Freiburg erster...
    • Nico vor 3 Monaten
      Hey Mistamista,bist wohl Gladbachfan?
      Denn außer denen hat keiner ein Foul des Berliners gesehen sondern nur eine Schauspielerische Leistung des Gladbachers du Vollpfosten.
  • Bauernauslacher  •  vor 3 Monaten
    wie Max ( Kommentar 1) schon schrieb , dann fliegt Robben bei jedem Spiel vom Platz ... das ist der größte Schwalbenkönig seit Andy Möller
  • azur  •  vor 3 Monaten
    Schwalben gehören bei Bayern zur Ausbildung, deshalb kann und will der DFB nichts
    dagegen tun. Bei Gladbach ist de Carmargo für die Schwalbe gefeiert worden.
  • gorden  •  vor 3 Monaten
    Statt roter Karte und ein Spiel Sperre .Besser grüne Karte und ein Monat Fahrverbot.Wie kann man sich über so ein Scheiß immer noch Aufregen
  • Bernhard  •  vor 3 Monaten
    Diesen absoluten Unsportlichkeiten könnten schnell ein Ende gesetzt werden, wenn aufgrund der Kamerabilder rein für solche Vorgänge unmittelbar nach der Tat von einem dritten Schiedsrichter, die Richtigkeit der Entscheidung geprüft wird.
    Hier wird, wie im Falle von Hertha, auf reelle Weise ein Verein davor bewahrt, durch nachweisliche Unsportlichkeit Millionenschäden zu erleiden!
  • Wilhelm  •  vor 3 Monaten
    Schreibt man "gang" und "gäbe" und "außen" wirklich mit großem Anfangsbuchstaben?
  • Yahoo! Benutzer  •  vor 3 Monaten
    Gutes Thema, lieber Ex-Titan.
    Es müsste wohl über das Publikum und eventuell auch Medien gehen.
    Eine vollkommen funktionale Lösung KANN es nicht geben. Denn seit Ballack, Demichelis, Schweini etc etc gibt es viele Beispiele, dass der angreifende Fussballer, der ja vorallem den Ball führen muss, in "Zweikämpfen" mit schweren bis schwersten Verletzungen rechnen muss. Auf der einen Seite ist der Stürmer der mit letzter Kraft in den Strafraum hechtet und sich ( an den Verteidiger geklammert) fallen lässt. Auf der anderen Seite ist der Angreifer mit Ball, dem der Defensive in vollem Lauf, dann mit den Beinen voraus, entgegenkommt.
  • mistamista  •  vor 3 Monaten
    Schön, das Kahn die Aktion de Camargos ewas differenzierter betrachtet.....Das Foul ging noch immer vom Berliner aus, nicht umgekehrt. Und wenn sich dieser Spieler nicht im Griff hat, soll er es mal mit Ritalin versuchen
  • Zoe  •  vor 3 Monaten
    Klar sollten die Vereine reagieren.....
    die "Schwalben" noch besser trainieren als bisher!!! Üben, Jungs....üben :-)

Oliver Kahn

Der 86-fache Nationaltorhüter gewann mit dem FC Bayern München acht deutsche Meisterschaften, sechsmal den DFB-Pokal und einmal die Champions League. Zudem wurde Oliver Kahn dreimal als „Welttorhüter des Jahres“ ausgezeichnet. Auch nach dem Karriereende 2008 blieb der „Titan“ aktiv. Neben seinem BWL-Studium, und mittlerweile drei Buchveröffentlichungen, gründete er eine Stiftung für benachteiligte Kinder. Und: Kahn rief das Meinungsportal fanorakel.de ins Leben. Die „Stimme der Fans“ steht auch im Mittelpunkt seiner wöchentlichen Kolumne für Yahoo! Eurosport.