Oliver Kahn

Fehlende Tradition als Vorteil?

Servus liebe Yahoo! Eurosport-User,

Dietmar Hopp: Rückgrat der TSG 1899 Hoffenheim

beim Spiel zwischen Dortmund und Hoffenheim blieb es diesmal recht ruhig. Den Dortmunder Anhängern fehlte offenbar das Feindbild. Die bei den BVB-Fans unbeliebte und abfällig als "Retortenclub" bezeichnete TSG reiste ohne Mäzen Dietmar Hopp an, weil dieser befürchtete, wie in der Vergangenheit Zielscheibe von Dortmunder Schmähgesängen zu werden.

Dabei habe ich es nie verstanden, dass Dietmar Hopp immer wieder Ziel von Anfeindungen ist. Hopp hat Strukturen geschaffen, engagiert sich für den Sport in Hoffenheim und Umgebung sowie vielen sozialen Projekten. Das verdient Anerkennung, nicht Ablehnung.

Seit Jahren bemüht sich das von Hopp ins Leben gerufene Projekt "TSG Hoffenheim", aus der Retorten-Schublade heraus zu kommen. Da der Verein keine lange Tradition hat und noch keine Fankultur, die über Jahrzehnte wachsen und gedeihen muss, ist das nicht ganz einfach.

Raus aus der Retorte - aber wie?

Was kann ein Verein wie Hoffenheim dagegen unternehmen? Das Wichtigste ist, dass sich Menschen in der Region und darüber hinaus mit dem Verein identifizieren können. Dazu bedarf es einer klaren Markenstrategie. Die TSG arbeitet in allen Bereichen höchst professionell. Was dort geschaffen wurde, gehört zum Innovativsten, was es in der Bundesliga gibt.

Insbesondere im Nachwuchsbereich arbeitet der Club nach einem durchgängig konzeptionellen Aufbau und will verstärkt auf Talente aus der Region setzen. Der Effekt wird sich allerdings erst in einigen Jahren bemerkbar machen, noch spielt keiner aus dem eigenen Nachwuchsbereich eine Rolle in der ersten Mannschaft. Das ist nicht verwunderlich, denn jedes nachhaltige Konzept benötigt vor allem eins: Zeit.

Identifikationsfiguren benötigt

Um der Retorten-Schublade zu entfliehen, werden Identifikationsfiguren aber benötigt. Eine solche hat 1899 in Trainer Holger Stanislawski gefunden, der das Gesicht der TSG mittelfristig prägen kann. Bayer Leverkusen hat vor einigen Jahren mit der Verpflichtung von Rudi Völler Ähnliches gemacht und so einen Imagewandel vollzogen. Den Werks-Club nimmt man öffentlich kaum mehr als Retortenclub wahr. Allerdings war dies auch ein Prozess, der Jahrzehnte dauerte. In den Anfängen meiner Profikarriere war dies noch ganz anders.

Die Schaffung einer vereinseigenen Spielkultur, einem System, das im kompletten Jugendbereich bis hin zur ersten Mannschaft durchgängig gespielt wird, erfordert ebenfalls Zeit. Die TSG muss sich differenzieren von der Konkurrenz und dem Verein einen eigenen Stempel aufdrücken. Auch ohne Tradition Bedeutung zu schaffen, das ist die Kunst.

Fehlende Tradition kann es sogar erleichtern, effiziente Strukturen im Verein aufzubauen und umzusetzen. Die Clubkulturen der Traditionsvereine sind immer noch sehr durch ihre Vergangenheit als Non-Profit-Organisationen geprägt, was dazu führt, dass sich ein zu starker Einfluss von traditionellen Werten und Normen hemmend auf die Clubentwicklung auswirkt. Wie häufig hat man schon erlebt, dass sich auf emotional aufgeladenen Mitgliederversammlungen bestimmte Gruppen auf traditionelle Werte beriefen und so ihrem Verein letztlich mehr schadeten als halfen.

Hier hat die TSG durch ihre fehlende Tradition einen Vorteil, den es zu nutzen gilt. In einigen Jahren könnte sich 1899 Hoffenheim so zu einem modernen, wertvollen und beliebten Fußballunternehmen entwickeln.

Auf fanorakel.de haben wir ein großes Voting zum Thema "Retortenclubs" gestartet. Macht mit, mich interessiert es sehr, was Ihr dazu denkt.

Euer

 
 
 
 
 
 
 

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18 Kommentare

  • Micky1100  •  vor 3 Monaten
    Guter Artikel - Respekt Herr Kahn .
    Und wenn Tradition das bedeutet was die Anhänger diverser Clubs durch Gewalt artikulieren dann kann ich auf Traditionen gut verzichten .
  • Micky1100  •  vor 3 Monaten
    Und bzgl. Tradition und Sponsoren noch etwas - schaut euch mal 1860 an .
    Sicher ein Traditionsverein im Sinne des Wortes aber was da im Moment abgeht ist einfach nur irre . Auch wenn man nicht genau weiß welche Eitelkeiten da eine Rolle spielen und welche Egoismen alle verletzt sind - als abschreckendes Beispiel können die 60er zur Zeit dienen .
    Dagegen ist ja bei der TSG seit langem nur Friede Freude usw.
  • HaWé  •  vor 3 Monaten
    Hopp hat sicher Strukturen geschaffen - in und um Hoffenheim. Allerdings nur solche die mit seinen privaten finanziellen Aufwenundungen machbar waren.
    Für die TSG bedeutet das Vollfinanzierung des neuen Stadions und anderer Infrastriktur. Aber es bedeutete vor allem von den untersten Klassen heraus die permanente Aufrüstung des Kaders mit zusammengekauften Spielern aus jeweils höheren Spielklassen.

    Nun in der Bundesliga gibt's keine höhere Spielklasse mehr, mit der Hopp den TSG-Kader "klassentauglich" kaufen kann, resp. es wird verdammt teuer und seeeeehr auffällig.

    Hopp hat das erkannt und macht den Schritt rückwärts ... allerdings nahezu im Sprinttempo.

    Die Entwicklung eines solchen Vereines als Retorte zu beschreiben ist meiner Meinung nach daher absolut zutreffend: aus sich selbst heraus nicht in der Lage den sportlichen Aufstieg zu erreichen wurde die Mannschaft nicht intern entwickelt sondern es wurden permanent bereits entwickelte Teile zugekauft ... bis zum (hoffentlich baldigen) bitteren Ende.

    Und noch was: Hoffenheim wurde 1899 gegründet; hat also auch Tradition. Allerdings die eines Dorfvereines. Und genau diese wurde duch den hopp'schen Eingriff mit Füßen getreten.

    Ich finde es schlimm, wenn ein Sportverein zum Spielzeug eines Finanzmogules wird.
    • Dirk L vor 3 Monaten
      Nur zur Info: Hopp ist mehrfacher Milliardär, d.h. 1 Milliarde = 1000 Millionen. Er kann Hoffenheim von den Zinsen seines Vermögens finanzieren.
  • JC  •  vor 3 Monaten
    Die Bundesliga braucht Hoffenheim nicht!
    Ich freue mich immer, wenn es die "kleinen" Clubs schaffen, aufzusteigen und St. Pauli oder Düsseldorf würden die Bundesliga sicherlich bereichern. Hier stehen die Fans hinter ihren Vereine genau deswegen ist die Bundesliga zurzeit doch so beliebt (auch außerhalb von Deutschland): lautstarke Fangesänge in den Stadien und dabei noch hoch qualitativer Fußball.
    Tja, und was macht Hoffenheim? Die stellen Hochfrequenzbeschallungsapparaturen in den Gästeblock, weil Herr Horst, äh, Hopp öffentliche Kritik nicht ertragen kann. Aber die DFL scheint sich für derartige Ereignisse ja zurzeit eh nicht zu interessieren. Und da Fans generell gefährlich sind, könnte man dies vielleicht gezielt einsetzen. Struktur eben...
    Aber das ist ja auch unfair, wenn die Hoffenheimer keine Fans haben, die stimmlich dagenhalten können. Da fehlt es denen wohl doch noch etwas an Tradition und Tradition hat nunmal eine dumme Eigenschaft: Wenn man sie sich "erkauft", dann wird sie zerstört. Und das bisschen Tradition, das 1899 (!) Hoffenheim noch hatte, wird nun durch neue Strukturen ersetzt. Das nennt man dann wohl "ablösefreien Transfer" oder so.
    Ich finde Hoffenheim einfach nur peinlich und ich denke auch, dass die Ablehnung für Hopp und seinen Hof größer ist als Sie denken. In dem Sinne...
  • Yahoo! Benutzer  •  vor 3 Monaten
    Das ist eher ein Glaubensproblem, welcher Verein das "Recht" hat in der BuLi zu spielen.
    Meine Meinung: Wer den Aufstieg schafft, der spielt auch oben.
  • Yahoo! Benutzer  •  vor 3 Monaten
    Man muss kein Traditionsverein sein, um erfolgreich zu sein. Das die Fankultur beim TSG nochn wachsen muss, ist klar. Es gibt aber auch Vereine in der Bundesliga, da gehen die Fans auch nur hin, wenn der Verein erfolgreich spielt (z.b. Hertha).
    Mann sollte der TSG die Chance geben, sich zu entwickeln.
  • Dirk L  •  vor 3 Monaten
    Welche Kriterien muss ein Verein denn erfüllen, um ein Traditionsverein zu sein?

    Gründungsjahr? Dann ist die TSG Hoffenheim ein Traditionsverein.

    Von Anfang an in der Bundesliga? Dann ist sogar Bayern München KEIN Traditionsverein !!!
    • Benedict vor 3 Monaten
      tradition in der bundesliga ist nicht möglich wenn der verein 1800-irgendwann gegründet wurde, jedoch immer in der 5.liga spielt.
      es geht hier darum dass sich hoffenheim einen namen macht und auch eine kultur bekommt. als bespiel: bayern haben dussel und geld, dortmund und schlake hassen sich , usw..
      hirn einschalten ;)
  • hajokl.  •  vor 3 Monaten
    Hi , was heißt hier schon Traditionsverein Herr Kahn?
    Kommtes nicht auf die inneren Werte und auf auf die Kultur eines Vereins an ? Die Häufigkeit
    der dt. Meisterschaften und Cl-Siege sagen über Tradition nicht viel aus.
  • Yahoo! Benutzer  •  vor 3 Monaten
    an JC: Das war ein langer kritischer Text. Aber die Wahrheit ist das der einzige Verein. den die BuLi wirklich braucht der FC Bayern ist, als ständiges CL-Mitglied. Der gesamte Rest ist nur Staffage oder Zufall. Viele sehr große Städte haben keinen großen Club.
  • Yahoo! Benutzer  •  vor 3 Monaten
    an sosolleseion: DANKE für das Beispiel. Gerade die alte Dame hat genug Tradition, aber sonst gar nix. In der Hauptstadt mit dem riesigen "ExNaziStadion" , das aber sehr schön ist, bringen sie keinen wirtschaftlichen und sportlich brauchbaren Verein zusammen.
  • Hans  •  vor 3 Monaten
    Traditionsverein hin Traditionsverein her.Realität ist,der BVB ist heute neuer Spitzenreiter.Und das zählt!!!
  • Hans  •  vor 3 Monaten
    Hallo Oliver Kahn,was Ribery da so herausspricht steht nicht im Einklang mit Ihrem Fußballwissen.Rufen Sie ihn doch mal an und zeigen Sie ihm,wie man mit 10 Punkten Vorsprung die deutsche Meisterschaft gewinnt.Ich glaube Sie haben ihm viel zu sagen oder?
  • Gerhard Z  •  vor 3 Monaten
    Zieht Hopp sein Geld aus Hoffenheim ab, wird Hoffenheim wieder dort spielen wo sie vor Hopp gespielt haben (Kreisliga). Das selbe gilt fuer Wolfsburg und VW oder Leverkusen und Bayer. Das selbe wird in kuerze fuer Leipzig und Red Bull und Ingolstadt und Audi gelten.

    Steigt Gasprom bei Schalke aus, steht der naechste Sponsor da. Steigt Telekom bei Bayern aus, steht auch der naechste da.

    Das ist der grosse Unterschied!

    (uebrigends, wuerde auch Chelsea ohne Abramovic wieder dort stehen wo sie vor ihm standen: Im Mittelfeld der Premier League! und nicht etwa in der Kreisklasse, wie Wolfsburg, Hoffenheim, Leverkusen etc)
    • Dirk L vor 3 Monaten
      Ein wesentlicher Unterschied ist aber, daß Herr Hopp die TSG aus seiner privaten Tasche bezahlt. Und sämtliche anderen Vereine indirekt von der deutschen Bevölkerung bezahlt werden, ob diese wollen oder nicht. Z.B. Telekom durch überteuerte Telefonanschlüsse, Gazprom durch hohe Gaspreise, Bayer mit teuren Medikamenten, VW durch hohe Fahrzeugpreise usw.
    • Alexander vor 3 Monaten
      Sehr richtig, Dirk. Dieser Unterschied sollte eigentlich viel mehr Menschen klar werden. Bei RB Leipzig wäre das dann übrigens genauso wie in Hoffenheim, denn der Herr Mateschitz ist ja bekanntlich Österreicher.
      @Gerhard: Chelsea würde es ohne Roman Abramowitsch heute nicht mehr geben. Die Bayer-AG hat dem Fußball schon Geld gekürzt und es kommt trotzdem Europa dabei raus. Und in Wolfsburg wird erst soviel investiert, seit Magath dort ist. Vorher kam der Verein auch immer relativ ruhig durch die Bundesliga. (Mensch, als da Präger und Juskowiak noch zusammen stürmten, die Bilder wirken richtig steinzeitlich^^)
      Ingolstadt ist mit Audi erst am Anfang, ich denke mit Linke und Oral könnte das in drei Jahren mit dem Aufstieg klappen.
      Und von RB Leipzig hast du wie alle, die nicht in Leipzig wohnen, eher wenig Ahnung: Zum großen Traditions-Ostderby Magdeburg-Chemnitz kamen in ein Stadion, das 30.00 Zuschauer fasst, 6.000 Menschen. Zu den beiden Heimspielen RB-Chemnitz kamen 12.000 Zuschauer. Bei den beiden Pokalspielen waren über 30.000 Zuschauer da. Zu den Heimspielen dieser Sasion kamen im Schnitt 7.000 Zuschauer, davon träumen die meisten Drittligisten. Ihr braucht mir alle nichts von Tradition erzählen. Das ist mitllerweile nur noch zum Totlachen. Die Menschen in Leipzig haben 20 Jahre auf guten Fußball gewartet, sie sind über allle Werte-
      orientierungen und politischen Vorstellungen hinweg glücklich über dieses Engagemt. Im Stadion ist eine Stimmung, die ich als vorbildlich bezeichnen würde, da die überwiegend studentischen Fans ohne Schmähgesänge auskommen und 90 Minuten die eigene Mannschaft anfeuern, selbst wenn`s mal richtig schlecht läuft. Das finde ich nur bei ganz wenigen selbsternannten Traditionsvereinen. Wobei ich mich da manchmal frage, was eigentlich Tradition hat. In Kaiserslautern ist es beispielsweise das Beleidigen jedes anderen Fans, unfaires Verhalten und Selbstgerechtigkeit. In München ist es die unerträgliche Arroganz. (Es sind vor allem die Fans arrogant, nicht unbedingt die Verantwortlichen) In Köln widerum haben minütliche Stimmungsschwankungen zwischen "wir steigen ab" und "wir werden Meister" Tradition. Ich kann auf so etwas gerne verzichten. Oli hat völlig recht: Die Tradition stand vielen Vereinen schon so oft im Weg, dass sie fast pleite gegangen wären. Mancher Verein wie Waldhof Mannheim musste sich schon viermal retten lassen. Von Dietmar Hopp. Und siehe da: Der Kreis hat sich geschlossen.
  • Jan  •  vor 3 Monaten
    Will da jemand bei Hoffe anheuern?
  • Watzki  •  vor 3 Monaten
    Frage: gehört ein Club wie Hoffenheim in die Bundesliga und andere deutsche Großstädte mit Traditionsklubs müssen dafür raus aus der Liga ? Soll das richtig sein ? Wenn Hopp sein Geld rausnimmt, kickt Hoffenheim doch wieder in der Kreisliga, oder ?
    • Thomas vor 3 Monaten
      Stimmt, und wenn Schalke seine 230 Mios Schulden heute bezahlen würde, kicken sie vorm Insolvenzverwalter, wie so viele andere größenwahnsinnige "Traditionsvereine" auch.
      Hopp sieht sein finanzielles Engagement als Anschubfinanzierung, insbesondere um hochprofessionelle und moderne Strukturen zu schaffen. Er wird sich in absehbarer Zeit zurückziehen, dann wird man sehen, was aus der TSG wird.
  • Dani  •  vor 3 Monaten
    hoppelheim stinkt!! scheiß ksc , forza fck
    • Sensasa vor 3 Monaten
      was zur hölle ist das für ein sinnloser kommentar???
  • Juliane Fuchs  •  vor 3 Monaten
    Bisher war Olli Kahn mein Vorbild, jetzt ist er es nicht mehr.
  • nina  •  vor 3 Monaten
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    Organisationen geprägt, was dazu führt, dass sich ein zu starker Einfluss von traditionellen Werten und Normen hemmend auf die Clubentwicklung auswirkt. Wie häufig hat man schon erlebt, dass sich auf emotional aufgeladenen Mitgliederversammlungen bestimmte Gruppen auf traditionelle Werte beriefen und so ihrem

Oliver Kahn

Der 86-fache Nationaltorhüter gewann mit dem FC Bayern München acht deutsche Meisterschaften, sechsmal den DFB-Pokal und einmal die Champions League. Zudem wurde Oliver Kahn dreimal als „Welttorhüter des Jahres“ ausgezeichnet. Auch nach dem Karriereende 2008 blieb der „Titan“ aktiv. Neben seinem BWL-Studium, und mittlerweile drei Buchveröffentlichungen, gründete er eine Stiftung für benachteiligte Kinder. Und: Kahn rief das Meinungsportal fanorakel.de ins Leben. Die „Stimme der Fans“ steht auch im Mittelpunkt seiner wöchentlichen Kolumne für Yahoo! Eurosport.