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    Oliver Kahn

    Dortmund oder Bayern? Kopf und Wille entscheiden!

    Kampf um die Schale: Dortmund gegen BayernServus liebe Yahoo! Eurosport-User,

    seit letzten Mittwoch steht fest: Die restliche Saison wird ein klassischer Zweikampf zwischen Borussia Dortmund und Bayern München. Sowohl die Meisterschaft als auch der DFB-Pokal entscheiden sich zwischen diesen beiden Vereinen. Zeit für einen Vergleich der Rivalen.

    Wichtig für beide Teams im Endspurt: Jeder muss zu einhundert Prozent von der eigenen Stärke überzeugt sein. Wer anfängt zu zweifeln oder Angst hat zu scheitern, hat schon verloren. Entscheidender Faktor ist der unbedingte Wille. Die Titel werden auch im Kopf entschieden, nicht allein in den Beinen.

    Druck in München wesentlich höher als in Dortmund

    Der BVB wirkt, wie das Spiel in Köln wieder gezeigt hat, sehr gefestigt. Selbstvertrauen und Überzeugung hat sich das Team durch den Titelgewinn in der letzten Saison erarbeitet. Jeder Spieler weiß: „Wir haben es schon einmal geschafft — wir können es wieder schaffen." Das setzt viel positive Energie frei.

    Die Situation des FC Bayern ist eine andere: Während Dortmund Titel gewinnen „kann", „muss" der FC Bayern Titel gewinnen. Vom Rekordmeister wird immer erwartet, dass er auf nationaler Ebene alles gewinnt. Tut er das nicht, herrscht Unruhe. Ruhe wird im bajuwarischen Umfeld ohnehin selten einkehren. Aber Nebenkriegsschauplätze muss man als Spieler vor allem in der entscheidenden Phase, wenn es um alles geht, ausblenden.

    Auf welche Faktoren kommt es darüber hinaus im Saisonendspurt an? Ein Vergleich der beiden Duellanten im Hinblick auf…

    …die Trainer: Auf der Trainerposition sind die großen Titelrivalen mit unterschiedlichen Charakteren besetzt. Auf der einen Seite der erfahrene und gelassen wirkende Jupp Heynckes, der auch in der schwierigen Phase vor einigen Wochen Ruhe bewahrte. Auf der anderen ein Trainer Jürgen Klopp, der es außerordentlich gut versteht, mit emotionalen Ansprachen die Mannschaft immer wieder aufs Neue zu motivieren und Kräfte freizusetzen. Fachlich sind beide über jeden Zweifel erhaben.

    …die Spielweise: Jürgen Klopp hat in Dortmund eine Spielweise implementiert, die über die Saison gesehen sehr Kräfte zehrend ist. Eine solche Spielweise verlangt von jedem einzelnen Spieler, in jedem Spiel bis an seine körperliche Belastungsgrenze zu gehen. Aus diesem Grund ist es für den BVB ein Vorteil, dass er international nicht mehr dabei ist.

    Es liegt in der Tradition des FC Bayern, Spiele auch mal mit 70 oder 80 Prozent gewinnen, da ein etwas ökonomischerer Spielstil eine wichtige Voraussetzung ist, um auf allen drei Hochzeiten tanzen zu können.

    Neben der Arbeit des Kollektivs, die bei Borussia Dortmund noch wichtiger ist als beim FC Bayern, braucht jede Mannschaft einzelne Spieler, die in entscheidenden Momenten den Unterschied ausmachen. Bei den Bayern sind das Ribéry und Robben, beim BVB Kagawa und Lewandowski. Hinzu kommen, wenn sie wieder fit sind, Schweinsteiger auf Bayern-Seite und Götze auf Dortmunder.

    …das Restprogramm: Für den FCB ist die Zusatzbelastung Champions League kein Nachteil. Ein Verein wie Bayern München ist es gewohnt, mehrgleisig zu fahren. Als Spieler kommt man kaum mehr zum Nachdenken, da ein Highlight das nächste jagt.

    Das alles entscheidende direkte Duell findet am 11. April statt. Es ist dabei keineswegs als Vorteil zu werten, dass der BVB zu Hause gegen den FC Bayern antritt. In diesem Spiel kann der Druck besonders hoch werden, wenn du vor eigenem Publikum aufläufst. Spannend, wie die Dortmunder mit dieser Situation umgehen werden.

    Knüppelhartes Programm für den BVB

    Zudem bleibt das Dortmunder Restprogramm nach dem Showdown mit dem FC Bayern alles andere als einfach. Am 31. Spieltag geht es nach Gelsenkirchen, dann kommt Gladbach. Abschließend muss der Titelverteidiger auf dem Betzenberg gegen Lautern und daheim gegen Freiburg ran — zwei Teams, die wohl bis zuletzt um den Klassenerhalt kämpfen werden. Auch der FC Bayern bekommt es zweimal mit Abstiegskandidaten zu tun, am 29. Spieltag zu Hause mit dem FC Augsburg und am 34. in Köln. Gegen solche Mannschaften im letzten Rundendrittel anzutreten, empfand ich immer als besonders unangenehm.

    Wenn Franz Beckenbauer mit seiner zugegebenermaßen sehr subjektiven Aussage, die Gegner seien gegen Bayern noch einen Tick motivierter als gegen Dortmund, Recht behält, erhöht dies neben den fünf Punkten, die aufgeholt werden müssen, noch einmal die Schwierigkeit für Bayern, als Meister durchs Ziel zu gehen.

    In der jetzigen Situation eine Aussage darüber zu machen, wer am Ende die Nase vorne hat, ist Kaffeesatzleserei. Zu viele Kleinigkeiten oder Unwegbarkeiten (Verletzungen, Glück, Schiedsrichterentscheidungen) können in den letzten Wochen der Saison das Geschehen beeinflussen.

    Diejenige Mannschaft, die es schafft, fokussiert zu bleiben, sich nicht aus der Ruhe bringen lässt und ihre Kräfte besser bündelt, wird am Ende oben stehen und vermutlich gar beide Trophäen in die Luft strecken. Denn wer die Schale holt, hat gegenüber dem Kontrahenten im Endspiel um den DFB-Pokal eine Woche später einen klaren psychologischen Vorteil.

    Einen Double-Gewinner Borussia Dortmund, einen Double-Gewinner FC Bayern oder eine Titelteilung - welches der drei Szenarien haltet Ihr für das wahrscheinlichste? Auf fanorakel.de haben wir ein großes Voting zum Zweikampf gestartet.

    Euer

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    Oliver Kahn

    Der 86-fache Nationaltorhüter gewann mit dem FC Bayern München acht deutsche Meisterschaften, sechsmal den DFB-Pokal und einmal die Champions League. Zudem wurde Oliver Kahn dreimal als „Welttorhüter des Jahres“ ausgezeichnet. Auch nach dem Karriereende 2008 blieb der „Titan“ aktiv. Neben seinem BWL-Studium, und mittlerweile drei Buchveröffentlichungen, gründete er eine Stiftung für benachteiligte Kinder. Und: Kahn rief das Meinungsportal fanorakel.de ins Leben. Die „Stimme der Fans“ steht auch im Mittelpunkt seiner wöchentlichen Kolumne für Yahoo! Eurosport.

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