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    London Spy

    Ein lächerliches Staatsgeheimnis

    Minister Friedrich hat scheinbar was zu verbergenMinister Friedrich hat scheinbar was zu verbergen

    Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich von der CSU setzte alle Hebel in Gang, um zu verhindern, dass während der Olympischen Spiele die Medaillenziele Deutschlands an die Öffentlichkeit durchsickerten. Das Berliner Verwaltungsgericht hatte eine Offenlegung angeordnet. Friedrich legte gegen das Urteil Beschwerde ein.

    Beobachter vermuten, dass dem Minister schlichtweg peinlich ist, wie sehr die groteske Zielsetzung daneben liegt.

    Am Freitag veröffentlichte das BMI die Unterlagen nun doch - und es wurde deutlich, wie weit die "Vorgaben" neben der Realität lagen: 86 Medaillen, davon 28 aus Gold, sollten die deutschen Athleten holen. Nach 242 der 302 Entscheidungen hatte das 391-köpfige Team lediglich 38 Mal Edelmetall (10 Gold, 17 Silber, 11 Bronze) gewonnen.

    Das lange streng gehütete "Staatsgeheimnis Medaillenziele" ist nicht nur bizarr, es stand auch vor der Veröffentlichung bereits per se unter Beschuss.

    DLV-Generalsekretär Frank Hensel etwa hat Kritik an diesen Zielvereinbarungen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) für die Olympischen Spiele geübt. Konkrete Medaillenpläne seien nach Ansicht Hensels unrealistisch.

    "Wir haben die Zielvereinbarung letztlich unterschrieben, damit wir handlungsfähig bleiben. Wir hatten keine andere Wahl", sagte der Spitzenfunktionär des Deutschen Leichtathletik-Verbandes in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung".

    Laut seiner Darstellung habe es statt einem offenen Gespräch eine harte Diskussion gegeben. "Vor allem dann, wenn es darum ging, das Medaillenziel zu definieren. Da sind die hohen Vorgaben des DOSB mit einem etwas größeren Realismus seitens der Sportverbände zusammengeprallt", berichtete Hensel.

    Voll an der Realität vorbei

    Leistung könne man planen, Erfolg weniger. "Man kann vieles tun, um einen Medaillengewinn wahrscheinlich zu machen. Aber aus der Sicht des DLV ist es absolut vermessen zu sagen, hier plane ich jetzt mal Gold ein, dort Silber und hier Bronze", meinte Hensel. Seit 2008 hatte der DOSB mit seinen Fachverbänden konkrete Medaillenpläne für die Spiele in London entworfen. Für den DLV waren acht Medaillen "vereinbart" worden.

    Mit der Festlegung einer Gesamtzahl von Medaillen könne man laut Hensel leben, doch es werde auch genau definiert, welche Medaillen in welchen Disziplinen erwartet werden: "Das halte ich für noch problematischer." Zu sagen, die Schwimmer sollen sechs Medaillen gewinnen, das möge vielleicht noch eine Zielorientierung sein. "Aber zu sagen, es wird genau zweimal Gold, zweimal Silber und zweimal Bronze erwartet, das geht schon sehr weit an der Realität vorbei."

    Erfüllen Verbände die DOSB-Vorgaben nicht, droht ihnen die Reduzierung der Fördermittel. "Eventuell werden Mittel gekürzt und Trainerstellen gestrichen. Nach den Olympischen Spielen von Athen mit zwei Medaillen ist der DLV zunächst regelrecht abgestraft worden", berichtete Hensel.

    Erfolg subventionieren

    Nach Peking, wo der DLV nur einmal Bronze gewann, sei die Erkenntnis gereift, "dass es sinnvoller sein könnte, das Budget zu erhöhen, um bei den nächsten Spielen wieder besser abzuschneiden". Hensel: "Es gibt keine klar definierten Kriterien."

    Da die Spitzensportförderung durch das Bundesinnenministerium - gegenwärtig rund 131 Millionen Euro - absehbar nicht aufgestockt werde, müsse überlegt werden, "ob man die Verteilung nicht vollkommen neu organisieren sollte", sagte Hensel.

    Er schlägt vor: "Aus meiner Sicht wäre die Möglichkeit einer direkten Kommunikation zwischen dem BMI und den Spitzenverbänden wünschenswert, damit das nicht immer nur durch so einen Nürnberger Trichter wie den DOSB läuft."

    Kurz vor Ende der Spiele in London hat sich Friedrich mit der deutschen Medaillen-Ausbeute "nicht unzufrieden" gezeigt. "Manche Silbermedaille hätte auch eine Goldmedaille sein können, das war ganz knapp."

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