Eine große Ehre: Zum letzten Mal im Windschatten von Wino
Die Verabschiedung von Alexander Winokurow in Monaco war wirklich sehr gelungen und wurde in einem würdigen Rahmen abgehalten. Am Samstagabend hat Eurosport-Frankreich live eine TV-Show mit Weltmeister Philippe Gilbert, Rad-Legende Eddy Merckx, Richard Virenque und natürlich mit Wino ausgestrahlt.
Höhepunkt der rundum gelungenen Veranstaltung am Port Hercole Jachthafen war am Sonntag ein Kriterium über 50 Runden. Das Starterfeld war unter anderem mit aktuellen Topstars wie Christopher Froome, Vincenzo Nibali, Gilbert, der gesamten Astana-Mannschaft und ehemaligen Radgrößen wie Merckx, Durand sowie Virenque gespickt. In den ersten zehn Runden waren auch Alexanders Kinder mit von der Partie. Dann wurde richtig Radrennen gefahren.
Etwas zu schnell für mich, ehrlich gesagt. Die Jungs hatten das "Abschiedsrennen" auf dem Originalkurs wohl mit der Formel 1 verwechselt ;-) Als nur noch Profis mit einem 50er Schnitt am Horn gezogen haben, war Schluss für mich. Natürlich hat Wino vor Gilbert und Nibali gewonnen.
Abends haben wir Alexander auf der Dachterrasse eines Hotels im Kreis von 250 Freunden, Bekannten und Verwandten auf einer entspannten Party mit eindrucksvollem Feuerwerk gebührend gefeiert.
Mehr als nur ein Teamkollege
Auch Wino hat in seiner langen Karriere Höhen und Tiefen durchgemacht. Er war ein großer Kämpfer, der auch nach schwersten Stürzen nie die Segel gestrichen hat. Als wir im Jahr 2000 im Team Telekom zusammengetroffen sind, hatte Alexander keinen leichten Start. Schließlich übte er bei Casino selbst die Rolle des Kapitäns aus und musste nun für andere fahren. Damit hatte er grundsätzlich kein Problem, er tat sich nur mit der Dosierung etwas schwer. Wenn mich Wino bei der Tour in den Berg gefahren hat, ist er gleich so losgesprintet, dass ich fast nicht mehr hinterher gekommen bin. Er war immer da, wenn man ihn gebraucht hat und er war, ja er ist, vor allem auch als Mensch sehr angenehm.
Bei meinen beiden Besuchen in Kasachstan konnte ich die Begeisterung, die Wino für den Radsport ausgelöst hat, deutlich spüren. Der Unterschied zu Deutschland ist, dass Alexander seine kasachischen Landsleute selbst in den schwarzen Stunden seiner Doping-Affäre stets hinter sich hatte und sie ihm nach Ablauf seiner Sperre eine neue Chance ermöglichten. Wino hat sich seinerseits mit der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in London bedankt.
Einen besseren Abschied vom Radsport hätte er sich gar nicht wünschen können.
Euer Jan Ullrich
