Team Britain im vergeblichen Kampf gegen Windmühlen
Die Sprint-Elite um Mark Cavendish und André Greipel ist im olympischen Straßenrennen leer ausgegangen. Dabei haben insbesondere die Briten Fehler gemacht. Ehrlich gesagt habe ich nicht verstanden, warum Bradley Wiggins und seine Mannen gleich von Beginn an demonstrativ - nach dem Motto: "Der Sieg geht nur über uns!" — im Wind gefahren sind.
Dass man das Feld über die ganze Distanz mit vier, fünf Mann nicht kontrollieren kann, war vorher klar. Deswegen hätten sich die Nationen, die an einem Massensprint interessiert waren, also Großbritannien und Deutschland, die Arbeit von Anfang an aufteilen müssen. Anstatt Tony Martin als Zugmaschine einzuspannen, haben die Briten vorne kräftig in die Pedalen getreten, während die anderen im Windschatten ihre Beine hochgenommen haben.
Wie für "Wino" gemacht
Alexander Winokurow war die Strecke auf den Leib geschnitten. Die Attacke, die er zusammen mit Silbermedaillengewinner Rigoberto Uran gefahren ist, war hart und kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Schon bei der Tour de France hat er mit Ausreißversuchen kurz vor dem Ziel gezeigt, dass er es kann. Wenn Winokurow in die Eisen steigt, ist schon richtig Dampf dahinter! Hinzu kommt, dass gleich der erste richtige Angriff aus der Spitzengruppe funktioniert hat.
Im Verfolgerfeld konnte man zwar erkennen, dass einige mitgehen wollten, aber letztendlich waren sie sich hinten nicht einig.
Stolzer "Wino" mit krönendem Abschluss
Ich habe mich sehr für Winokurow gefreut. Er trägt einen unglaublichen Nationalstolz in seinem Herzen. Olympia war für "Wino" schon immer eine besondere Motivation. Das Nationaltrikot zu tragen ist für ihn das Größte. Für seine Doping-Vergehen wurde er bestraft, aber in Kasachstan hat man ihn nie fallen lassen. Nach seinem Gold-Coup hat er seinen Rücktritt bekannt gegeben. Ich glaube, all das hat ihm im letzten Rennen seiner Karriere das halbe PS mehr gegeben.
Gleich nach seinem Triumph habe ich versucht, ihn auf dem Handy zur erreichen. Aber natürlich war die ganze Zeit belegt. Als er mich zurückrief, hat er sich unheimlich über seinen Erfolg gefreut und mich an Sydney 2000 erinnert, als wir zusammen auf dem Podium standen.
Mit dem Olympiasieg hat Winokurow einen Laufbahn mit vielen Höhen und Tiefen gekrönt.
Euer Jan Ullrich
