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    Jan Ullrich

    Chance für Evans? Flucht vor Wiggins!

    Tour-Überflieger Bradley Wiggins und Christopher Froome am Ruhetag

    Es ist schon krass, was sich da schon in der ersten Tour-Woche abgespielt hat. Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass es sowohl auf den Übergangsetappen als auch auf den ersten Bergetappen schon so zur Sache geht! Mit einer derartigen Dominanz von Sky konnte wirklich niemand rechnen.

    Für mich war es schon überraschend, wie Sky gleich in die erste Bergankunft hineingeballert ist, sodass nur noch zwei, drei Mann folgen konnten. Obendrauf das überragende Zeitfahren von Bradley Wiggins — es ist schon phänomenal, wie die Jungs in Form sind.

    Auch wenn einige Mitfavoriten wie Ryder Hesjedal, Samuel Sanchez und Frank Schleck gehörig vom Pech verfolgt waren, führt zur Halbzeit eine klein, erlesene Gruppe das Gesamtklassement an. Ich hätte nicht gedacht, dass die Leistungsdichte in den Top 10 so auseinanderklafft.

    Einerseits würde ich Wiggins den Tour-Sieg zwar gönnen, andererseits wünsche ich mir schon etwas Spannung in den kommenden Tagen. Ich erwarte den einen oder anderen Angriff von Cadel Evans, der seine Schlappe im Zeitfahren bestimmt wieder gutmachen will. Cadel hat bislang in den Bergen noch keine Schwäche gezeigt. Er ist angriffslustig und geht in den Abfahrten volles Risiko.

    Ich bin mir sicher, die ersten Etappen haben viel Kraft gekostet. Selbst die schier übermächtige Sky-Mannschaft hat Federn gelassen. Ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, dass die Briten ausnahmslos alle Bergetappen kontrollieren können. Evans & Co. müssen ihr Heil in der Flucht suchen, um in der Gesamtwertung nach vorne zu springen.

    Martin kann nur Gold holen

    Der Ausstieg von Tony Martin am Ruhetag kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Dass er so viel Pech hatte, tut mir richtig leid. Im langen zweiten Zeitfahren ist er eigentlich sehr gut gefahren, aber wenn man nach fünf Kilometern wieder einen Platten hat, ist auch die letzte Moral weg. Bei so viel Pech in diesem Jahr kann er bei Olympia eigentlich nur Gold holen. In London werden wir ein komplett anderes Zeitfahren erleben als bei der Tour de France, wo man den Kampf gegen die Uhr nach einer oder zwei Wochen aufnimmt. Da sehe ich ganz klar Spezialisten wie Martin und Fabian Cancellara vorne.

    Am Ruhetag gilt es die Spannung zu halten. Ich bin immer zwei Stunden mit dem Team gefahren und habe eine Stunde auf der Rolle nochmal richtig geschwitzt. Ansonsten gilt: Ausruhen, Beine hochlegen und früh ins Bett gehen, um am nächsten Tag wieder voll auf der Höhe zu sein.

    Auch wenn im Moment alles zu Gunsten von Wiggins läuft, gebe ich die Hoffnung nicht auf. Man darf nicht vergessen: Mit den Alpen und den Pyrenäen stehen die härtesten Brocken der Tour noch auf dem Programm.

    Euer

    Jan Ullrich

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