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    Jan Ullrich

    Cavendish, Greipel oder Sagan

    Deutsche Gold-Hoffnung: André Greipel

    Ich habe 2000 in Sydney und 2004 in Athen an den Olympischen Spielen teilgenommen. Als Sportler will man das olympische Feeling spüren, deswegen habe ich beide Male im olympischen Dorf gewohnt. Es ist einfach schön, unter Sportlern zu sein und Kontakte zu Athleten aus aller Welt und aus verschiedenen Sportarten zu knüpfen.

    Ich habe mir Wettbewerbe in anderen Sportarten angesehen und reingehört, wie andere Sportler so ticken. Olympia ist gigantisch! Es ist Tag und Nacht etwas los und die riesige Mensa ist ein Stelldichein von Superstars.

    Von allen Olympioniken hat mich Haile Gebrselassie besonders beeindruckt. Dieser kleine, zierliche Mann hatte immer ein Lächeln auf den Lippen.

    Ich bin schon gespannt auf das olympische Straßenrennen, das ganz anders ist, als eine Etappe bei der Tour de France. Im Gegensatz zur Tour starten die Teams nicht mit neun, sondern mit fünf Mann. Mit weniger Manpower ist es schwieriger, das Feld über die gesamte Distanz zu kontrollieren. Es ist nicht einfach, die zurechtgelegte Taktik umzusetzen. Kommt einer zu Fall, waren es nur noch vier. Einer muss sprinten, da waren es nur noch drei. Deswegen ist das Straßenrennen bei Olympia prädestiniert für Ausreißergruppen.

    Nach seinem souveränen Auftritt im Zielsprint der letzten Tour-Etappe auf den Champs Elysees ist Mark Cavendish mein persönlicher Topfavorit. Der Weltmeister hat Selbstvertrauen für das Rennen seines Lebens in der britischen Hauptstadt vor heimischem Publikum getankt. Im Anschluss an den Triumph bei der Tour gibt es für das Team Großbritannien nur ein Ziel: die Goldmedaille.

    Greipel kann es reißen

    Auch André Greipel, für den das deutsche Team nach meinen Informationen fahren wird, ist ein heißes Eisen. Ich gehe stark davon aus, dass es zu einem Massensprint kommen wird. Wenn sich die Sprintermannschaften einig sind, müssen die Deutschen also kräftig mitarbeiten.

    Mein Geheimfavorit ist Peter Sagan. Der Slowake ist ein Allrounder. Einerseits kann er mit einer Gruppe wegfahren, andererseits kann er auch mal fünf Kilometer marschieren.
    Grundsätzlich erwarte ich ein spannendes Rennen, weil die Mannschaften vieler Nationen nicht wirklich aufeinander eingespielt sind. Zudem sind bei Olympia alle etwas nervöser als sonst. Alle, die bei der Tour gut gefahren sind, werden ihre Form in dieser Woche konserviert haben. Die Strecke ist auch nicht so schwer, dass man ein ausgewiesener Bergfahrer sein muss, um durchzukommen.

    Ich hoffe, es gibt wenig Stürze! Mal sehen, wer am Ende das goldige Glück auf seiner Seite hat…

    Euer Jan Ullrich

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