Hallo liebe Radsport-Fans,
Giro-Favoriten unter sich: Basso (l), Rodriguez (Rosa Trikot), Scarponi (m), Hesjedal …
die Karten sind aufgedeckt! Und das Schöne daran ist, dass der Giro bis zum Zeitfahren am Sonntag in Mailand superspannend bleibt. Der harte Ritt nach Cortina d'Ampezzo war nur ein Vorgeschmack darauf, was den Jungs auf der 19. Etappe mit Ziel auf dem Reiterjoch (Alpe di Pompeago) und tags darauf auf den Gipfel des Stilfser Jochs noch bevorsteht.
In der Sechsergruppe um Joaquim Rodriguez, Ivan Basso, Ryder Hesjedal, Rigoberto Uran, Michele Scarponi und Domenico Pozzovivo waren alle am Limit, auch wenn man es ihnen nicht unbedingt angesehen hat. Da konnte einfach keiner eine Attacke reiten. Einzig Scarponi und Uran zeigten Schwäche, nachdem Pozzovivo kurzzeitig mal mächtig am Horn gezogen hatte. Eine kleine Tempoverschärfung kann ausreichen, um heftig in Schwierigkeiten zu geraten.
Am Limit bedeutet: Schneller geht's nicht! Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie die Anfahrer von Lance Armstrong zu US-Postal-Zeiten in die Berge hineingeknallt sind. In diesen Momenten hatte ich oftmals nur einen Gedanken: Wenn die da vorne noch lange so weiterfahren, platze ich selbst weg! Ich war immer richtig erleichtert, wenn sich ein Helfer nach dem anderen verabschiedet hatte. Erst dann normalisierte sich nach und nach das Tempo im Kreis der Favoriten.
Auch wenn Scarponi und Uran auf der 17. Etappe noch einmal zurückgekommen sind, kratzt das trotzdem an der Moral. Schließlich will auf dem Rad keiner Schwäche zeigen.
Basso unermüdlich, Hut ab vor Rodriguez
Mein persönlicher Topfavorit auf den Gesamtsieg ist immer noch Ivan Basso. Es ist schon beeindruckend, wie viel er sein Team vorne fahren lässt. Man spürt förmlich, dass Ivan nichts dem Zufall überlassen möchte.
Auch Rodriguez präsentiert sich nach wie vor in einer bärenstarken Verfassung. Der Spanier, der den Flèche Wallone für sich entschieden hatte und bei der Baskenland-Rundfahrt auf Platz zwei gelandet ist, fährt schon das gesamte Frühjahr auf höchstem Niveau. Auch wenn mir seine relaxte Fahrweise besonders gut gefällt, ist es durchaus möglich, dass ihm an den letzten beiden Tagen der Sprit ausgeht.
Euer
Jan Ullrich
