Benoit gönnt sich ein kleines Päuschen vom Alltagsstress. Recht hat er - schließlich war er in seinem Leben stets fleißig und arbeitsam.
Wir Jedermänner, die wir am Sonntag, 29. August bei der 30. Auflage des Ötztaler Rad-Marathons an den Start gehen werden, können uns das nicht erlauben.
Die rund 4.000 Teilnehmer an der "Mutter" aller Rad-Marathons über 230 Kilometer und 5.500 Höhenmeter mit Start und Ziel in Sölden haben monatelang auf diesen Tag hingearbeitet.
Der Start beim vielleicht schwersten Jedermann-Rennen der Welt ist in greifbare Nähe gerückt. Die Spannung steigt, die Nervosität ist spürbar - so kann ich es kaum mehr erwarten am Start zu stehen...
... weil ich für die Erfüllung meines Traumes hart gearbeitet habe
Ich reise mit 6.000 Trainingskilometern in den Beinen in den bekannten Tiroler Wintersportort, wo die alpine Ski-Saison Ende Oktober traditionsgemäß eröffnet wird. Das wöchentliche Training ist jedoch nicht ausschließlich mit Genussfahrten verbunden.
Da die Freizeit beschränkt ist, zählen auch die Fahrten ins Büro zum Trainingspensum. Oftmals beginnt der Tag um 6:30 Uhr mit dem Zeitfahren über acht Kilometer von Gauting nach Neuried, dem anschließenden "Glasscherben-Slalom" entlang des Isar-Ufers - die "Auspuff-Rallye" am Nockherberg in Richtung Rosenheimer Straße nicht zu vergessen.
Erwähnenswert sind dabei auch jene Autofahrer, die ihre gewagten Überholmanöver mit einem Augenmaß von zwei Zentimetern ohne Rücksicht auf Verluste durchziehen. Und natürlich die Hypernervösen - unsere Freunde der "Hup-Fraktion", die uns Radlern schon am frühen Morgen den einen oder anderen Herzinfarkt bescheren.
... weil Nutella und drei Kugeln Eis eigentlich ganz lecker schmecken
Haben Sie schon mal komplett auf Kohlehydrate und weitestgehend auf Süßigkeiten verzichtet - so ganz ohne Brot, Kartoffeln, Nudeln etc.? Versuchen Sie es mal! Für einen wie mich, der gerne mal eine Tafel Schokolade auf Ex vertilgt, und problemlos von Spaghetti mit Pesto leben könnte, waren die letzten Wochen wirklich hart. Man fragt sich schon am frühen Morgen, was man eigentlich zu sich nehmen soll.
Das Fitness-Müsli ist nämlich nicht drin! Sie wissen ja, Kohlehydrate und so... Den Tipp von meinem Spezi "Rale", Leberwurst direkt aus der Pelle zu löffeln, habe ich schnell verworfen. Letztendlich fand aber auch ich zu meiner persönlichen Frühstücks-Kreation: Magerquark mit Joghurt, dazu einen Schuss Milch und jede Menge kleingeschnittene Früchte - lecker...
Abends gab's in der Regel Salat. Dazu Proteine - mal ein Omelett, Fisch oder ein Putenschnitzel. Die Werte meines Cholesterinspiegels möchte ich derzeit aber lieber nicht wissen. Jetzt verstehe ich auch, warum die Weltpolitik die Rinderhaltung wegen des Überhand nehmenden Methangas-Ausstoßes wesentlich dezimieren möchte!
... weil ich es liebe, mich am Berg zu quälen
Schon der erste "Ötzi"-Anstieg über 19 Kilometer und 1.200 Höhenmeter von Ötz auf das Kühtai mit Puls 162 an der Schwelle ist eine Herausforderung. So bringe ich eine Leistung zwischen 280 und 340 Watt auf die Pedale. Auf der alten Brennerstraße von Innsbruck auf den Brennerpass (39Km/713Km) werde ich mich in eine Gruppe einreihen und mitfahren.
Auch am Jaufenpass (15,5Km/1.130Hm) sollte man noch nicht alle Körner in die Waagschale legen. Erst am letzten, sich ewig lang ziehenden, mörderischen Anstieg von St. Leonhard auf das Timmelsjoch (28,7Km/1.759Hm) wird sich zeigen, was die Beine noch hergeben.
... weil ich mir ein Ziel gesteckt habe
Würde ich die Ziellinie nach 8:26,53 Stunden überqueren, wäre ich wunschlos glücklich. Nach meinem Schlüsselbeinbruch vor neun Wochen ist jedoch Aufmerksamkeit und, insbesondere in den Abfahrten, Vorsicht geboten. So lautet mein Motto am Sonntag während des Rennens: "Nicht schlafen - no time to sleep!"
Ich wünsche allen Teilnehmern viel Erfolg. Bleiben Sie sturzfrei und kommen Sie gut ins Ziel!
Wie verlief Ihre Vorbereitung? Welche Zeit wollen Sie erreichen? Schreiben Sie in unserer Kommentar-Funktion unter dem Text, wie Sie sich auf den Höhepunkt der Saison vorbereitet haben!
Kette rechts und den Kopf bei den Abfahrten tief nach unten...
Thomas Janz
Alle Infos zum Team
Alpecin-RoadBIKE
FOCUS-Bikes -
von Profis für Profis

Bisher keine Kommentare vorhanden