Die An-Spannung steigt - noch eine Woche bis zum Ötztaler Marathon, dem absoluten Höhepunkt meiner persönlichen Rad-Saison. Mein gebrochenes rechtes Schlüsselbein ist nach der Operation vor rund sieben Wochen wieder weitgehend schmerzfrei und meine Beine sind "trocken".
Das behauptet zumindest mein Rad-Kumpel Romeo Magrini, der mich bei unserer letzten Ausfahrt im Münchner Süden über 137 Kilometer und 1.250 Höhenmeter noch einmal so richtig gefordert hat.
Meine Freundschaft zu Romeo ist nicht nur deswegen eine besondere, weil der aus Cattolica stammende Italiener 24 Jahre älter ist. Und da sich "Opa", wie ich ihn liebevoll nenne, in diesen Tagen in der Form seines Lebens befindet, muss ich teils ganz schön in die Pedale treten, um dem 63-Jährigen auf welligem Terrain Paroli bieten zu können.
Beißer im Wiegetritt
Sie kennen das Phänomen, wenn man mit einem Partner oder in der Gruppe fährt und somit immer wieder aus dem ureigenen Rhythmus gerissen wird?! Romeo ist ein Beißer, einer der bei jeder Welle aus dem Sattel geht. Eine Fahrweise, die mir besonders weh tut, weil ich es gewöhnt bin, mehr oder weniger alles im Sitzen zu fahren.
Romeo ist übrigens einer der Rentner, die von Januar bis Mitte August bereits sage und schreibe 13.000 Kilometer auf dem Tacho haben. Alleine im Mai hat er als Guide für ein Hotel in Riccione mehr als 3.000 Kilometer abgespult. Deshalb sind seine Beine sozusagen "strohtrocken" - was bedeutet, dass sein Körperfettanteil von der großen Zehe bis zum Bauchansatz gleich null sein dürfte. In seinem Windschatten bin ich stets aufs Neue erstaunt über die Masse und Definiertheit seiner Wadenmuskulatur sowie die Wucht seiner Oberschenkel.
So kommt seine hervorragende Platzierung bei der diesjährigen Dolomiten-Rundfahrt mit Platz fünf in seiner Altersklasse im direkten Duell mit den Südtiroler "Bergziegen" nicht von ungefähr.
Romeo ist ein Vorbild, weil er den Radsport auf sympathische Art und Weise lebt! Das spiegelt sich auch in seiner Ernährung wider, wenn er in der Vorbereitungsphase das Fläschchen Sangiovese im Keller lässt und schweren Herzens auf Weißbrot zur Pasta verzichtet. Für mich ist er der "Rad-Opa" mit dem Getriebe eines Alfa Romeo.
Ich würde mich schon darüber freuen, wenn ich in 25 Jahren noch wie ein VW-Käfer durch die Gegend fahre...
Kette, so oft wie nur irgendwie möglich rechts!
Thomas Janz
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