Höhenrausch

Klettergarten der besonderen Art

Faszination Bergetappen. Es sind insbesondere die Kletterpartien, welche die Zuschauer entlang der Pässe in Italien und Frankreich und an den Bildschirmen alljährlich fesseln. Wenn hunderte Wohnmobile enthusiastischer Fans die teils schmalen Straßen beim Giro d'Italia und der Tour de France auf dem Weg zu den klassischen Gipfeln des Radsports säumen, und "El Diablo" Didi Senft den Dreizack auf den Asphalt pinselt, fällt oftmals die Vorentscheidung über Sieg und Niederlage einer Rundfahrt.

Schon in meiner Anfangszeit auf dem Mountainbike war ich ein begeisterter Kletterer, bis ich schließlich im Jahr 2005 eine besondere Leidenschaft für mich entdeckte: Den Kampf gegen die Uhr, das Duell Mann gegen Mann beim Bergzeitfahren.

Die Dolomiten sind die schönsten Berge der Welt. Das behauptet zumindest Reinhold Messner, der in diesen Tagen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit seinen Gipfelstürmen auf die 8000er dieser Erde für die Weltmeisterschaft in Südafrika im Trainingslage in Eppan motiviert. Wer einmal die Sella Ronda mit dem Rennrad gefahren ist, wird dem Extrembergsteiger und Abenteurer beipflichten.

Charmante Rundfahrt mit südtiroler Flair

Wenn Sie die atemberaubende Fahrt über vier Gipfel - Grödnerjoch, Campolongo, Pordoijoch und Sellajoch - einmal als Auto freie Zone erleben wollen, sind Sie bei der Dolomiten-Rundfahrt genau richtig. Auch in diesem Jahr treffen sich vom 1. bis 7. August wieder rund 900 Jedermänner und -frauen zur 34. Auflage des "Giro delle Dolomiti".

Die Radtourismus-Rundfahrt der besonderen Art erstreckt sich über sechs Etappen. Insgesamt sind laut Streckenplan 693,5 Kilometer und 11.609 Höhenmeter zu absolvieren. Gefahren wird in moderatem Tempo im geschlossenen Feld. Einzig an einem Anstieg des Tages wird die Zeit mit Hilfe eines Transponders gestoppt, die sowohl in eine Tages- als auch in die Gesamtwertung einfließt.

Spaßfaktor in lockerer Atmosphäre

Dabei bleibt es jedem selbst überlassen, ob er den eigenen Schweinehund im Kampf gegen die Uhr überwindet - oder nicht. Am Ende eines jeden Urlaubstages im Herzen der bleichen Berge, wie die Dolomiten früher genannt wurden, steht bei Pasta, Polenta und anderen Köstlichkeiten der Region vor allem der Spaß an der Freud' und das Treffen von Radsport-Freunden aus aller Welt im Mittelpunkt. Auch ein Espresso oder Cappuccino-Päuschen ist zwischendurch immer drin. Und am Ruhetag der Genuss-Tour für sportlich Ambitionierte wird auch schon der eine oder andere Teilnehmer(in) auf dem Waltherplatz in Bozen bei einem Gläschen Aperol-Sprizz gesichtet.

Neben der Königsetappe über 155,6 Kilometer und 3.235 Höhenmeter rund um die lotrechten Felswände des Sellastocks mit Start und Ziel im Messegelände von Bozen stehen auch in diesem Jahr wieder zahlreiche namhafte Pässe auf dem Programm: Der Jaufenpass ist beispielsweise Bestandteil des Ötztaler Marathons. Zudem sind der Passo Duran und der bis zu 20 Prozent steile Anstieg zur Gardeccia-Hütte zu erklimmen. Die kräftezehrende Auffahrt durch die insgesamt 48 nicht enden wollenden Kehren auf das Stilfser Joch ist zweifelsohne ein Muss für alle Jedermänner.

Mit der Dolomiten-Rundfahrt in den Beinen, sowie ein wenig Ruhe und Disziplin in den 21 folgenden Tagen, kann beim Ötztaler Marathon am 28. August eigentlich nichts schiefgehen. Und diejenigen, die nicht am "Ötzi" teilnehmen, blicken schon nach dem Giro delle Dolomiti auf ein unvergessliches Radsport-Erlebnis zurück.

Meine Bergzeitfahren zum Vergleich:

Weissenbach - Penserjoch: 13,3km, 873hm, 0:43:02,20 Stunden
Araba - Pordoijoch: 10km, 673hm, 0:36:08.80 Stunden
Telve - Manghenpass: 19km, 1.447hm, 1:11:22.60 Stunden
Meran - Hafling: 10km, 965hm, 0:41:38,95 Stunden
Prad - Stilvserjoch: 24,8km, 1.851hm, 1:36:11,95 Stunden
St. Vigil - Kronplatz: 12,9km, 1.086hm, 0:54:55.95 Stunden

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