Frank von Behren

Alle Jahre wieder...

Auf dem Boden der Tatsachen: Oliver Roggisch (Bild: Reuters)Alle Jahre wieder auf der Suche nach Erklärungen für das "schlechte" Abschneiden einer deutschen Handball-Nationalmannschaft drehen sich die Erklärungsversuche der Verantwortlichen um die Einsatzzeiten deutscher (Nachwuchs-) Spieler in der HBL. Zu dominant ist die Rolle ausländischer Stars in der Liga, in der sich kaum ein Nachwuchstalent durchsetzt und zu internationaler Klasse reift. Die unter Druck stehenden Bundesliga-Clubs verweigern sich einem Umdenken und bauen lieber auf fertige ausländische Stars. Diese sind in Hülle und Fülle vorhanden. Finanzstarke Clubs gibt es nirgends so geballt wie in der HBL. Die spanische Liga als größter Konkurrent um das Prädikat "stärkste Liga der Welt" steht vor dem finanziellen Kollaps.

Die "ewige Diskussion" zwischen Verband (hier mahnte Heiner Brand seit Jahren) und HBL endet aber wahrscheinlich wieder einmal in der Sackgasse. Warum sollte sich ausgerechnet jetzt etwas ändern? Nur weil die olympischen Spiele verpasst werden, heißt das noch lange nicht, dass der Handball hier im Lande unpopulärer wird oder dass die Liga die Auswirkungen des sportlichen Misserfolgs der Nationalmannschaft spüren würde. Warum auch? Die Liga-Spiele haben meist regionalen Charakter, die eingefleischten Fans kommen bei jedem Wetter. Den deutschen Meistertitel und Europas Krone vor Augen interessiert die Zukunft der Nationalmannschaft doch eher weniger, wenn wir ehrlich sind. Im Preis-Leistungsverhältnis entscheidet der europäische Markt, nicht der deutsche.

Die verpasste Qualifikation nutzt die Sportpresse dazu, eine Geschichte zu erzählen. Die vom Absturz des deutschen Handballs. Fakt ist: Zur Zeit bewegt sich die Nationalmannschaft im Mittelfeld. Sie gehört nicht in die Weltspitze, aber auch nicht zu den absoluten Versagern dieser EM. Platz 7 bei einer EM entspricht dem Leistungsstand.

Eine Woche nach der Niederlage gegen Polen ist die Geschichte allerdings noch nicht zu Ende, sondern wird künstlich hochgehalten. Der oft zitierte Super-Gau entpuppt sich als Betriebsunfall und bietet keinen weiteren Gesprächsstoff. Die Diskussion über die fehlende Anschlussförderung unserer Nachwuchsleute wurde zu oft gehört und zieht nicht mehr. Stattdessen wird die Aussage von Silvio Heinevetter ausgeschlachtet, Uli Strombach hätte keine Ahnung vom Handball. Das erinnert mich an die Aussage von Stefan Kretzschmar, der zu den Strukturen des DHB einst sagte: "Der Fisch stinkt vom Kopf".

Natürlich, man kann Strombach für seine Sturköpfigkeit und Arroganz kritisieren. Die Aussage vor dem Dänemark-Spiel "wir können eine Medaille gewinnen" war sicher unglücklich gewählt. Aber es sollte auch nicht überbewertet werden. Es ist Strombachs Art, sich nicht in sportliche Belange einzumischen und den Kontakt zu den Spielern während einer EM möglichst gering zu halten. Es reicht nicht aber aus, um jemanden derart zu verurteilen und in seiner Arbeit zu beurteilen.

Eines hat die Sensationgier der schreibenden Zunft allerdings jetzt schon bewirkt: Handball ist weiterhin Gesprächsthema. Pünktlich zum Allstar-Game am Samstag in Leipzig ist für Gesprächsstoff gesorgt, mit Spannung darf verfolgt werden, wie Strombach auf die Angriffe Heinevetters reagieren wird.

Danach gehen zum Glück die Bundesliga und die Champions League wieder los. So, als wenn nichts passiert wäre.

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3 Kommentare

  • Kaiser  •  vor 3 Monaten
    Ich kann Frank von Behren nur Recht geben. Solange die besten Clubs der "stärksten Liga der Welt" den in Deutschland vorhandenen Talente keine Einsatzzeiten geben, sondern sie lieber bei Vereinen der 2. oder 3. Liga parken "um Spielpraxis zu bekommen"(fragt sich bloss auf welchem Niveau?), solange muss man sich nicht wundern, dass immer mehr deutsche Spieler in ihren Vereinen nur zweite Wahl sind, mal von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen. Diese Spieler müssen dann bei Welt- und Europameisterschaften gegen solche Spieler antreten, die sie im Verein ins 2. Glied zurück gedrückt haben. Geht doch gar nicht! Hat man sich schon mal gefragt, wieviele deutsche Spieler bei ausländischen Top Clubs unter Vertrag stehen? Mir fällt keiner ein. Eine Frage der Qualität??
    Die Dänen, Schweden, Norweger, Isländer, Franzosen und von den Ex-Yugoslawen schon gar nicht zu sprechen, alle haben sie massiv Spieler in der Bundesliga. Wenn mich nicht alles täuscht, wurde Deutschland heuer doch Weltmeister bei den Junioren. Die Dänen oder Schweden, die diese Titel bereits häufig gewonnen haben, geben diesenTalenten so schnell es geht eine Chance in der Nationalmannschaft. Und man kann jetzt wirklich nicht behaupten, dass diese Nationalmannschaften die schlechtesten der Welt sind. Fazit: Die stärkste Liga der Welt macht die Nationalspieler der anderen europäischen Verbände durch ihre hohe Intensität stark!
    Und noch eins! Weder der Vorstand des DHB geschlossen, noch der Präsident im Einzelnen haben auf dem Feld gestanden, schlecht gespielt und die Niederlagen kassiert. Also jetzt die verpasste Qualifikation an denen festzumachen, ist schon ein starkes Stück. Auch der Herr Heinevetter sollte sich da mal zurücknehmen! Denn er würde bei vielen guten Nationalmannschaften nicht einmal als Nummer 3 aufgeboten.
  • Wilfried  •  vor 3 Monaten
    Werter Herr von Behren,
    mache folgenden Vorschlag zur Behebung der Misere der Nationalmannschaft: Wir bilden und melden keine Mannschaft mehr, damit ist allen Beteiligten geholfen: die "stärkste Liga
    der Welt" löst ihre Terminprobleme und Verletzungsbefürchtungen ihrer wenigen deutschen
    "Stars", das Gleiche gilt für die Spieler, um den Nachwuchs braucht man sich nicht explicit
    zu kümmern, da ja auf den entscheidenden Positionen Ausländer spielen, wir als Zuschauer können uns entspannt zurücklehnen und die Spiele der anderen Nationen bei großen Meisterschaften genießen, ohne mit unserer Mannschaft mitzufiebern und uns letztendlich über sie zu ärgern.(Letztendlichst tun mir aber die Spieler leid)
    Fazit: Somit wäre allen geholfen.
    PS: Bin von Ihrer Einschätzung enttäuscht.

    Mit freundlichen Grüßen
    Wilfried Bode
  • Koenig Aeducan  •  vor 3 Monaten
    Schöne Propaganda! Ständig hört man hier wie alle anderen Ligen egal in welchem Sport Geldmangel plagen und nur DIE DEUTSCHEN sind reich! Das glaubt ihr doch selber nicht? Gerade das geldgierigste Land der Welt soll keine Schulden besitzen?! Ihr seid ja lächerlich...alleine wenn man Merkel stottern hört, weiß man ja dass sie nur verzweifelt versucht sich besser darzustellen als es ist! Aber mit eurer Propaganda erreicht ihr wohl auch nur den stolzen DEUTSCHEN! Ich freu mich schon wenn die Wahrheit rauskommt und ihr dann daran schuld seid dass nun alles noch mehr den Berg runter geht, weil ihr mit euren dämlichen Lügen Jahre lang es überdeckt habt, wie es wirklich im dritten Reich ausschaut! Naja typisch Deutsch...LÜGEN UND BETRÜGEN UND VERSUCHEN SICH BESSER DARZUSTELLEN ALS MAN IST!
    • Ralf vor 3 Monaten
      Hat deine Aussage auch nur einen einzigen Bezug zur Realitaet?

      Hier geht es um das Thema deutsche Nachwuchsspieler und das Leistungsvermoegen der deutschen Nationalmannschaft. Das die DHL sportlich die staerkste Liga der Welt ist wirst du wohl kaum bestreiten und wirtschaftlich ist sie auch im Vergleich sehr gut aufgetsllt.

      Und was bitte schoen hat das Ganze mit dem dritten Reich zu tun??? In Geschichte die letzten 70 Jahre ausgelassen???
    • Linus vor 3 Monaten
      Österreichischer #$%$ Aber Gott sei Dank klein und unbedeutend! Der Spinner kann somit nicht viel Schaden anrichten.

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