Edinson Cavani schaut nicht immer so grimmig
Im Sommer drehte sich bei Juventus alles um die Suche nach einem Topstürmer. Mehrere klangvolle Namen geisterten durch die Presse, von Robin van Persie über Luis Suarez und Edin Dzeko bis hin zu Stevan Jovetic.
Ganz oben auf der Liste von Trainer Antonio Conte soll aber ein Mann aus Uruguay gestanden haben: Edinson Cavani. Als die Transferperiode zu Ende gegangen war, war keiner dieser Spieler in Turin - die Juve-Fans mussten mit der Last-Minute-Verpflichtung von Nicklas Bendtner vorlieb nehmen.
Van Persie, Suarez und Dzeko blieben auf der Insel, Jovetic in Florenz. Und Cavani? Dessen Vertrag wurde demonstrativ am 31. August, dem letzten Transfertag, bis 2017 verlängert, der 25-Jährige stürmt weiterhin für Neapel. Und wie: In den ersten sieben Ligaspielen dieser Saison traf er sechsmal, damit führt er die Serie-A-Torjägerliste an. In den vergangenen zwei Spielzeiten hatte er bereits 33 Pflichtspieltreffer für Napoli gemacht - pro Saison, nicht zusammen.
Durch seine Tore ist der SSC momentan Juves größter Konkurrent, beide Teams führen vor dem direkten Duell am Samstag punktegleich die Tabelle an. Cavani hat diese Saison Großes vor, nach dem Gewinn des Italienpokals im Mai schielt eine ganze Stadt auf den Scudetto. "Ja, ich teile diesen Optimismus", sagte Cavani im Interview mit der "Gazzetta dello Sport". "Das könnte unser Jahr werden."
Cavani wandelt auf Maradonas Spuren
Der Nationalstürmer Uruguays unterstrich einmal mehr seine Liebe zu Neapel. "Ich habe nicht eine Sekunde daran verschwendet, diese Stadt zu verlassen. Die Menschen hier leben den Fußball. Ich gebe alles für diese Stadt und diese Leute."
Cavani fühlt sich nicht nur in Neapel zuhause, auch die Serie A ist zu seiner zweiten Heimat geworden. "Als kleiner Junge habe ich davon geträumt, eines Tages in der Serie A zu spielen. Die italienische Liga ist eine der tollsten, faszinierendsten und schwierigsten der Welt."
Und diese Meisterschaft soll nach 23 Jahren wieder nach Neapel geholt werden. Damals verzauberte noch Diego Armando Maradona die ganze Stadt. "Die Fans sehen in mir den Spieler, der sie wieder zum Titel führen kann, so wie es Maradona getan hat", sagte Cavani, der sich seiner besonderen Rolle bewusst ist: "Es ist schön, dass ich in ihnen diese Emotionen wieder aufleben lassen kann."
Er werde oft von den Tifosi auf der Straße angehalten, sagte Cavani, "sie bedanken sich dann bei mir, weil ich sie wie in einem Film in die Zeit der zwei Meisterschaften zurückführe. Diese Dinge spornen mich unheimlich an."
Christian Bernhard
