Ehemalige Teamkollegen bei Bilbao: Xavier Martinez und Fernando Llorente
Die Stimmung in Bilbao ist angespannt. Noch vergangene Saison ließ die junge Mannschaft von Trainer Marcelo Bielsa innerhalb des Traditionsvereins Hoffnungen auf die Rückkehr erfolgreicher Zeiten aufkeimen. Immerhin zieren stolze acht Meistertitel und 23 Erfolge in der Copa del Rey den Trophäenschrank.
Doch in dieser Saison steht es nicht besonders gut um den baskischen Klub. In der Liga liegen "Los Leones" (die Löwen) mit nur fünf Punkten aus fünf Spielen auf Platz 16. Zusätzlich warfen der Wechsel von Javier Martinez zum FC Bayern und die Ankündigung von Fernando Llorente, seinen Vertag in Bilbao nicht zu verlängern, Sorgenfalten auf die Stirn der Verantwortlichen und Fans.
Trotz der Rekordsumme von 40 Millionen Euro für Martinez konterkarierte der Verlust des wohl vielversprechendsten Spielers in der Vereinsgeschichte die eigentliche Philosophie von Athletic Bilbao. Ein Credo, welches Vertrauen in eigene, ausschließlich baskische Nachwuchsspieler beinhaltet und von diesen Treue zum Verein einfordert. Kurz gesagt: Der Erlös aus dem Martinez-Transfer wird vorwiegend in Jugend-Mannschaften sowie in den Trainerstab investiert.
Vorstand versteckt sich
Martinez und Llorente begründeten ihren Wunsch nach Veränderung mit sportlichen Aspekten. Die Champions League, Titelgewinne und neue Erfahrungen in ausländischen Ligen seien verlockend. Der Vorstand unter der Leitung von Josu Urrutia igelte sich ein und machte Verhandlungen vorerst unmöglich. Vorerst. Das Ende des Falls Martinez ist bekannt. Doch wie sieht die Zukunft von Llorente aus?
An den ersten fünf Spieltagen kam der 27-Jährige nur 66 Minuten zum Einsatz. Llorente wurde vom Stammspieler zum Joker degradiert. Sein historischer Treffer in der letzten Minute des Europa-League-Halbfinales gegen Sporting Lissabon scheint vergessen. Der Grund liegt im unversöhnlichen Streit über das stattliche Jahressalär des spanischen Nationalstürmers. Llorente habe eine Gehaltserhöhung in Höhe von einer Million auf 5,5 Millionen Euro pro Jahr gefordert.
"Andere Art des Wettkampfes"
Diese wurde jedoch vom Vorstand abgeschmettert. Urrutia hat sich dazu entschlossen, keine weiteren Angebote europäischer Topklubs wie dem AC Milan, Arsenal London oder Juventus Turin zu prüfen. "Athletic strebt eine andere Art des Wettkampfes an. Klar ist, dass wir eine große Summe ausschlagen. Dennoch glauben wir daran, dass die Folgen dieser Entscheidung für Athletic besser sind", unterstrich der Präsident des baskischen Vereins Anfang September.
Athletic hält an der Buy-out-Klausel fest. Llorente ist in der Wintertransferperiode für eine festgeschriebene Ablösesumme für 36 Millionen Euro zu haben. Dabei steht der Verein unter Zugzwang. Schließlich läuft der Vertrag des heiß begehrten Angreifers am 30. Juni 2013.
In Nou Camp ertönen bereits die Alarmglocken. Llorente könnte ab Juli kommenden Jahres wieder die häufige Strecke Bilbao — Barcelona absolvieren, wie zahlreiche baskische Talente in den vergangenen Jahrzenten: Zubizarreta, Alexanco sowie Salinas, Valeverde, Goikoetxea oder Ezquerro. Spieler, die ihr Handwerk in Lezama, der Akademie von Athletic erlernt haben. Sie wanderten allesamt ab — und zwar gratis!
Jose Angel Risco
