Bei der Frisur sind Balotellis Ohren leicht zu findenCesare Prandelli weiß ganz genau, welcher Weg vor ihm liegt. Und er ist fest entschlossen, ihn zu gehen.
Trotz des zweiten Platzes bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukrainer setzt Italiens Nationaltrainer auf einen Umbruch.
"Sich zu erneuern ist der einzige Weg, um bei der Weltmeisterschaft in Brasilien erfolgreich zu sein", sagte Prandelli vor dem WM-Qualifikationsspiel in Armenien am Freitagabend. "Wir müssen die jungen Spieler, die in der Serie A auf sich aufmerksam machen, fördern und reifen lassen. Sie sind unsere Zukunft, wir zählen auf diese Jungs."
Prandelli "kopiert" Del Bosque
Gesagt, getan: Prandelli berief für die Spiele gegen Armenien und Dänemark Marco Verratti (Paris Saint Germain, 19 Jahre alt), Stephan El Sharaawy (AC Milan, 19) und Mattia Destro (AS Rom, 21) ein. Und die jungen Spieler brennen darauf, fester Teil der Azzurri zu werden. "Um im Nationalteam spielen zu können, würde ich mich auch ins Tor stellen", sagte Verratti.
Die Vorreiterrolle bei diesem Modell nimmt — wie so oft in den letzten Jahren — Spanien ein. Er habe vor kurzem mit Spaniens Nationaltrainer Vicente Del Bosque gesprochen, verriet Prandelli, "und auch er hat mir gesagt, dass er nach der WM 2010 50 Prozent seiner Spieler ausgetauscht hat. Mit diesen ist er zur EM gefahren und hat erneut gewonnen."
Ebenfalls zu den Jungen gehört Mario Balotelli (22), doch der ManCity-Stürmer fällt eigentlich nicht mehr in diese Kategorie. Ein Thema ist er trotzdem immer, auch bei der Nationalmannschaft.
Längere Ohren für Balotelli
"Ich möchte zum wiederholten Male versuchen zu verstehen, ob er ein Champion werden will", sagte Prandelli über Balotelli und zog ihm — auch nicht zum ersten Mal — die Ohren lang: "Ich habe mich geärgert, dass er sich ausgerechnet während der Länderspielpause operieren hat lassen." Balotelli hatte Mitte September einen Eingriff an seinen Augen vornehmen lassen und so die ersten zwei WM-Qualifikationsspiele verpasst.
Abgesehen vom Einbau der jungen Garde möchte Prandelli mit seiner Mannschaft spielerische und taktische Neuerungen erarbeiten. Er wolle neue Dinge sehen, sagte der Nationaltrainer, "beispielsweise vermehrt in die Tiefe des Raumes spielen, ohne dem Gegner Anhaltspunkte zu geben."
Vor allem will er aber an einem speziellen Punkt arbeiten: der Intensität. "Das unterscheidet uns vom restlichen europäischen Fußball. Wir müssen die Intensität auf dem Platz erhöhen", betonte er. Nur so könne die technische Qualität seines Teams dann zum Vorschein kommen. Dass diese vorhanden ist, hat die EM im Sommer eindrucksvoll gezeigt.
Christian Bernhard
