Pirlo: Dirgent der JuveDer Orkan brauchte nur 19 Minuten, um seine ganze Wucht zu entwickeln.
19 Minuten waren gespielt, als Juventus im Spitzenspiel gegen den AS Rom bereits mit 3:0 führte - Andrea Pirlo, Arturo Vidal (Elfmeter) und Alessandro Matri hatten für die Turiner getroffen.
Am Ende gewann Juve am vergangenen Wochenende mit 4:1 und führt damit zusammen mit dem SSC Neapel souverän die Serie-A-Tabelle an. Die "Gazzetta dello Sport" titelte: "Wie ein Orkan zog Juve über die Roma hinweg."
Der Erfolg hat einen Namen: Conte
Der Meister ist nun seit 45 Ligaspielen in Folge ungeschlagen. Gründe für diese Serie gibt es mehrere: Da wäre zum einen Trainer Antonio Conte. Seit der ehemalige Juve-Kapitän im vergangenen Sommer das Kommando bei der "Alten Dame" übernommen hat, ging nur ein einziges Pflichtspiel verloren — das Pokalfinale 2012 gegen den SSC Neapel.
Conte hat der Mannschaft vom ersten Tag an seinen Stempel aufgedrückt, das Team agiert unter ihm sehr aggressiv und dominierend. "Er hat eine neue Mentalität eingebracht. Wir praktizieren einen aggressiven Fußball, gehen früh drauf und machen das Spiel", erklärte Regisseur Pirlo im Gespräch mit "Tuttosport" Contes Spielweise. Conte habe von Beginn an "seine Ideen perfekt umgesetzt. Jeder von uns weiß, was er zu jedem Zeitpunkt zu tun hat."
Wie sehr die Mannschaft die Automatismen des Trainers verinnerlicht hat, zeigt die laufende Saison. Conte darf aufgrund der Verurteilung im Zuge des italienischen Wettskandals - wegen einer angeblich nicht angezeigten Ergebnisabsprache in der Saison 2010/2011 bei seinem Ex-Klub Siena - nicht auf der Bank sitzen, trotzdem wird sein Stil auch unter Co-Trainer Massimo Carrera unbeeindruckt fortgesetzt.
Sacchi kommt ins Schwärmen
Durch die Serie strotzt die Mannschaft nur so vor Selbstvertrauen. "Wir sind uns bewusst, dass wir stark sind. Die überragende Meistersaison hat uns viel Sicherheit und Unbeschwertheit gegeben", sagte Claudio Marchisio gegenüber "Tuttosport". Der 26-Jährige bildet zusammen mit Pirlo und dem Ex-Leverkusener Vidal das zentrale Mittelfeld, und damit das Prunkstück der Turiner.
Im Vordergrund steht bei Juve aber das Kollektiv. In dieser Saison haben bereits neun verschiedene Spieler getroffen, in der vergangenen Spielzeit waren es am Ende 20. Diese gemeinschaftliche Stärke bringt auch Arrigo Sacchi ins Schwärmen. Der 66-Jährige propagierte Ende der 80er-Jahre den ganzheitlichen Fußball und führte den AC Milan so an die Weltspitze.
Heute ist er Nachwuchskoordinator im italienischen Fußballverband FIGC — und ein großer Fan der Juve-Spielweise. "Contes Mannschaft vereint alle Elemente des modernen Fußballs, sie ist kompakt, gut organisiert und versteht sich blind", sagte er der "Gazzetta dello Sport".
Sein Fazit: "Juve ist heute eines der interessantesten Fußball-Kollektive Europas."
